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Nach den Sommerferien werden alle am Lehrerberuf interessierten Abiturientinnen und Abiturienten sich im Internet einen Platz für ein Eignungspraktikum suchen können. Die Startseite des Online-Portals ELISE ist bereits frei geschaltet. Darauf finden Interessenten Broschüren und Informationen zu den rechtlichen Grundlagen des Ganzen.
Aber erst ab dem 23. August 2010 werden über dieses Portal Praktikumsplätze buchbar sein. Im Prinzip werden alle öffentlichen Schulen jeweils mindestens drei Plätze anbieten. Da eine direkte Buchung an einer Schule ausschließlich online möglich ist, sind Praktikumsanfragen via Telefon, E-Mail oder Brief direkt bei Schulen und Bezirksregierungen nicht nötig.
Damit bietet Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland künftigen Lehrerinnen und Lehrern ein Eignungspraktikum an, um den Arbeitsplatz Schule bereits vor einem Lehramtsstudium kennen zu lernen. Statt vier Wochen im Block kann man auch über ein Schulhalbjahr immer an einem Wochentag in die Schule kommen und dort sechs Stunden verbringen. Das Herzstück des Eignungspraktikums ist die abschließende Eignungsberatung, die künftige Studierende bei der Studien- und Berufswahl unterstützt.
Ab 2011 verpflichtend
Im neuen Lehrerbildungsgesetz in NRW ist festgehalten, dass alle Studienbewerber für einen Lehrer-Master zu Beginn ihres Studiums ein vierwöchiges Eignungspraktikum absolviert haben sollen. Ab dem Wintersemester 2011 ist die Teilnahme am Eignungspraktikum verpflichtend.
Zeitgleich mit dem Internetportal Elise ist auch das Portal frei geschaltet, das Johannes Mayr von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt für das nordrhein-westfälische Eignungspraktikum entwickelt hat. Hier können am Lehrerberuf interessierte Personen bereits jetzt mittels geführter Online-Touren ihre Eignung für den Lehrerberuf reflektieren.
Nicht an der eigenen Schule
Künftig werden dafür alle Schulen Praktikumsplätze anbieten. Das sollen 23 000 Plätze sein, für ca. 15 000 Bewerber – so hat jeder die freie Auswahl. Es gibt eine Einschränkung und einen Rat:
Die Einschränkung: Man darf nicht an seine eigene Schule gehen, weder an das Gymnasium, an dem man Abitur gemacht hat, noch an seine alte Grundschule. Und der Rat: Gerade, wenn man Gymnasiallehrer werden will, soll man doch mal an eine Grund- oder Hauptschule gehen, und als künftige Grundschullehrerin sich den Betrieb zum Beispiel an einer Gesamtschule anschauen. Den Praktikantinnen und Praktikanten werden speziell qualifizierte Lehrkräfte als Mentorinnen und Mentoren zur Seite gestellt.
Praktikum im Schulalltag
Um die beruflichen Aufgaben von Lehrkräften kennen zu lernen – insbesondere jene, die ihnen aus der bisherigen Schülerperspektive eher verborgen geblieben sind – sollen die Praktikanten nicht nur im Unterricht hinten sitzen und zuhören, sondern möglichst viele Lehrertätigkeiten kennen lernen. Hierzu gehören neben der Unterrichtsvorbereitung und dem eigentlichen Unterricht auch Verwaltungsaufgaben, die Teilnahme an Konferenzen, sowie die
Beratung von Schülern und Eltern
Die Praktikanten können und sollen noch nicht selbst unterrichten, aber zum Beispiel Schülerinnen und Schülern bei der Bearbeitung von Aufgaben helfen und sie dabei beobachten, auch schon einzelne Teile einer Unterrichtsstunde übernehmen und bei der Vorbereitung helfen, sie sollen sich und ihren Mentor beim Umgang mit Schülern kritisch beobachten lernen.
Aufgaben der Mentorinnen und Mentoren
Den Abschluss des Praktikums bildet die Eignungsberatung, in der die Erfahrungen des Praktikums zusammenfassend reflektiert werden sollen und die angehenden Lehramtstudenten Gelegenheit erhalten, ihre Selbsteinschätzung mit einer Fremdeinschätzung zu vergleichen, um besser beurteilen zu können, ob der Lehrerberuf für sie das Richtige ist.
Career Counselling for Teachers – ein webbasiertes Beratungsangebot
Über diesen punktuellen Einblick in die Praxis hinaus bekommen die Praktikanten nicht nur die Beratung durch ihre Mentoren, sondern auch ein internetbasiertes Beratungsangebot „Career Counselling for Teachers“ (CCT).
Das Angebot umfasst ein online verfügbares Informations- und Selbsterkundungsmaterial, das aus umfangreichen empirischen Studien in der Zusammenarbeit mit Lehrerbildungseinrichtungen aus sechs europäischen Staaten hervorgegangen ist. CCT bietet unter anderem folgende Inhalte:
Allgemeine Informationen über das Bildungswesen, den Lehrerberuf, die Ausbildungsangebote, Karrieremöglichkeiten und Beratungseinrichtungen.
Selbsterkundungsverfahren: Fragebögen, Checklisten und Tests, mit denen die persönlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche und befriedigende Berufstätigkeit als Lehrkraft oder für spezielle Karrieren im Bildungswesen (zum Beispiel als Führungskraft) geklärt werden können. Die Verfahren liefern individualisierte Ergebnisrückmeldungen.
Neben CCT ist das Programm „Fit für den Lehrerberuf“ an deutschen Hochschulen weit verbreitet. Es wurde vom Potsdamer Psychologen Uwe Schaarschmidt entwickelt.
Autor/in:
Karl-Heinze Heinemann
Redaktion:
Angelika Böhrke









