s

Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 22.01.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Handy-Navigationssystem für Fußgänger; Rechte: dpa

 Service mobil

Service mobil: Navigation mit dem Handy

Kostenfalle oder echte Alternative?

Moderation: Franz-Josef Hansel

Wer auf der Autobahn einen Blick in die Wagen auf der Nachbarfahrbahn wirft, der entdeckt inzwischen in vielen Fahrzeugen das bunt leuchtende Display eines Navigationsgerätes vor der Windschutzscheibe. Die Tage von Straßenatlanten und Faltplänen scheinen definitiv gezählt. Doch kaum haben sich die Navis etabliert, droht ihnen Konkurrenz. Denn viele Handyhersteller werben inzwischen auch mit den Navigationsfähigkeiten ihrer Geräte. Aber die Mobiltelefone können beim Navigieren nicht in jeder Disziplin mit den klassischen Navis mithalten.

Wie funktioniert ein "klassisches" Navigationsgerät?


Wer beurteilen will, wie gut oder schlecht Mobiltelefone zum Navigieren geeignet sind, muss sich zunächst ein ganz normales Navi anschauen, das entweder fest im Auto eingebaut ist oder in einem Halter an der Windschutzscheibe angebracht wird. So ein Navigationsgerät hat als wichtigstes Bauteil einen GPS-Empfänger. Der errechnet mit Hilfe mehrerer Satelliten, wo genau sich das Navigationsgerät befindet. Wobei die Messung wirklich bis auf wenige Meter exakt ausfällt. Auf dem Navigationsgerät sind Straßenkarten abgespeichert. Der Navigationscomputer bringt den via Satellit ermittelten Standort in Deckung mit der Straßenkarte und Autofahrer, Radfahrer oder Wanderer können dann auf einem Display sehen, wo sie sich befinden. Gibt man in das Gerät eine Zieladresse ein, dann berechnet das Navi den Weg dorthin und lotst einen mittels Zeichen auf dem Display und Sprachausgabe.

Zwei Navigations-Lösungen für Handys


Für das Navigieren mit dem Mobiltelefon braucht man vor allem einen GPS-Empfänger. Hochwertige Handys haben den heute meistens bereits integriert. Man kann ihn aber auch extern nachrüsten. Die so genannte GPS-Maus wird dann per Bluetooth oder Kabel mit dem Handy verbunden.

Die Handy-Navigations-Variante Nummer Eins funktioniert quasi wie ein klassisches Navi. Auf ein hochwertiges Handy mit entsprechender Rechenleistung und Speicherplatz werden eine Navigationssoftware und Kartensätze aufgespielt. Dann ist das Gerät einsatzbereit.

Die Handy-Navigations-Variante Nummer Zwei stellt nicht so hohe Anforderungen an die technische Ausstattung des Mobiltelefons. Denn hier wird auf dem Handy nur eine Software installiert, die via Funkverbindung den Kontakt mit dem Rechner eines Navigationsdienst-Anbieters herstellt. Auf dessen Computer ist der Kartensatz abgespeichert und dort wird auch die Route berechnet. Die Navigationsanweisungen werden dann via Mobilfunkverbindung an das Handy zurück übermittelt und dort auf dem Display dargestellt beziehungsweise über den Lautsprecher als Sprachanweisung ausgegeben.

Vor- und Nachteile der beiden Varianten


Wer die Navigationssoftware inklusive Kartensatz fest auf seinem Handy installiert hat, der muss keine versteckten Kosten befürchten. Allerdings müssen zunächst mal ein entsprechend leistungsstarkes Handy, die Navigationssoftware und der Kartensatz bezahlt werden. Je nach Anbieter und Umfang des Kartenmaterials sind das einmalig zwischen sechzig und einhundertundzwanzig Euro. Gerade hat Nokia angekündigt, für bestimmte Handys das Navigationsprogramm ab sofort kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auch Google stellt Navigationsdienste für Android-Handys kostenlos bereit. Es ist deshalb von einem massiven Preisverfall bei Navigationssoftware auszugehen.

Wer sein Mobiltelefon nur an wenigen Tagen im Jahr als Navigator nutzen möchte, für den tut es auch die Lösung, bei der sich Navigationsprogramm und Kartensatz nicht auf dem Handy, sondern auf dem Rechner eines Navigationsdienst-Anbieters befinden. Diese Variante hat auch den Vorteil, dass der Kartensatz immer aktuell sein dürfte. Man sollte sich aber unbedingt vorher informieren, was der Datentransfer kostet. Sonst könnte das ein ziemlich teures Navigations-Vergnügen werden. Die Stiftung Warentest ermittelte auf einer 35 Kilometer langen Testfahrt Kosten zwischen 22 Cent beim günstigsten Tarifmodell und fast 19 Euro bei einem besonders ungünstigen Handy-Tarif. Im Ausland sollte man einen solchen Dienst besser gar nicht anwenden, da die entsprechenden Auslandstarife mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kosten explodieren lassen.

Warum das klassische Navigationsgerät mitunter die bessere Wahl ist


Die wenigsten Mobiltelefone sind wirklich für die Navigation optimiert. Wobei nicht das Navigieren selber das Problem ist. Das kann ein Handy genau so gut wie ein klassisches Navigationsgerät. Aber wenn das Display des Mobiltelefons zum Beispiel recht klein ist, dann kann man als Autofahrer darauf kaum erkennen, wohin die Reise gehen soll. Auch auf die Sprachausgabe ist nicht immer Verlass. Die geht nämlich schon mal im Fahrgeräusch unter, weil die Handy-Lautsprecher zu leise sind. Und auch die Eingabe der Zieladresse gestaltet sich unter Umständen mühsam, wenn das Mobiltelefon keine Buchstabentastatur hat und man Straßennamen über die Zahlentasten eingeben muss. Außerdem geht der Handy-Akku beim Navigieren schnell in die Knie. Also braucht man zusätzlich ein Stromversorgungskabel für den Zigaretten-Anzünder. Das gehört aber bei den meisten Mobiltelefonen nicht zum Lieferumfang und muss deshalb, genau so wie ein Halter für Windschutzscheibe oder Armaturenbrett, zusätzlich gekauft werden.

Test von Gratis-Navigationsprogrammen fürs Handy


Die Zeitschrift "connect" hat in Heft 2/2010 Gratis-Navisoftware fürs Handys und Smartphones verglichen. Testsieger ist "Ö-Navi" (Note gut, erhältlich für Blackberry, Nokia, Java), mit befriedigend wurde das Programm "Skobbler" (Android, Blackberry, iPhone, Nokia, Java) bewertet, "Nav4All" (Blackberry, Nokia, Java, WindowsMobile) erhielt die Note ausreichend. Ohne abschließende Schulnote wurden noch "Roadee" (nur iPhone) und "Google Maps Navigation Beta" (nur Android) geprüft.

Günstigen Datentarif finden


Mit dem Handy ins Internet zu gehen, bietet auch viele Chancen, nicht nur für die Unterwegs-Navigation. Ganz wichtig ist jedoch, dass man sich zuvor informiert, welche Kosten beim Mobilfunk-Datenverkehr anfallen. Zeitschriften wie "connect" oder "Computerbild" drucken in der Regel aktuelle Vergleichstabellen ab. Auch Vergleichsportale wie telfish.com oder verivox.de liefern Informationen über Tarife fürs Handy-Internet.

 

Autor/in:

Bernd Debus

Redaktion:

Martin Gent

Link-Tipps

vorheriger Beitrag vorheriger Beitrag




Leo 2 Go 100

Leo 2 Go

Lange & Winkelheide [mehr]

Die Kleine Anfrage

Service - Die Kleine Anfrage. Symbolbild: Ein Straßenschild mit Fragezeichen und Pfeil nach oben unter hellblauem Himmel; Rechte: WDR

Hörer fragen, Leonardo antwortet [mehr]

Die Kleine Anfrage [Quiz]

Leonardo

Leonardo-Serien [mehr]

Die Durchblicker

Wissens-Reportagen von der Ostsee bis zum Bodensee [mehr]

Radio zum Mitnehmen

Blaues Ohr mit Ohrstöpsel mit von ihm ausgehenden Sendewellen vor blauem Hintergrund (Rechte: WDR)

Leonardo als Podcast [mehr]

WDR Wissen

WDR Wissen

Multimedial [mehr]