Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 28.01.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Schellack-Platte und Tonheber; Rechte mauritius images

 Verschafft Stereoklang

Die Kleine Anfrage: Wie kommen zwei Tonkanäle in eine Schallplattenrille?

Moderation: Martin Winkelheide

Es ist selten geworden, aber viele werden sich noch erinnern: Da steht man vor einem Plattenspieler, und stellt verwundert fest, wie sich die winzige Plattennadel in die ebenfalls winzige Plattenrille senkt und plötzlich aus den Lautsprechern ein ganzes Orchester erklingt. Man sieht es beinahe vor sich, links die Bläser, rechts die Streicher - ermöglicht durch das Wunder des Stereoklangs. Wie schafft das die kleine Plattennadel? Und welche Technik steckt dahinter? Das fragt sich Leonardo-Hörer Ben. Die Kleine Anfrage begibt sich auf die Spuren eines Kulturgutes und enthüllt ein spannendes Kapitel Technikgeschichte.

Eine Rille - zwei Kanäle?

Eine Stereoschallplatte schafft das kleine Wunder, einen rechten und einen linken Tonkanal mit einer einzigen Tonnadel abzutasten. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, denn obwohl die Idee dazu schon 1930 da war, haben die Techniker fast dreißig Jahre gebraucht, sie technisch auch umzusetzen. Wie es funktioniert – die Kleine Anfrage weiß die Antwort.

Wie kommen zwei Tonkanäle in eine Schallplattenrille?

Die Geschichte der Schallplatte beginnt schon bald nach Edisons Erfindung des Phonographen 1877. Drei Jahre später, 1880, machte Charles Sumner Tainter aus der Edison-Walze eine wächserne Scheibe – die erste Schallplatte. Die mechanischen Schwingungen einer schallempfindlichen Membran wurden direkt in einen Schneidestichel übertragen, der die Vibrationen in das Wachs schnitt. Und zwar senkrecht – als Hoch-Tief-Bewegung.

1887 entwickelte Emil Berliner eine neue Tonschrift für die Rille. Der Berliner Industrielle ließ den Schneidestichel nach rechts und links ausschlagen und schnitt so eine Schlangenlinie in berußte Glasplatten. Eine Schallquelle, ein Mikro, eine Rille: also Mono.

Zwei Kanäle fließen zusammen

Die Stereo-Idee wurde 1931 geboren. Der amerikanische Ingenieur Alan Blumlein reichte ein Patent ein, das die Tiefen- und die Seitenschrift vereinte, so dass zwei Kanäle in eine Rille passten. Aber nur theoretisch – es dauerte noch bis 1958 bis die erste Stereoabtastung auf den Markt kam. Bis dahin gab es diverse Verbesserungen, zum Beispiel vom harten Schellack zum geschmeidigeren Vinyl. Versuche mit zwei Plattennadeln in zwei parallelen Rillen scheiterten allerdings.

Raumklang im 90 Grad Tal

Mercury Records und RCA Victor waren die Ersten, die Stereoplatten auf den Markt brachten. Endlich Raumklang aus zwei Lautsprechern! Das kannte man damals nur von Magnettonbändern. Für die Schallplatte wurde die Blumlein-Idee der Tonschrift um genau 45 Grad weitergedreht. Die Rille ähnelte einem 90 Grad-Tal; in die eine Flanke wurde der linke Tonkanal geschnitten, der rechte Kanal in die andere Flanke. Ebenfalls im 90 Grad Winkel warten zwei elektromagnetische Spulen auf die Bewegungen „ihrer Flanke“ und wandeln sie um in Musik. Das System ist bis heute im Prinzip unverändert. Der große Vorteil: Tonabnehmer für Flankenschrift können auch Monoplatten lesen.

Autor/in:

Gerhard Richter

Redaktion:

Martin Gent

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Wie kommen zwei Tonkanäle in eine Schallplattenrille?

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