Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 26.01.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Ein Wasserglas steht neben einer schlafenden Frau; Rechte: picture alliance/Cultura

 Was wäre wenn...

Die Kleine Anfrage: Muss ein Schlafender pinkeln, wenn man seine Hand in warmes Wasser taucht?

Moderation: Marija Bakker

Hier bei Leonardo ist es jetzt Zeit für ein interessantes Pinkel-Experiment: Ein Leonardo-Hörer, die uns seit fünf Jahren aus New York zuhört, möchte ein Rätsel aus ihrer Kindheit lösen: Sie würde gerne wissen, ob ein Schlafender, dem man die Hand in warmes Wasser taucht, wirklich nach kurzer Zeit ins Bett pinkelt? Sie habe das mit großem Spaß bei Klassenfahrten ausprobiert. Die Kleine Anfrage ist dieser ungewollten Blasenentleerung mal nachgegangen.

Es wird angeblich genauso gerne ausprobiert wie der Trick mit der Zahnpasta unter der Türklinke: das Pinkelexperiment. Zielgruppe: Mitschüler während einer Klassenfahrt. Vorgehensweise: Eine Gruppe Verschwörer füllt nachts heimlich einen Eimer mit lauwarmem Wasser, schleicht sich damit an einen schlafenden Mitschüler heran und taucht eine seiner Hände vorsichtig ins Wasser. Ergebnis: Der Schlafende uriniert ins Bett. 

Hoher Aufwand – wenig Erkenntnis

Selbst Menschen, denen man vertraut, behaupten, dieses Experiment sei ihnen bereits gelungen. Wissenschaftliche Untersuchungen gibt es dazu allerdings nicht. Eine solche Untersuchung wäre auch sehr zeitaufwändig, komplex und teuer: Man müsste unter anderem Alter und Geschlecht der Probanden berücksichtigen; wann und wie viel jemand zuletzt vor dem Schlafengehen getrunken hat, wann er ins Bett geht, in welcher Schlafphase man seine Hand in Wasser taucht, wie tief und wie lange und welche Temperatur das Wasser hat.

Komplexes Blasenfunktionssystem

Das Ganze dann am besten noch im Blindversuch - ohne die Probanden vorab zu informieren. Der Erkenntnisgewinn rechtfertigt solch einen Aufwand wohl eher nicht. Also kann man sich nur auf physische Spurensuche begeben und dort nach möglichen Antworten suchen: Das Blasenfunktionssystem ist komplex und deshalb natürlich durchaus fehleranfällig. Im Rückenmark sitzt ein Blasenreflexzentrum, an das die Blase bei einer Füllmenge von etwa drei Viertel meldet, dass eine Entleerung bald angebracht wäre. 

Blasenentleerungskontrolle wird erlernt

Diese Meldung geht über das Rückenmark ans Großhirn. Entweder reagiert man dann, indem man eine Toilette aufsucht, oder man unterdrückt die Meldung und entscheidet noch auszuhalten. Die Kontrolle über die Blase erlernt man nämlich im Laufe seines Lebens. Da die Blase ein dehnbarer Muskel ist, kann man ihn auch trainieren. Außerdem passt - abhängig von Körpergröße, Alter und Geschlecht - unterschiedlich viel Urin in eine Blase, bevor sie den Pegel erreicht hat, der die Reaktionskette der Blasenentleerung in Gang setzt.

Langsamere Entwicklung bei vielen Jungen

Tatsächlich erlernen viele Jungen die vollständige Blasenentleerungskontrolle aber etwas langsamer als der Durchschnitt – bis zu einem Alter von 15 bzw.16 Jahren. Diese Kontrolle setzt vor allem dann aus, wenn man nicht bei Bewusstsein ist, also im Tiefschlaf. Das erklärt vielleicht, warum die Geschichte vom Pinkelexperiment so häufig im Klassenfahrtenalter die Runde macht: Vielleicht ist es tatsächlich mal geglückt, weil das Opfer seine Blasenentleerung noch nicht vollständig unter Kontrolle hatte. 

Fehleranfällig im Laufe des Lebens

Natürlich gibt es auch Nervenbahnen und Verschaltungen zwischen Händen und Rückenmark und Rückenmark und Blase, und die kreuzen sich irgendwo auch mal. Ob dabei dann alleine durch Wärme und Wasser an der Hand eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden kann, die sich auf die Blasenentleerung auswirkt, ist völlig ungeklärt. Allerdings kann im Laufe eines Lebens das System der Blasenfunktion natürlich an verschiedenen Stellen gestört werden. Wenn Verletzungen, Erkrankungen oder Infektionen auftreten, kann das zum Beispiel zu einer Verschaltungsschwäche führen, einer Muskelschwäche oder einer Muskeldegeneration mit entsprechenden Folgen. 

Autor/in:

Marlis Schaum

Redaktion:

Martin Gent

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