Donnerstag, 09.02.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 24.03.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Eine Physikstudentin an der Tafel bei der Berechnung von Relativitätsgeschwindigkeiten; Rechte: picture-alliance/dpa

 Horrorfach für Studenten

Service Bildung: Mathestarthilfe für Ingenieurstudenten

Moderation: Andreas Lange

Mathematik ist für viele ein Schrecken: abstrakte Berechnungen, wüste Formeln und griechische Buchstaben. Doch während für die meisten das Leid mit Mathe nach der Schule zu Ende ist, fängt es für manche dann erst richtig an: Wer Ingenieur werden will, muss Höhere Mathematik lernen, und für einige Studienanfänger ist das Horrorfach Mathe der Knackpunkt: zu abstrakt, zu schwer, zu schnell, und was man damit soll, wird schon gar nicht klar.
Das soll sich jetzt ändern, zumindest an der Ruhr-Universität Bochum. Dort haben Mathematiker ein Konzept erarbeitet, um Ingenieursstudenten in den ersten Semestern unter die Arme zu greifen. Das Projekt hat bei einem bundesweiten Wettbewerb vor kurzem eine viertel Million Euro Fördergelder gewonnen, und Leonardo hat sich die Bochumer Mathe-Starthilfe für Ingenieure genauer angesehen.


Wer Ingenieurswissenschaften oder Physik studieren will, für den ist Mathematik oft eine Hürde in den ersten Semestern. Das Projekt „MP2 – Mathe/Plus/Praxis“ an der Ruhr-Universität Bochum soll Studienanfängern mit Schwierigkeiten in Mathematik den Start erleichtern. Das Angebot richtet sich an zwei Gruppen: Anfänger, die in der Schule nicht ausreichend gelernt haben, wie man selbstständig lernt, und die deshalb nach kurzer Zeit in Schwierigkeiten geraten, wird mit dem Programm Mathe1Plus eine strukturierte Studienbegleitung angeboten; Studenten mit Motivationsproblemen erhalten im Programm Mathe2Praxis Gelegenheit, Anwendungen der Höheren Mathematik selbst zu entdecken. Wer bei dem Projekt „MP2 – Mathe/Plus/Praxis“ mitmachen möchte, muss sich im Gegenzug verpflichten, an allen Kursen und Vorlesungen teilzunehmen. Das soll, hoffen die Bochumer Mathematiker, dem Studentenschwund in der Anfangsphase vor allem in den Ingenieurswissenschaften entgegenwirken.

Betreuung und Anleitung

Im Programm Mathe1Plus werden vier Wochen nach Studienbeginn Studenten der großen Anfängervorlesung „Mathematik für Maschinenbauer, Bauingenieure und Umwelttechniker“ angesprochen, denen möglicherweise grundlegende Arbeitstechniken fehlen. In zusätzlichen Übungsgruppen soll ihnen beigebracht werden, wie man an der Universität richtig lernt. Die Studenten sollen lernen, wie man den Stoff einer Vorlesung richtig nachbereitet, wie man das ganze Semester über am Ball bleibt, sodass kurz vor der Klausur nicht ein riesiger Berg an Stoff zu lernen ist, und wie man erkennt, was die Übungsaufgaben eigentlich mit welchem Kapitel der Vorlesung zu tun haben.

Hilfe im Helpdesk

Zusätzlich müssen die Studenten den „Helpdesk Mathematik“, also den „Hilfeschreibtisch“, besuchen. In der offenen Sprechstunde für Studenten anderer Fakultäten, die Mathematik lernen müssen – wie etwa Psychologen, Chemiker, Biologen, Geowissenschaftler oder Elektrotechniker – stehen jeden Nachmittag Mathestudenten bereit, um kostenlos bei Fragen und Problemen zu helfen. Die Hemmschwelle, mit Problemen zu gleichaltrigen Kommilitonen zu gehen, ist meist nicht so hoch, wie den Dozenten zu fragen, und so ist der Helpdesk gerade vor den Klausuren so beliebt, dass er inzwischen auch während der gesamten vorlesungsfreien Zeit angeboten wird.

Online lernen

Begleitend zu den zusätzlichen Übungsgruppen und den Sprechstunden im Helpdesk sollen den Studenten mit Matheschwierigkeiten Online-Angebote im Internet zu Verfügung stehen, mit denen sie ihr Wissen selbst überprüfen und Lücken beheben können.

Wofür braucht man das?

Einige Studenten meistern in der Regel zwar die erste Matheklausur, verlieren aber später die Motivation, weil für sie der Bezug der Mathematik zu praktischen Anwendungen und Problemen in ihrem Fach nicht erkennbar ist. Studenten, denen der Bezug zur Praxis im Fach Mathematik fehlt und die deswegen Motivationsschwierigkeiten haben, können im Programm Mathe2Praxis in kleinen Gruppen an verschiedenen Projekten mitarbeiten und herausfinden, wo Mathematik in Ingenieurwissenschaften und Industrie eine wesentliche Rolle spielt. In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Maschinenbau werden die Mathematiker Aufgaben erarbeiten, die mit den Rechentechniken, die im zweiten Semester gelehrt werden, zu lösen sind, aber trotzdem keine trockenen Rechenübungen, sondern Praxisbeispiele sind, etwa: Was passiert, wenn man im Auto den Fuß vom Gas nimmt? Hier müssen einige Gleichungen gelöst werden, um zu erkennen, wie sich die Steuerelektronik des Motors verhält.

260.000 Euro Fördergeld

Das Projekt gehört zu den Siegern des Wettbewerbs „Nachhaltige Hochschulstrategien für mehr MINT-Absolventen“ und wird vom Stifterverband der deutschen Wissenschaft sowie der Heinz Nixdorf Stiftung mit rund 260.000 Euro für zwei Jahre gefördert. Davon werden für zwei Jahre zwei Mathematikerstellen besetzt. Erstmals werden Studenten, die zum Wintersemester 2010/11 in Bochum zu studieren beginnen, das Angebot nutzen können.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Herold Dehling, Fakultät für Mathematik der Ruhr-Universität Bochum, E-Mail: herold.dehling@rub.de

 

Autor/in:

Aeneas Rooch

Redaktion:

Angelika Böhrke

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