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Die Kleine Anfrage: Warum lenken Autos nicht wie Gabelstapler mit den Hinterrädern?
Moderation: Marija Bakker
Rasenmäher können es, auch Gabelstapeler. Und auch auch Mähdrescher: Mit solchen Gefährten kann man praktisch auf der Stelle wenden, denn sie haben die Lenkung hinten. Warum haben eigentlich unsere ganz normalen Pkw nicht auch so eine Lenkung? Zu dieser Frage eines Leonardo-Hörers hat die Kleine Anfrage nach einer Antwort gesucht.
Manche Nutzfahrzeuge haben eine Hinterradlenkung, weil im Frontbereich die eingebaute Technik oder Gerätschaft den Einbau einer Vorderradlenkung unmöglich oder zumindest sehr aufwendig macht, Beispiel: Mähdrescher. Beim Gabelstapler oder auch bei manchen Rasenmähern wiederum ist die Wendigkeit das entscheidende Argument. Die Hinterradlenkung erlaubt es, den vorderen Fahrzeugbereich sehr zielgenau zu manövrieren. Bei entsprechend großem Lenkeinschlag hinten ist es sogar möglich, praktisch auf der Stelle zu wenden. Eigentlich eine verlockende Vorstellung für so manchen geplagten Autofahrer, der versucht, sich durch den Stadtverkehr zu schlängeln.
Ungewöhnliches Fahrgefühl
Doch gegen eine Hinterradlenkung beim Pkw sprechen einige gewichtig Gründe. Zum einen ist das Fahrgefühl völlig verändert. Wenn man mit den Vorderrädern lenkt, bewegt sich das Vorderteil des Autos in Richtung des Lenkeinschlags. Bei der Lenkung hinten ist die Situation genau umgekehrt: Lenkeinschlag nach links, das Heck bricht nach rechts aus. Zwar lenkt das Fahrzeug dann insgesamt auch in die gewünschte Richtung, aber die Fahrzeugbewegung im Heck entspricht nicht den intuitiven Erwartungen. Es würde schon einiges an Training nötig sein, um sich daran zu gewöhnen.
Gefahr bei hohen Geschwindigkeiten
Aber es gibt noch einen weiteren Nachteil. Wenn Pkw mit hohen Geschwindigkeiten fahren, ist ein stabiler Geradeauslauf geradezu lebenswichtig. Wenn man sich ein Auto als eine Wetterfahne im Wind vorstellt, so ist das Stabilitätsziel erreicht, wenn die Fahne nicht mehr flattert. Eine Hinterradlenkung fördert aber genau diese Flatterbewegung. Das Fahrzeug neigt bei höheren Geschwindigkeiten zum Ausbrechen nach rechts und links.
Vorteil im Stadtverkehr?
Aber trotz allem, da ist noch die Sache mit der Wendigkeit. Beispiel Einparken: Pkw-Fahrer parken rückwärts in eine Parklücke ein, mit einem Hecklenker ginge das also bequem vorwärts. Aber: Ausparken muss man ja auch wieder. Und da geht es genau anders herum, ein Hecklenker müsste als rückwärts ausgeparkt werden. Unterm Strich also kein Vorteil. Aktuell sind dennoch einige Pkw auf dem Markt, die zusätzlich eine Hinterradlenkung haben. Bei einer solchen Allradlenkung wird vorne ganz normal gelenkt, hinten kommt elektronisch geregelt ein kleiner Lenkeinschlag hinzu. Das erhöhe die Wendigkeit und die Kurvenstabilität, versprechen die Hersteller. Doch der technische Aufwand ist hoch, der Nutzen hält sich in Grenzen und daher wird die Allradlenkung auch in Zukunft wohl eher ein Nischendasein führen.
Autor/in:
Thomas Liesen
Redaktion:
Martin Gent
Die Kleine Anfrage: Warum lenken Autos nicht wie Gabelstapler mit den Hinterrädern?






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