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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 19.10.2011, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Illustration: Die Silhouetten von zwei Männer zeichnen sich vor einem Computerbildschirm mit dem Logo vom sozialen Netzwerk Google+ und facebook ab[m]; Rechte: picture alliance/dpa

 Welche Stärken und Schwächen?

Service Computer: Facebook gegen Google Plus

" Soziale Netzwerke – noch vor ein paar Jahren wusste niemand mit diesem Begriff wirklich etwas anzufangen. Heute sind „Google Plus“, „Facebook“, „StudiVZ“ und all die anderen kaum noch aus dem Alltag vieler Menschen wegzudenken. Aber: Welches Netzwerk hat welche Stärken und Schwächen? Wie gefährlich ist es, seine persönlichen Daten dort einzustellen? Und: Wie leicht kommt man wieder heraus, wenn man Freundschaften irgendwann doch lieber wieder im realen Leben knüpfen will?

Netzvielfalt

Mittlerweile gibt es jede Menge sozialer Netzwerke für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Schüler treffen sich bei „SchülerVZ“, Studenten in „StudiVZ“. Berufliche Kontakte werden bei „Xing“ geknüpft, alte Schulfreunde findet man über „Stayfriends“. Marktführer ist zurzeit aber „Facebook“, das jedoch gerade von „Google+“ angegriffen wird.xx Ein soziales Netzwerk ist ein geschlossenes System, um hineinzukommen, braucht man ein Benutzerkonto. Erster Schritt dahin: Der neue Nutzer legt ein Profil an – eine Art digitale Visitenkarte. Hier lassen sich persönliche Daten eintragen. Im Studenten-Netz „StudiVZ“ veröffentlichen die Nutzer dabei auch das Studienfach, die Hochschule, mögliche Hobbys, die Lieblingsbücher oder auch die Art des Nebenjobs. In einem Business-Netzwerk wie „Xing“ findet man hier Daten zum bisherigen beruflichen Werdegang, Angaben zu erreichten beruflichen Qualifikationen und den Beweggründen dafür, warum man hier vertreten ist.

Die meisten Nutzer stellen in ihr Profil auch ein Foto ein. Soziale Netzwerke wie „Facebook“ oder „Google+“ gehen jedoch weit darüber hinaus: Die Betreiber wollen ihre Nutzer dazu bringen, möglichst ihre gesamten privaten Daten wie Fotos, Adressen etc. ins System zu stellen.

Wer suchet …

Anhand der eingegeben persönlichen Daten kann man dann von anderen Nutzern über die interne Suchfunktion des sozialen Netzwerks gefunden werden. Sucht man zum Beispiel nach jemandem, der die gleiche Uni besucht hat wie man selbst, bekommt man alle angezeigt, die ebenfalls diese Hochschule eingetragen haben. Durch die Lektüre der Profile kann man dann feststellen, ob man die gefundenen Nutzer kennt und sie vielleicht seinem eigenen Netzwerk hinzufügen will. Dazu schickt man eine Art digitale Einladung an den anderen Nutzer. Der Eingeladene bekommt bei seinem nächsten Besuch die Anfrage vorgelegt und kann sie annehmen oder ablehnen. Nimmt er sie an, wird er automatisch zum Adressbuch hinzugefügt und gehört ab sofort zum Netzwerk. Auf diese Weise kann man auch gezielt nach alten Kollegen, Bekannten oder Freunden suchen, indem man den Namen oder den Wohnort eingibt.

Google+ vs. Facebook

Die mit Abstand meisten Nutzer hat zurzeit „Facebook“: Über 700 Millionen Nutzer sind es dort; „Google+“ liegt mit etwa 44 Millionen Nutzern weit dahinter. Der größte Unterschied zwischen beiden: Noch kann man bei „Google+“ keine „Fanpages“ anlegen, wie sie bei Facebook zahlreiche Firmen betreiben. Das soll jedoch bald möglich sein. „Google+“ hat zudem von Anfang an darauf geachtet, dass sich nur „echte“ Menschen anmelden. Pseudonyme, Spitz- oder Firmennamen werden nicht geduldet – der entsprechende Account wird deaktiviert. Dies ist zwar im Prinzip auch bei „Facebook“ so, die Kontrolle dort ist jedoch längst nicht so genau. Letztlich ist es reine Geschmackssache, welchem sozialen Netzwerk man den Vorzug gibt (oder gänzlich darauf verzichtet).

Die Funktion „Kreise“ in „Google+“ ist zurzeit der herausragende Unterschied zu „Facebook“. Durch diese Funktion kann man auf einen Blick sehen, welche Gruppen von Kontakten (z. B. Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Geschäftspartner) man hat und was von den eingestellten Daten die Mitglieder dieser Gruppen jeweils sehen können. So lässt es sich z. B. sehr komfortabel einstellen, dass Arbeitskollegen die Fotos der Familie nicht sehen können.

Sinn und Zweck: Geld verdienen

Es gibt soziale Netzwerke (z. B. „Stayfriends“, „Xing“), die einen kostenlosen Basisdienst betreiben. Viele Funktionen sind dabei jedoch nicht aktiv – man muss für ihre Nutzung bezahlen. Andere Netzwerke wie „Facebook“ und „Google+“ sind aber ebenfalls nicht kostenlos. Hier bezahlen die Nutzer mit ihren privaten Daten und der Preisgabe ihrer sozialen Kontakte, Vorlieben, Hobbys, Fotos etc. Google will sein soziales Netzwerk immer stärker mit seinen anderen Diensten vernetzen. So kann man sich mit einer Zugangskennung beim Google Maildienst anmelden, seine Fotos verwalten, „Google Maps“ nutzen und eben auch „Google+“ nutzen. Ergebnis: „Google“ kann seine Nutzer noch besser dabei beobachten, wofür sie sich interessieren, wo sie gerade sind, wen sie kennen und was sie kaufen oder kaufen wollen. Nur darum geht es „Google“ und „Facebook“: Sie wollen möglichst viel über einen Nutzer erfahren, um das so entstehende Persönlichkeitsprofil möglichst exakt werden zu lassen. Je besser die Profile sind, desto mehr Geld lässt sich mit deren Verwertung verdienen.

Tipps:

Wer ein soziales Netzwerk nutzen will, der sollte einige Faustregeln beherzigen, um für die Betreiber nicht zu durchsichtig zu werden:

• So wenig Daten wie möglich eingeben

• Benutzereinstellungen, vor allem zur Privatsphäre, überprüfen und regelmäßig kontrollieren

• Keine privaten Fotos einstellen

• Keine Adressbücher freigeben

• Wo immer möglich, der Nutzung der Daten widersprechen

Wer das Netzwerk wieder verlassen will, der sollte vom Betreiber die Löschung seiner Daten verlangen. Es reicht nicht, einen Account lediglich zu deaktivieren – die Daten bleiben trotzdem gespeichert. Bei „Facebook“ funktioniert das in eingeloggtem Zustand über den untenstehenden Link. In „Google+“ findet man die Funktion in den Einstellungen unter „Kontoübersicht“. Die entsprechende Option heißt „Profil löschen“. Ob der jeweilige Betreiber die Daten damit tatsächlich löscht – man kann es nur hoffen. Sicher sein kann man nicht, denn schließlich bedeutet jedes Profil bares Geld.

Autor/in:

Gespräch mit Michael Stein; Technik-Journalist

Redaktion:

Joachim Hecker

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