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In Anlehnung an das duale Studium hat die Handwerkskammer zu Köln ein Angebot entwickelt, das Handwerksberufe auch für Abiturienten attraktiv machen soll. Dabei werden drei Ausbildungsgänge gekoppelt: eine herkömmliche Berufsausbildung im Handwerk, mit dem Gesellenbrief als Abschluss, mit einem Meister-Lehrgang in der Handwerkskammer als dem zweiten und einem begleitenden Studium der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands als drittem Bestandteil.
Für wen eignet sich das triale Studium?
Dieser Ausbildungsgang ist offen für junge Menschen mit Abitur, die Interesse an einer praktischen Ausbildung haben. Das Handwerk leidet darunter, dass Berufe in ihren Branchen offenbar wenig beliebt sind. Wer die Möglichkeit hat, der wählt lieber einen Beruf, in dem er oder sie sich nicht die Hände schmutzig machen muss – Ausnahmen bestätigen die Regel.
Aber in den Handwerksbetrieben werden junge Menschen gebraucht, die auch die Betriebe übernehmen und führen können. Und dazu braucht es mehr als die Beherrschung des Handwerks.
Angehende Meister lernen in ihren Kursen schon das Einmaleins der kaufmännischen Betriebsführung. Sie lernen, was sie brauchen, um selbst Gesellen auszubilden, und natürlich vertiefen sie die fachlichen Grundlagen ihres Gewerkes. „Aber das reicht heute oft nicht mehr“, meint Michael Brücken von der Kölner Handwerkskammer. Handwerksbetriebe müssen zu dienstleistungsorientierten Unternehmen werden, die sich einem internationalen Wettbewerb stellen. Der Handwerksmeister mit einem Betrieb von 10 und mehr Mitarbeitern steht nicht mehr selbst an der Werkbank oder auf der Baustelle, sondern er organisiert, plant, akquiriert und rechnet ab, kurz, er hat einen white-collar job. Fragt sich nur, ob es wirklich das ist, was jemand sucht, der Tischler oder Installateur werden will.
Wie läuft das triale Studium ab?
Die gesamte Ausbildungszeit dauert viereinhalb Jahre. Der Azubi-Student startet gleichzeitig mit der Ausbildung im Betrieb – und der Berufsschule – auch das Studium. Die Berufsausbildung für Abiturienten wird in der Regel auf zweieinhalb Jahre verkürzt. Die verbringt man zum größten Teil im Betrieb, aber auch in der Berufsschule und in überbetrieblichen Ausbildungsstätten.
Das parallele Studium findet an jedem zweiten Freitagabend und Samstagvormittag statt. Neben diesen Präsenzphasen in der Fachhochschule des Mittelstands gibt es E-Learning-Einheiten, zu denen die Azubis zu festen Zeiten an einem Abend in der Woche vor dem heimischen Computer sitzen müssen.
Nach der Gesellenprüfung folgt eine Zeitspanne, in der sich die Studenten ausschließlich dem Studium und der Meisterprüfung widmen. Nach der Meisterprüfung bleibt dann noch Zeit, eine praxisorientierte Bachelorarbeit zu schreiben. Mit dem Bachelor in Handwerksmanagement können sich die Absolventen auch noch für ein Masterstudium bewerben.
Vorteile:
Wer nach der Schule erst einmal lieber etwas Praktisches, Handwerkliches tun möchte, ohne sich damit in eine berufliche Sackgasse zu begeben, für den ist das triale Studium eine gute Möglichkeit.
Die Handwerkskammer wirbt damit, dass in einem Viertel ihrer rund 33.000 Mitgliedsbetriebe der Meister älter als 50 Jahre ist und deshalb in den nächsten Jahren einen Nachfolger sucht, eine gute Chance für qualifizierte Bachelor-Meister-Handwerker.
Nachteile:
Die zeitliche Zusatzbelastung durch das Studium müssen Bewerber schon in Rechnung stellen. Aber die ist, wie Teilnehmer versichern, überschaubar. Im Unterschied zum dualen Studium gibt es aber kein Finanzierungsmodell, bei dem der ausbildende Betrieb Kosten für das Studium übernimmt, oder den Lebensunterhalt in der Zeit sichert, in welcher der Studierende nicht mehr als Auszubildender mitarbeitet.
Die Kosten für die Meisterlehrgänge müssen ebenso aufgebracht werden, wie die Gebühren für die private Fachhochschule des Mittelstands. Nach Auskunft der Handwerkskammer sind das Belastungen von rund 400 Euro monatlich. In vielen Ausbildungsberufen bekommen die Lehrlinge auch nicht mehr, das heißt, es bliebe nichts mehr für den Lebensunterhalt.
Reguläres BAföG gibt es nicht, denn das Studium wird dann schon als Weiterbildung betrachtet. Bleibt noch das Meister-BAföG. Das ist ein vollständig zurück zu zahlendes Darlehen, sowie andere Studiendarlehen. Oft sind die Eltern die Finanziers, vor allem, wenn sie damit ihre Kinder darauf vorbereiten wollen, den elterlichen Betrieb zu übernehmen.
Wie können sich Abiturienten um einen Studienplatz bewerben?
Nach Einreichung der schriftlichen Bewerbungsunterlagen lädt eine Bewerbungskommission zu einem mehrstündigen Auswahlverfahren ein. Die Bewerberinnen und Bewerber lösen verschiedene Gruppenaufgaben, nehmen an einem Englischtest teil und durchlaufen eine Kompetenzdiagnostik. Den Abschluss bildet ein persönliches Vorstellungsgespräch mit einem der Hochschullehrer. Auf der Grundlage einer abschließenden Gesamtbeurteilung erhalten die Bewerberinnen und Bewerber in der Regel eine Studienplatzzusage oder –absage von der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM).
Formale Voraussetzungen zur Aufnahme des trialen Studiums ist das (Fach-)Abitur oder eine äquivalente Hochschulzugangsberechtigung, sowie ein Ausbildungsvertrag in einem der folgenden Gewerke:
- Augenoptiker
- Bäcker und Konditoren
- Dachdecker
- Elektrotechniker
- Feinwerkmechaniker
- Fliesenleger
- Friseure
- Informationstechnik
- Installateure und Heizungsbauer
- Karosseriebauer
- Kraftfahrzeugtechniker
- Maler und Lackierer
- Maurer & Betonbauer
- Metallbauer
- Straßenbauer
- Tischler
- Zahntechniker
- Zweiradmechaniker
Kontakt:
Fortbildungszentrum Köhlstraße der
Handwerkskammer zu Köln
Tel.: 02 21- 20 22-749
Köhlstraße 8, 50827 Köln
bruecken@hwk-koeln.de
Autor/in:
Karl-Heinz Heinemann
Redaktion:
Angelika Böhrke




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