Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 27.01.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Buchcover; Rechte: Campus Verlag

 Service Sachbuch

Service Sachbuch: Armut in einem reichen Land

Ein Standardwerk gründlich überarbeitet

Moderation: Andreas Lange

Armut in einem reichen Land: Wie das Problem verharmlost und verdrängt wird
Von Christoph Butterwegge
Campus Verlag; 3. aktualisierte Auflage (Januar 2012); 400 Seiten
ISBN: 978-3593396057
EUR 24,90


Christoph Butterwegge, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Köln, hat mit „Armut in einem reichen Land – Wie das Problem verharmlost und verdrängt wird“ ein Standartwerk zur wachsenden sozialen Ungleichheit in Deutschland geschrieben. Es ist nun aktuell überarbeitet in der dritten Auflage erschienen. Zu keinem Zeitpunkt habe man sich in der Bundesrepublik Deutschland ernsthaft mit dem Problem der sozialen Ungleich auseinandergesetzt. Trotz nahezu kontinuierlichem Wirtschaftswachstum und der jahrelangen Erfolge des Exportweltmeisters Deutschland verfestigt sich seit drei Jahrzehnten die Spaltung zwischen Arm und Reich. Besonders seit den Hartz-IV-Reformen – also mit der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe.

Vor allem Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose sind von Armut bedroht. Aber auch die Armut trotz Arbeit wächst. Es könnten sogar immer mehr Menschen arbeitslos werden, die hoch qualifiziert sind und ihr ganzes Leben lang in festen Arbeitsverhältnissen waren,  prognostiziert Butterwegge. Längerfristig befürchte er zudem, dass wir nach einer Verjüngung der Armut in den letzten Jahren nun wieder verstärkt mit Altersarmut rechnen müssen. Die Politik sei für diese Entwicklung durch ihre neoliberale Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik mitverantwortlich.

Butterwegge beobachtet einen in unserer Gesellschaft verstärkten  „Sozialneid nach unten“:  Besserverdienende gönnen Arbeitslosengeld- und Sozialhilfeempfängern ihre relativ kümmerlichen Transferleistungen nicht. Die Studie macht deutlich: Armut ist ein politisch-normativer Begriff. Was in der internationalen Armutsforschung bereits seit langem zum wissenschaftlichen Grundkonsens gehört – nämlich, dass Armut in den unterschiedlichen Ländern über denselben Leisten geschlagen werden kann, sondern sich der Maßstab auf das Wohlstandsniveau des jeweiligen Landes beziehen muss - stört hierzulande neoliberale Wirtschaftswissenschaftler. Sie wollen einen deutschen Sozialstaat auf Suppenküchenniveau, moniert Butterwegge. 

Autor/in:

Ingo Zander

Redaktion:

Rainer Marquardt

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