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Giftiges Gewand
Outdoorjacken erreichen im Greenpeace-Test bedenkliche Werte
Moderation: Marlis Schaum
Die Umweltorganisation Greenpeace hat Outdoor-Jacken von großen Herstellen getestet. Viele Jacken sind durch Chemikalien belastet. Für Menschen besteht keine direkte Gefahr.
Von Axel Schröder
"In der Studie haben wir gesehen, dass Kleidung von Jack Wolfskin, North Face, Patagonia, Kaikialla und Marmot besonders mit Perfluoroktansäure belastet ist", sagt Christiane Huxdorf von Greenpeace Deutschland. Die Studie "Chemie für jedes Wetter!" untersucht Outdoor-Bekleidung auf ihre Konzentration an so genannten "perfluorierten Schadstoffen". "Hohe Konzentrationen von Fluortelomeralkoholen haben wir bei Vaude, bei Mammut, Kaikialla und Patagonia gefunden." Greenpeace ließ in zwei Laboren 14 Jacken führender Hersteller für Outdoor-Bekleidung untersuchen.
Chemikalien gelangen bis in die Leber von Eisbären
Den höchsten Anteil an Perfluoroktansäure (PFOA) enthält nach der Studie eine Damenjacke der Firma Kaikialla, auch Kinderjacken von Vaude oder Seven Summits enthalten den Stoff, vor dem Christiane Huxdorf warnt: "Diese Stoffe haben die Eigenschaft, dass sie sehr langlebig sind, das heißt, die werden seit 50 Jahren von Menschen produziert und reichern sich auch in der Umwelt an. Wir haben sie auch in der Leber von Eisbären gefunden, obwohl diese Stoffe dort gar nicht angewendet werden."
Bei den Outdoor-Jacken haben die Stoffe eine besondere Aufgabe: Sie tragen dazu bei, dass Schweiß abtransportiert, Regen aber ausgesperrt wird. Im menschlichen Körper können sich perfluorierte oder polyfluoarierte Chemikalien, kurz PFC, im Gehirn oder in der Leber anreichern. Dort, so Annegret Biegel-Engler vom Umweltbundesamt, könnten sie zu schweren Erkrankungen führen.
Gift für die Fortpflanzung
"Perfluoroktansäure wirkt für den Menschen und für die Tierwelt reproduktionstoxisch", so Biegel-Engler. Sie stellt klar: "PFOA ist Gift für die Fortpflanzung. Sobald es einmal in die Umwelt eingetragen wird, kann es nicht abgebaut werden." Das Gift reichere sich entlang der Nahrungskette in Lebewesen an, sagt Biegel-Engler und ergänzt, dass es genau diese Kombination von Eigenschaften sei, die das Umweltbundesamt als sehr besorgniserregend bezeichne.
Wegen dieser Wirkungen dürfen einige PFCs, zum Beispiel Perfluoroktansulfonsäure (kurz: PFOS) schon seit Jahren nicht mehr eingesetzt werden. Und an das Verbot dieses Stoffs halten sich die Hersteller von Outdoor-Bekleidung auch. Sie verwenden stattdessen die bisher noch erlaubte verwandte Perfluoroktansäure - das von Annegret Biegel-Engler beschriebene PFOA. Aber dieser Stoff hat ähnliche Wirkungen wie die verbotene Substanz.
Perfluoroktansäure ist genauso toxisch wie verbotene Stoffe
"PFOS und PFOA sind durchaus vergleichbar in ihren Wirkungen", so Biegel-Engler. "Das PFOS ist noch einen Tacken schärfer, das reichert sich noch stärker in der Nahrungskette und in Organismen an als das PFOA. Aber es ist genauso toxisch für die Reproduktion", erklärt Biegel-Engler
Deswegen will das Umweltbundesamt die Anwendung des Stoff auch verbieten lassen. Anfang des kommenden Jahres soll eine Entscheidung fallen, ob nach PFOS auch PFOA auf die Liste der europäischen Chemikalien-Verordnung REACH gesetzt werden soll. Dass Regenjacken von namhaften Outdoor-Anbietern mit Schadstoffen belastet sind, hatte im August dieses Jahres schon die Stiftung Warentest öffentlich gemacht. Im März hatte auch das Fernsehmagazin Monitor über die Chemikalien berichtet.
Outdoorjacken und Imprägniersprays [Monitor, 01.03.2012]
Die Hersteller reagieren gelassen
Die Hersteller der bemängelten Outdoor-Bekleidung reagieren gelassen auf die Ergebnisse des Greenpeace-Tests. Man werde die Resultate sorgfältig prüfen, teilten sie WDR 5-Reporter Axel Schröder auf Anfrage via E-Mail mit. Natürlich setze man alles daran, in den kommenden Jahren ganz ohne die Giftstoffe auszukommen. So schnell gehe das aber nicht, betonen zum Beispiel Vaude, Mammut oder Jack Wolfskin. Denn noch sind neue Wunderstoffe nicht gefunden, die ähnliche Eigenschaften wie das giftige PFOA haben.
Den Trägern schadstoffhaltiger Outdoor-Bekleidung droht keine akute Gefahr, bestätigt Huxdorf von Greenpeace Deutschland. "Aber durch den Einsatz in der Produktion sind die Textilien mit diesen Chemikalien ausgerüstet", sagt Huxdorf. Nach einem heftigen Regenschauer geraten dann kleinste Schadstoffmengen in Flüsse, Seen und in die Kanalisation unserer Großstädte. Deren Kläranlagen können die per- oder polyfluorierten Schadstoffe nicht herausfiltern.
Tipps für den Jackenkauf
Huxdorf gibt deshalb Ratschläge, worauf man beim nächsten Jackenkauf achten sollte: Käufer sollten nach Jacken ohne Membran auf PFOA-Basis fragen. Die kämen zwar in ihrer regenabweisenden Wirkung nicht ganz an die kritisierten PFOA-haltigen Modelle heran. Aber schließlich, so Christiane Huxdorf, sind die meisten von uns eben nicht bei minus 30 Grad im Eissturm unterwegs, in der Dauernässe der südostasiatischen Regenzeit, sondern auf dem Asphalt unserer Straßen, auf dem kurzen Weg zum Büro, zum Sport, zum Bäcker. Highend-Jacken, so Huxdorf, bräuchten wir nicht, um trocken zu bleiben.
Greenpeace hat auch die hauseigene, in Zusammenarbeit mit der Firma Zimtstern entwickelte und angeblich völlig schadstofffreie Regenjacke im typischen Lindgrün getestet. Das Ergebnis: Ein Quadratmeter Stoff enthält 0,3 Mikrogramm PFOS. Ganz ohne geht es auch hier nicht.
Redaktion:
Christian Wesener und Jan Friese





![Bild: Pfanne mit Atom; Rechte: interfoto/mauritius images/WDR[m]](/fileadmin/user_upload/Sendungen/Leonardo/2012/Kuechenexperimente/Foto/KETeaserLogo_160x70.jpg)







