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Service Psychologie: Stottertherapien
Warum stottern manche Menschen?
Moderation: Franz-Josef Hansel
Wie Stottern genau entsteht, ist unbekannt. Es gilt jedoch als sicher, dass Fehlfunktionen im Gehirn eine wichtige Rolle spielen. Offenbar steuern bei Stotterern teilweise andere Gehirnzentren das Sprechen als bei anderen Menschen. Früher galt Stottern als psychisch bedingt und häufig wurde den Eltern die Schuld gegeben. Beides hat sich nicht bestätigt. Moderne Therapien können betroffenen Menschen helfen.
Welche Stottertherapie ist zurzeit am besten belegt?
Die meisten Belege gibt es für den Ansatz, durch viele Übungen die Sprechflüssigkeit zu trainieren. In der Fachwelt wird dies „fluency shaping“ genannt. Trainiert werden spezielle Techniken, zum Beispiel der sogenannte „weiche Stimmeinsatz“. Das bedeutet, leise zu beginnen und nur langsam lauter zu werden. Bei einer anderen Technik sprechen die Übenden extrem langsam, um so ein Gefühl für die Sprachsteuerung zu bekommen. Das so trainierte Sprechen klingt zunächst ziemlich künstlich, normalisiert sich aber im Lauf der Zeit immer mehr. Ein führender deutscher Vertreter dieses Ansatzes ist die Kasseler Stottertherapie.
Welche Stottertherapien gibt es noch?
Die Hauptalternative ist die „Stottermodifikation“. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass sich Stotterer nicht mit ihren Sprechproblemen beschäftigen sollten. Denn dadurch bekämen sie nur noch mehr Angst vor dem Sprechen und stotterten erst recht. „Nicht vermeiden, Stottern zeigen“, hieß die Devise. Die Betroffenen sollten lernen, „flüssiger zu stottern“. Heute wird jedoch auch bei diesem Ansatz systematisch geübt. Umgekehrt hat mit der Kasseler Stottertherapie ein prominenter Vertreter des „fluency shaping“ die Idee übernommen, dass Stotterer auch im Alltag das Sprechen nicht vermeiden sollten, sondern so gut reden, wie sie können.
Lässt sich Stottern heilen?
Schwere Stotterer sind nie geheilt, da sind sich seriöse Therapeuten einig. Deshalb bieten Therapeuten beispielsweise Wiederauffrischungswochenenden an. Eine andere Möglichkeit besteht darin, täglich ein kurzes Trainingsprogramm an einem Computer zu absolvieren, der das Sprechen überwacht. Manche Therapeuten versprechen, etwa im Internet, Stottern in einigen Wochen dauerhaft zu heilen. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass diese Angebote langfristig (oder überhaupt) helfen.
Autor/in:
Jochen Paulus
Redaktion:
Ruth Schulz





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