s
Google ist vor allem bekannt für seine gleichnamige Internet-Suchmaschine, aber das kalifornische Unternehmen ist deutlich mehr als ein reiner Suchmaschinen-Anbieter. Mittlerweile bietet Google u. a. einen E-Mail-Dienst, eine Online-Festplatte, einen Dienst mit digitalen Karten und Satelliten-Bildern, ein Handy-Betriebssystem und vieles mehr an – und alles ist kostenlos. Demnächst soll nun auch ein Computer-Betriebssystem dazu kommen, das wurde in der vergangenen Woche bekannt. Die Computerwelt ist gespalten: Die einen begrüßen das schnelle, schlanke System, die anderen warnen vor noch mehr Kontrolle durch den Hersteller. Denn längst hat sich Google zu einem der größten Datensammler der Welt entwickelt.
Vor-Vor-Vorversion
Ein genaues Bild von „Chrome OS“ kann man sich derzeit noch nicht machen. In der vergangenen Woche gab der Hersteller lediglich seine Pläne bekannt, veröffentlichte den Sourcecode für alle Entwickler und zeigte einige Videos. Jeder Entwickler kann nun in das Innere des Betriebssystems hineinschauen und mithelfen, es fertig zu stellen. Diese als „Open Source“ bezeichnete, offene Version nennt der Hersteller „Chromium OS“. Sie besteht aus zwei Elementen: Als Kern arbeitet dort Linux, das bereits bekannte, freie Betriebssystem. Darüber stülpt Google den eigenen Webbrowser „Chrome“. Einige wenige Spezialprogramme stellen die Verbindung zwischen beiden her – das war’s. Mehr soll das gesamte System nicht enthalten. Ganz genau wird man das aber erst im nächsten Jahr wissen, wenn die ersten Computer mit dem dann fertig gestellten neuen System „Chrome OS“ auf den Markt kommen.
Schnell im Web
Die ersten Demos des neuen Systems zeigen, dass es sehr schnell startbereit ist. Schon wenige Sekunden nach dem Einschalten meldet sich ein Computer mit „Chrome OS“ zum Dienst. In der ersten Zeit soll „Chrome OS“ ausschließlich auf kleinen Notebooks – den so genannten „Netbooks“ laufen. Und es gibt noch eine Einschränkung: Wer mit einem „Chrome“-Computer arbeiten will, der braucht unbedingt einen Internet-Zugang. Auf dem eigentlichen Computer soll nämlich gar nichts installiert werden. Programme und Daten – alles wird im Web gespeichert sein und soll dort stattfinden. Wer dann also gerade keinen Netz-Zugang hat, der kann auch nicht arbeiten…
Alle bei Google
Das aber ist nicht nur unpraktisch, sondern unter Umständen auch gefährlich. Denn nicht nur die Anwendungen wie Textverarbeitung, E-Mail-Programm oder Fotobearbeitung liegen auf Google-Servern im Internet. Auch sämtliche eigenen Daten lagern dort. Nicht wenigen Computer-Nutzern bereitet diese Vorstellung ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Denn schließlich ist Google ein Wirtschaftsunternehmen und ein Datensammler. Das Unternehmen ist daran interessiert, möglichst viel über jeden einzelnen Internet-Nutzer in Erfahrung zu bringen, um diese Information dann an andere Firmen zu verkaufen. Google beteuert zwar immer wieder, dass all das anonym passiert – einen Beleg dafür gibt es aber nicht. Vor wenigen Tagen wurden sogar Überlegungen von Google bekannt, das Betriebssystem „Chrome OS“ mit dem Handy-Betriebssystem „Android“ zusammen zu legen, was das Datensammeln noch einfacher machen würde.
Mit Daten geizen
Jeder Computer-Nutzer wird sich also gut überlegen müssen, ob er seine Texte, Grafiken, Tabellen, E-Mails und Fotos einem Unternehmen wie Google überlassen will. Bei Benutzung eines Computers mit „Chrome OS“ als Betriebssystem wird man es jedenfalls schwer haben, dies zu verhindern. Immer wieder ist im Netz als Argument zu hören: Niemand wird gezwungen, die Google-Dienste zu nutzen. Das ist sicher richtig. Aber: Als Computer-Laie wird man die voreingestellten Dienste von Google wohl auch verwenden – schließlich ist das ja am einfachsten. Und zurzeit sieht es nicht so aus, als wenn es viele eigenständige Programme für das Betriebssystem geben wird, die man auf dem Computer selber installieren könnte.
Autor/in:
Gespräch mit Michael Stein
Redaktion:
Joachim Hecker






![Bild: Pfanne mit Atom; Rechte: interfoto/mauritius images/WDR[m]](/fileadmin/user_upload/Sendungen/Leonardo/2012/Kuechenexperimente/Foto/KETeaserLogo_160x70.jpg)






