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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 22.03.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Mitglieder des jüdischen Studentenverbandes Berlin "Studentim" reinigen in Berlin sogenannte Stolpersteine; Rechte: dpa

 Gegen Rassismus

Service Bildung: Schule ohne Rassismus

Moderation: Franz-Josef Hansel

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist eine europäische Jugendbewegung. Nationale Koordinierungsstellen gibt es in Belgien (seit 1988), wo das Projekt entstand, den Niederlanden (seit 1992), Deutschland (seit 1995), Österreich (seit 1999) und Spanien (seit 2002). Schulen, die sich dem Netzwerk anschließen, einigen sich in einer Selbstverpflichtung mehrheitlich darauf, aktiv gegen Rassismus vorzugehen. In Deutschland wird das Projekt von dem Verein „Aktion Courage“ getragen. Die „Aktion Courage“ wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen aus allen gesellschaftlichen Bereichen und politischen Lagern als eine Antwort auf den gewalttätigen Rassismus in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock gegründet.

Seit dem Jahr 2000 hat die Aktion ihren Sitz in Berlin, ihre Vorsitzende ist die Lehrerin und Expertin für interkulturelle Pädagogik, Sanem Kleff. Sie weitete das Themenspektrum über den Rassismus auf alle Fragen der Diskriminierung aus

Das größte Schulnetzwerk

Im Januar 2012 gehörten deutschlandweit 1000 Schulen, die von rund 750.000 Schülern besucht werden, dem Netzwerk von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an. Es ist damit das größte Schulnetzwerk in Deutschland. Neben der Bundeskoordination in Berlin, die die nationale Koordinierung des Netzwerkes, die Titelverleihungen und inhaltliche Weiterentwicklung verantwortet, gibt es in 15 Bundesländern jeweils Landeskoordinationen.

Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ soll von den SchülerInnen selbst getragen werden. Jede Schule kann Teil des Netzwerks werden, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllt. Mindestens 70 Prozent aller Menschen, die in einer Schule lernen und lehren, also alle SchülerInnen, LehrerInnen und technisches Personal, verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

Die drei Punkte der Selbstverpflichtung im Wortlaut

1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.

3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Dann muss sich die Schule einen „Paten“ suchen, eine Person aus dem Bereich der Medien, der Kunst, der Politik oder des Sports, diese Person muss die Schule bei den Projekten unterstützen – das Suchen und Finden des Paten ist allein Schülersache.

Mit der Unterschriftenliste und dem Paten bewirbt sich die Schülervertretung dann bei der Bundeskoordination. In einem schulinternen Festakt wird dann der Titel verliehen, und die Schule kann das dann mit einem Türschild, auf den Briefköpfen etc dokumentieren.

Kein Preis, sondern Selbstverpflichtung

Der Titel ist kein Preis und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern ist eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft. Eine Schule, die den Titel trägt, ist Teil eines Netzwerks, das sagt: Wir übernehmen Verantwortung für das Klima an unserer Schule und unser Umfeld.

Bei dem Titel und den Aktionen des Netzwerks geht es nicht nur um Rassismus im strengen Sinn. Die Aktionen beschäftigen sich gleichermaßen mit Diskriminierung aufgrund der Religion, der sozialen Herkunft, des Geschlechts, körperlicher Merkmale, der politischen Weltanschauung und der sexuellen Orientierung. An der Lise-Meitner-Gesamtschule zum Beispiel beschäftigte sich eine Klasse im Rahmen dieser Aktion mit Organspenden. Anlass war, dass eine Schülerin lebensbedrohlich erkrankt war und kein Spenderorgan fand.

Weder rechts noch links, noch in der Mitte

Die Aktion legt Wert darauf, dass sie politisch weder rechts noch links, noch in der Mitte steht. Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien unterstützen sie, ebenso Vertreter von Gewerkschaften und Glaubensgemeinschaften. Sie habe nicht nur die „bösen Deutschen“ im Blick, erklären ihre Vertreter in einer Broschüre, sondern kämpfen auch gegen Homophobie oder Frauenfeindlichkeit bei zugewanderten Schülerinnen und Schülern.

Die Aktion beschränkt sich auch nicht auf Gymnasien, sondern es sind alle Schulformen an ihr beteiligt.

Die Bundes- und Landeskoordinatoren unterstützen Schülerinnen und Schüler, die sich mit ihrer Schule am Netzwerk beteiligen wollen. Sie organisieren regelmäßige Netzwerktreffen und vermitteln Kontakte, etwa zu Informationsstellen gegen Rechtsextremismus, die es in den meisten Bundesländern gibt.

Autor/in:

Karl-Heinz Heinemann

Redaktion:

Angelika Böhrke

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