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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 19.08.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Frauengesicht mit Lippenpiercing und Schrauben zwischen den Zähnen; Rechte: mauritius

 Nur keine Übertreibungen

Service Bildung: Mit Tattoo und Piercing zum Bewerbungsgespräch?

Moderation: Marija Bakker

Tattoos und Piercings sind bei jungen Leuten total "in" und gehören in bestimmten Kreisen zum Alltagsbild. Viele dieser jungen Menschen, die ihre Körper mit gestochener Farbe und Metallstäbchen verschönert haben, ahnen nicht, dass sichtbare Tattoos und Piercings im Bewerbungsgespräch echte Nachteile für die Kandidaten bringen können.

In welchen Bereichen ist Körperschmuck - Piercings oder Tätowierungen - eher unproblematisch?

In erster Linie in Bereichen, in denen ein hoher Wert auf seriöses Auftreten gelegt wird. Dies betrifft in der Regel Tätigkeiten, die mit viel Kundenkontakt einhergehen. Beispiele sind der Einzelhandel, Banken und Versicherungen. Angestellte, die dort Kunden beraten, haben sich in der Regel nach einem „Dresscode“ zu kleiden, den das Unternehmen festlegen kann. Solche Anweisungen sind rechtens und dürfen auch beinhalten, dass Piercings und Tätowierungen während der Arbeit entfernt bzw. verdeckt werden müssen.

Vorschriften gibt es auch im medizinischen Bereich, beispielsweise in Krankenhäusern. Wer sich für so einen Beruf bewirbt, sollte sich vorher informieren, ob es spezielle Hygienevorschriften gibt, die das Tragen von Körperschmuck verbieten.

In welchen Bereichen ist Körperschmuck eher unproblematisch?

Hierzu zählt vor allem die kreative Branche, zum Beispiel die Medien oder die Werbung. Generell sind Piercings oder Tätowierungen in Berufsfeldern unproblematischer, die nicht so eng mit Kundenverkehr verbunden sind. Hier zählt eher das gesamte Erscheinungsbild. Ein Informatiker, der überwiegend im Büro arbeitet, kann daher eher eine Tätowierung tragen als ein Arzt. Dennoch gilt: Berufe, in denen sichtbarer Körperschmuck Alltag ist, sind selten.

Gibt es eine rechtliche Handhabe, wenn mich ein Arbeitgeber wegen meines Körperschmucks ablehnt?

Grundsätzlich ist der Körperschmuck Privatsache – er unterliegt dem Persönlichkeitsrecht. Arbeitgeber dürfen Bewerber trotzdem ohne Weiteres wegen Tätowierungen oder Piercings ablehnen. Der Arbeitgeber kann einfach im Bewerbungsgespräch unter den vorhandenen Bewerbern diejenigen auswählen, die auch vom Outfit am besten zu seinem Unternehmen passen. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Bei einer Einstellung im Öffentlichen Dienst sieht das Grundgesetz vor, dass die Besten eingestellt werden müssen. Da Piercing oder Tätowierung im Hinblick darauf ein sachfremdes Kriterium sind, dürfen Bewerber im Öffentlichen Dienst aus solchen Gründen nicht abgelehnt werden. Es zählt allein das fachliche Können und Vorerfahrungen. Dies gilt wiederum nicht für Bewerbungen bei der Polizei.

Habe ich trotz Tätowierung Chancen im Auswahlverfahren der Polizei?

Hierzu heißt es auf der Homepage der Polizei NRW: „Grundsätzlich stellen alle Tätowierungen im sichtbaren Hautbereich, der durch die Sommeruniform definiert wird, das ist ein Halbarm-Hemd, einen Eignungsmangel dar, der zu einer Ablehnung führt. Im unsichtbaren Bereich sind harmlose Symbole kein Problem.“ In vielen anderen Bundesländern gilt eine ähnliche Handhabe. Zusätzlich kann es sein, dass die Polizei Fotos von Tätowierungen anfordert, um zu prüfen, ob die Motive möglicherweise eine Zugehörigkeit zu extremen Vereinigungen signalisieren.

Ich bin gepierct oder tätowiert. Wie sollte ich mich im Bewerbungsgespräch verhalten?

Das Piercing rausnehmen, die Tätowierung verdecken – um das zu entscheiden, sollte man sich vor dem Vorstellungsgespräch am besten einige Fragen stellen:

• Bin ich bereit, für den Beruf ganz auf Körperschmuck zu verzichten?

• Wie wichtig ist es für mich, meine Persönlichkeit mit Körperschmuck zu unterstreichen?

• Wirke ich im Bewerbungsgespräch authentisch, wenn ich mein Piercing extra dafür herausnehme?

Entscheidend ist die Einstellung in der Chefetage, ob das Piercing eher als persönliches Markenzeichen oder störender Makel empfunden wird.

Wer jedoch im Berufsalltag Piercing oder Tätowierung auf jeden Fall zeigen will, sollte den eigenen Körperschmuck schon im Bewerbungsgespräch offen ansprechen. Die Deutsche Telekom rät Bewerbern beispielsweise, im Einstellungsgespräch selbstbewusst zu Tattoo oder Piercing zu stehen und nicht zu versuchen, sich zu verstellen. Wer sich dann noch eine interessante Geschichte einfallen lässt, warum der Körperschmuck getragen wird, hat gute Karten.

Autor/in:

Tobias Jobke

Redaktion:

Angelika Böhrke

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