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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 20.09.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Grafik einer Erdkugel und Rotationsbahnen; Rechte: dpa

 Sooo hoch?!?

Die Kleine Anfrage: Wie hoch muss man fliegen, damit sich die Erde unter einem wegdreht?

Moderation: Martin Winkelheide

Eine faszinierende Idee: Irgendwie in die Höhe steigen, warten, um dann, wenn sich die Erde weitergedreht hat, zum Reiseziel hinabzusinken. Geht das überhaupt? Und wenn ja: in welcher Höhe? Eine Frage, die viele unserer Hörer beschäftigt.

Die Erdatmosphäre dreht sich mit

Der Naturwissenschaftler Galileo Galilei machte um 1600 folgendes Experiment: Wenn man auf dem Mast eines fahrenden Schiffes einen Stein fallen lässt, wird er am Fuße des Mastes auftreffen. Dass die Bewegung des Schiffes keine Rolle spielt – der Stein also nicht ins Wasser fällt, weil das Schiff unter ihm wegfährt – das nennt man in der Physik das Relativitätsprinzip, das später von Albert Einstein modifiziert wurde.
Für unsere Frage bedeutet das: So wie das Schiff nicht unter dem Stein wegfährt, wird sich die Erde nicht unter uns wegdrehen, wenn wir hochspringen. Auch in größeren Höhen, etwa in einem Hubschrauber, der in der Luft stehen bleibt, wird sich nichts tun. Denn die Erdatmosphäre bewegt sich mit der Erde mit.

Tiefe Satelliten sind flott

Dann also doch ab in den Weltraum. Der fängt offiziell in einer Höhe von 100 Kilometern an. Hier kreisen Satelliten um die Erde. Durch ein geschicktes Zusammenspiel von Startwinkel, Erdanziehungskraft, Fliehkraft und Geschwindigkeit bleiben sie auf ihrer Umlaufbahn. Auch die Erdrotation spielt dabei eine Rolle. Die Trägerraketen starten meist in Richtung Osten - in Richtung der Erddrehung - und nutzen so die Rotationsgeschwindigkeit der Erde für ihren Flug.
In niedrigen Umlaufbahnen kreisen sie dann sogar schneller um die Erde als die sich dreht. Zunächst tritt also das Gegenteil von unserem gesuchten Effekt ein: Die Erde dreht sich langsamer als der Satellit über ihr auf seiner Bahn.

Die geostationäre Bahn von Astra & Co

Das ändert sich ab einer Höhe von 35.800 Kilometern. Hier, auf der so genannten geostationären Bahn, brauchen Satelliten 24 Stunden, um sich einmal um die Erde zu drehen. Sie bewegen sich also gleich schnell wie die Erde und bleiben vom Erdboden aus gesehen immer an der gleichen Stelle. Erst über dieser geostationären Bahn befinden wir uns nun endlich in einer Perspektive, aus der sich Mutter Erde unter uns wegdreht. Zum Beispiel auf dem Mond. Der braucht ungefähr 28 Tage um sich einmal um die Erde zu drehen. Von hier aus dreht sich die Erde unter einem weg.

Autor/in:

Thorsten Dryja

Redaktion:

Martin Gent

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