Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 21.01.2011, 16:05 bis 16:50 Uhr
Bild: Buchcover; Rechte: Rowohlt Verlag

 Service Sachbuch

Service Sachbuch: Die Entschlüsselung des Himmels

Von Jo Marchant

Moderation: Martin Winkelheide

Die Entschlüsselung des Himmels
Von Jo Marchant
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2011
ISBN 978-3-498-04517-3
EUR 19,95


In einer Glasvitrine des Archäologischen Museums in Athen liegt ein korrodierter Klumpen aus Bronze, der so gar nicht zu den anderen Ausstellungsgegenständen zu passen scheint, den prächtigen Skulpturen, Vasen und sonstigen Schätzen. Nachdem Taucher im Jahr 1901 das Objekt aus einem 2000 Jahre alten Schiffswrack vor der griechischen Insel Antikythera geborgen hatten, interessierte sich lange Zeit niemand dafür. Erst spätere Röntgen-Untersuchungen zeigten, dass sich in dem Klumpen ein komplizierter Zahnrad-Mechanismus verbirgt.

Die britische Wissenschaftsjournalistin Jo Marchant erzählt in ihrem Buch von diesem feinmechanischen Meisterwerk, das ein griechischer Handwerker vor etwa 2100 Jahren erschaffen hat. Jahrzehntelang rätselten die Experten, um was es sich bei diesem Mechanismus von Antikythera überhaupt handeln könnte, bis sich in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Derek de Solla Price diesem geheimnisvollen Gegenstand widmete. Der britische Wissenschaftshistoriker durchleuchtete die Fragmente mit Röntgenstrahlen und baute ein Modell des Apparats aus Plexiglas. Er hielt den Mechanismus für einen Kalender-Rechner, der Sonne, Mond und Mondphase darstellt.

Die Veröffentlichungen von Price weckten das Interesse des Mechanikers und Historikers Michael Wright, der Sammlungsleiter im Londoner Wissenschaftsmuseum war. Zusammen mit dem australischen Astrophysiker Allan Bromley durchleuchtete er in den neunziger Jahren erneut die Bruchstücke des Antikythera-Mechanismus in Athen. Aufgrund der Art und Anordnung der Zahnräder kam man zu dem Schluss, dass der Antikythera-Mechanismus auch Planetenbewegungen wiedergibt.

Das Räderwerk von Antikythera, von dem das Buch „Die Entschlüsselung des Himmels“ erzählt, ist ein faszinierender Gegenstand. Er beweist, dass Menschen schon vor über 2000 Jahren einen komplexen mechanischen Apparat bauen konnten, wie man ihn erst Jahrhunderte später wieder findet, nämlich in den raffinierten Uhrwerken, die ab dem 13. Jahrhundert gebaut wurden. Jo Marchant hat darüber eine packende Entdeckungs- und Forschungsgeschichte geschrieben. Die Lektüre des Buchs „Die Entschlüsselung des Himmels“ ist unbedingt zu empfehlen.

 

Autor/in:

Detlef Kutz

Redaktion:

Klaus-Dieter Oetzel

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