s
Die Stundenpläne sind voll, Nachmittagsunterricht der Normalfall, die Zeit ist knapp an der Schule – und erst recht, seit es G8 gibt, also das Abitur nach 12 Jahren. Früher war die 11. Klasse die beliebteste Zeit für ein Auslandsschuljahr, oft sogar ohne Zeitverlust – doch das hat sich geändert.
Armin Himmelrath über ein Jahr jenseits der Landesgrenzen – und wie sich das mit der verkürzten Schulzeit in Einklang bringen lässt.
Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
Experten sind sich einig: Schülerinnen und Schüler, die längere Zeit ins Ausland wollen, müssen diesen Wunsch selbst verspüren. Es hilft nichts, wenn Eltern, Freunde oder Verwandte mehr oder weniger starken Druck ausüben, damit ein Kind sich zum Auslandsjahr meldet. Seriöse Austauschorganisationen legen bei den Auswahlgesprächen sehr viel Wert auf die Frage der Motivation.
Kann sich mein Kind einen Auslandsaufenthalt überhaupt leisten?
Es stimmt – die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit bis zum Abitur lässt kaum noch Platz für besondere Aktivitäten. Insofern sollten Schülerinnen und Schüler damit rechnen, nach einem Auslandsschuljahr ein Schuljahr wiederholen zu müssen. Fachleute und ehemalige Austauschschüler sind sich aber einig: Das ist kein verlorenes Jahr, sondern wird durch die zahlreichen Erfahrungen mehr als wettgemacht.
Kann man auch kürzer als ein Jahr gehen – vielleicht sechs Monate?
Viele Austauschorganisationen bieten auch Halbjahres-Aufenthalte an. Die Arbeitsgemeinschaft gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen empfiehlt aber grundsätzlich den Jahres-Aufenthalt, weil dann die Erfahrungen und Lerneffekte intensiver sind.
Werden die Schulleistungen aus dem Ausland anerkannt?
Das hängt von der Konstellation im Einzelfall ab und sollte idealerweise schon im Vorfeld mit den beteiligten Schulen und Lehrern abgesprochen werden. So kann es durchaus möglich sein, dass durch eine gezielte Fächer- und Prüfungswahl im Gastland die Wiederholung eines Schuljahres in Deutschland verhindert werden kann.
Was ist, wenn mein Kind Schwierigkeiten vor Ort hat – in der Schule oder in der Familie?
Alle seriösen Organisationen haben Betreuer und Ansprechpartner vor Ort in den Gastländern, die Kontakt zu den Austauschschülern halten und im Problemfall angesprochen werden können.
Eltern können sich darüber hinaus auch danach erkundigen, was für die Daheimgebliebenen angeboten wird – einige Organisationen bieten etwa Elternseminare an. Denn auch die Eltern haben manchmal mit der langen Trennung vom Kind zu kämpfen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen längeren Auslandsaufenthalt?
In der Regel in der zehnten Klasse – wobei das sehr stark vom Entwicklungs- und Leistungsstand des Kindes abhängt.
Mit welchen Kosten muss man rechnen?
Auslandsschuljahre an öffentlichen Schulen schlagen mit bis zu 10.000 Euro zu Buche. Das hängt vor allem vom gewählten Land ab, aber auch davon, für welche Schule man sich entscheidet. Familien sollten in den Vorgesprächen mit den Organisationen eine transparente und verbindliche Kostenaufstellung verlangen. Wichtigen Einzelfaktoren sind der Flug, Versicherungen, Taschengeld. Wer seine Kinder auf eine Privatschule schicken will, kann aber auch locker bis zu 50.000 Euro und mehr für ein Auslandsjahr ausgeben.
Oft ist ja die Rede vom Schüler-“Austausch“ – kann ich selber auch ein Kind aufnehmen?
Viele Austauschorganisationen betreuen auch ausländische Schüler in Deutschland – und freuen sich, wenn Familien bereit sind, ein Kind auf Zeit aufzunehmen. Wer daran Interesse hat, sollte die Organisationen direkt ansprechen.
Autor/in:
Armin Himmelrath
Redaktion:
Angelika Böhrke




![Bild: Pfanne mit Atom; Rechte: interfoto/mauritius images/WDR[m]](/fileadmin/user_upload/Sendungen/Leonardo/2012/Kuechenexperimente/Foto/KETeaserLogo_160x70.jpg)







