Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 24.01.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Mit Hilfe eines kleinen Blutstropfens wird mit einem Gerät der Zuckergehalt im Blut gemessen; Rechte: picture alliance/F. Rumpenhorst

 Anspruch auf Erstattung?

Service Gesundheit: Kein Anspruch mehr auf Blutzucker-Teststreifen

Wann zahlt die Kasse und wann nicht?

Moderation: Marlis Schaum

Blutzucker-Teststreifen bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch dann, wenn die Teststreifen für Patientinnen und Patienten wirkliche Vorteile haben. Eine entsprechende Entscheidung trat am 1. Oktober 2011 in Kraft. Seitdem ist die Unsicherheit bei den Patienten groß: Wer hat noch Anspruch auf Erstattung und wer nicht? Wann ist es sinnvoll, die Teststreifen selber zu bezahlen, wenn die Kasse es nicht mehr tut?

Wofür benötigt man die Teststreifen?

Bei Diabetes ist der Blutzuckerhaushalt gestört. Wer davon betroffen ist, muss Insulin spritzen, seine Ernährung anpassen oder Medikamente nehmen – und dabei ggf. berücksichtigen, dass der Blutzuckerspiegel durch Mahlzeiten, Bewegung oder auch Stress beeinflusst wird und schwankt. 

Wie misst man?

Es gibt verschiedene Blutzuckermessgeräte von unterschiedlichen Herstellern. In das Messgerät wird ein passender Teststreifen eingeführt. Auf diesen wird ein Tropfen Blut übertragen. Innerhalb von Sekunden gibt das Messgerät den Blutzuckergehalt an.

Wer bekommt die Teststreifen noch erstattet?

Alle Diabetiker, die Insulin spritzen, erhalten die Teststreifen erstattet. Das sind alle Diabetes I und manche Diabetes II- Patienten. Diabetikern, die kein Insulin zuführen müssen, bezahlt die gesetzliche Krankenkasse nur dann die Teststreifen, wenn ihr Blutzuckerhaushalt nicht stabil ist. Das kann zutreffen: 

  • Wenn ein Patient ein neues Anti-Diabetes-Medikament (Anti-Diabetikum) erhält und darauf eingestellt werden muss (richtige Dosierung finden). 
  • Wenn der Patient an einer anderen Krankheit leidet, die den Blutzuckerspiegel belasten kann (z. B. schwerer Infekt). 
  • Wenn der Patient Medikamente einnimmt, deren Einnahme es notwendig macht, dass der Blutzuckerspiegel kontinuierlich überwacht wird. Das steht z. B. bei den Medikamenten Glimapirid und Glibenclamid im Beipackzettel.

Was kosten die Streifen?

Das ist unterschiedlich. Der Preis für 50 Teststreifen variiert zwischen ca. 15 und 45 Euro.

Warum wird nicht mehr erstattet?

Es gibt keine Belege dafür, dass Diabetiker, die nicht Insulin spritzen müssen, einen gesundheitlichen Nutzen haben, wenn sie ihren Blutzucker mit Hilfe der Teststreifen selber überprüfen. So die Begründung des Gemeinsamen Bundesausschusses: Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das Gremium, das über die Erstattung durch die Krankenkassen entscheidet. 

Stimmt das?

Der G-BA beruft sich auf einen Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dieser Bericht kommt zu dem Schluss, dass es keine Belege für einen solchen Nutzen gebe. Allerdings steht in dem Bericht auch, dass es bisher zu wenig Studien gibt, um die Frage nach dem Nutzen abschließend zu beantworten. Die Studien, die es bisher zu dieser Frage gibt, sind z. B. zu kurz, um zu beobachten, ob es längerfristig etwas bringt, den Blutzucker selber zu messen. 

Die neue Regelung: Pro

Wenn für eine Therapie oder eine diagnostische Methode nicht belegt ist, dass sie einen Nutzen hat, soll die Gemeinschaft der Versicherten nicht dafür zahlen. Immerhin zahlten die gesetzlichen Krankenkassen bisher etwa 900 Millionen Euro im Jahr für die Teststreifen. 

Die neue Regelung: Contra

Viele Ärzte argumentieren, dass es wichtig ist, regelmäßig den Blutzuckergehalt zu messen. Denn so sieht der Patient, wie der Spiegel sich durch Ernährung, Sport oder Stress verändert und kann sein Verhalten anpassen. 

Was soll ein Diabetes-Patient, der nicht Insulin spritzt, tun?

Er sollte mit seinem Arzt besprechen, wie stabil sein Blutzuckerspiegel ist. Vielleicht fällt der Patient unter eine der Ausnahmeregelungen und bekommt doch Geld von seiner Krankenkasse. Oder er gewinnt im Gespräch Klarheit darüber, ob Selberzahlen sich lohnt. 

Autor/in:

Livegespräch mit Christina Sartori; Wissenschaftsjournalistin

Redaktion:

Monika Kunze

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