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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 26.06.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Ein älterer Mann trinkt ein Glas Whiskey; Rechte: picture alliance /Science Photo Library

 Riskanter Alkoholkonsum

Service Gesundheit: Sucht im Alter

Ein unterschätztes Problem

Moderation: Marija Bakker

Suchterkrankungen von älteren Menschen wurden bis vor ein paar Jahren in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei gibt es überraschend viele abhängige Senioren. Mehr als 400.000 der über 60-Jährigen sind beispielsweise alkoholabhängig, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Weitere drei Millionen ältere Menschen zeigen einen riskanten Alkoholkonsum. Doch auch im Alter ist es lohnenswert und möglich, etwas zu ändern. Mittlerweile gibt es sogar Suchtkliniken mit speziellen Angeboten für ältere Menschen.

Viele Menschen sind betroffen

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen zählt zwei Millionen über 60-Jährige, die abhängige Raucher sind. Über 1,5 Millionen Menschen kommen von Medikamenten wie Schlafmitteln und Beruhigungsmitteln nicht mehr los. Mehr als 400.000 der über 60-Jährigen sind alkoholabhängig. Weitere drei Millionen ältere Menschen zeigen einen riskanten Alkohol Konsum.

Leiden im Verborgenen

Dass lange Zeit wenig über das Thema zu hören war, hat vielfältige Gründe. Oft schämen sich die Betroffenen und versuchen ihre Sucht geheim zu halten. Angehörige bagatellisieren häufig. „Lass Opa doch sein Schnäpschen“, heißt es dann. Viele glauben auch, dass sich ein Entzug im hohen Alter nicht mehr lohnt. Und in der Suchthilfe und Altenhilfe war die Ansicht weit verbreitet, dass sich Suchttendenzen im Alter irgendwie auswachsen.

Ältere besonders gefährdet

Inzwischen ist wissenschaftlich belegt, dass Abhängigkeiten nicht einfach so im Alter verschwinden. Sie bleiben erhalten. Dazu verringert sich die Fähigkeit des Körpers, die Suchtstoffe zu verarbeiten. Daneben gibt es noch eine Gruppe von Menschen, bei denen Abhängigkeiten erst im Seniorenalter entstehen. Etwa ein Drittel der Alkoholabhängigen beginnen erst nach dem 60. Lebensjahr mit dem Trinken.

Suchtgefahr nach Lebenskrisen

Eine Reihe von Faktoren erhöhen bei Senioren das Risiko, suchtkrank zu werden. Das können zum Beispiel der Verlust des sozialen Netzwerkes, die Pensionierung oder der Tod des Partners sein. Auch finanzielle Einbußen, körperliche Einschränkungen und Schmerzen können dazu beitragen, dass ältere Menschen eher zum Alkohol oder Tabletten greifen.

Typische Anzeichen schwer zu erkennen

Die Anzeichen einer Abhängigkeit lassen sich bei Senioren besonders schwer deuten. Denn: Die Symptome einer Sucht, wie häufiges Fallen, geistiger Rückzug und körperliche Unbeweglichkeit, ähneln ganz normalen Alterserscheinungen und können mit ihnen verwechselt werden. Angehörige und Ärzte sollten also daran denken, dass auch eine Suchtkrankheit hinter den Beschwerden stecken kann.

Spezielle Kliniken für ältere Abhängige

Wenn ältere Menschen gegen ihre Sucht angehen möchten, können sie sich zunächst an ihren Hausarzt wenden. Es gibt

inzwischen Kliniken, die sich auf die Behandlung von älteren Menschen spezialisiert haben. Zum Beispiel die acht Einrichtungen, die das Bundesgesundheitsministerium im Rahmen des Förderschwerpunktes „Sucht im Alter“ finanziell unterstützt. Fachkräfte lernen hier, wie sie speziell auf ältere Suchtkranke eingehen können. Suchthilfe und Altenhilfe arbeiten zusammen und haben ein altersgerechtes Entzugsprogramm entwickelt. In Gruppen- und Einzelsitzungen und bei Sporttherapie lässt sich lernen, das Verlangen nach dem Suchtstoff zu bezwingen. Dabei geht es nicht nur um die Sucht, sondern auch um allgemeine Themen des Alterns.

Ganz gleich wie alt: Der Ausstieg lohnt sich immer!

Der Ausstieg aus einer Sucht lohnt sich immer, ganz gleich, wie alt man auch ist, betont der Psychologe Arnulf Vosshagen. Bettlägerigkeit, Stürze, unzählige Folgeerkrankungen – vieles lasse sich vermeiden. Und so wird ein zufriedenes und selbstbestimmtes Alter erst möglich.

Autor/in:

Anna Florenske

Redaktion:

Monika Kunze

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