Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 19.04.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Elektrofahrrad; Rechte: dpa

 Elektromobilität - einfach gemacht

Service Mobil: Schnelle Elektrofahrräder

Mit dem Powerbike schneller als jedes Mofa, aber trotzdem nicht verschwitzt?

Moderation: Franz-Josef Hansel

Während sich die Autobranche erst seit kurzem ernsthaft mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt, gibt es Elektrofahrräder schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Und dank besserer Technik - wie den modernen und leichten Lithium-Ionen-Akkus - sind die E-Bikes inzwischen so gut, dass sie sich auch gut verkaufen, mit zweistelligen Zuwachsraten und über 120.000 Stück im vergangenen Jahr allein in Deutschland. Neu hinzu kommen jetzt die schnellen E-Bikes. Versprochen werden bis zu 40 km/h.

Welches Tempo ist drin?

Sie heißen Powerbike, Schweizer Klasse, schnelle Pedelecs oder einfach schnelle E-Bikes. Circa 40 km/h geben die Hersteller als Geschwindigkeit für diese Fahrzeugklasse an, mehr als Tempo 45 dürfen sie laut Gesetzgeber nicht fahren. Im Leonardo-Praxistest erwies sich eine Dauergeschwindigkeit zwischen 30 und 35 km/h als realistisch.

Letztlich hängt die erzielbare Geschwindigkeit von der eigenen Kondition und der Übersetzung der Gangschaltung ab – denn auch das schnelle E-Bike ist ein Hybrid mit zwei Antrieben: der menschlichen Muskelkraft und dem unterstützenden Elektromotor.

35 km/h sind jedoch eine gute Geschwindigkeit, bei der man im Stadtverkehr gut mit schwimmen kann. Damit ist das E-Bike schon deutlich schneller als das alte Mofa der 1970er Jahre. Eine höhere Geschwindigkeit würde den Energieverbrauch soweit erhöhen, dass man sich den Anteil der eigenen Muskelkraft auch sparen könnte. Außerdem würden die Fahrzeuge durch größere Akkus noch teurer.

Ist das schnelle E-Bike ein Fahrrad?

Ja und nein. Technisch ist es ein Fahrrad mit unterstützendem Elektro-Antrieb - man muss treten, damit der Motor arbeitet. Bei 95 Prozent der derzeit verkauften Elektrofahrräder schaltet der Motor bei Tempo 25 ab ("Pedelecs").

Schnelle Elektrofahrräder haben diese Limitierung nicht. Rechtlich im Sinne der StVZO gilt das schnelle E-Bike – anders als das normale E-Bike – nicht als Fahrrad, sondern als Kleinkraftrad mit geringer Leistung.

Das bedeutet in der Praxis:

Es braucht eine Betriebserlaubnis (wie ein Kraftfahrzeug).

Es braucht eine Haftpflichtversicherung (kleines Nummernschild).

Für das Fahren braucht man eine Mofa-Prüfbescheinigung (geb. nach 1.4.1965) oder einen Führerschein und muss faktisch mindestens 15 Jahre alt sein.

Ein Rückspiegel ist vorgeschrieben.

Es kann einen stärkeren Motor (bis 500 W) haben.

Es darf innerorts nicht auf Radwegen fahren, außer wenn dieser für Mofas frei gegeben ist.

Es besteht keine Helmpflicht – obwohl ein Helm anzuraten ist.xx Für wen ist das schnelle E-Bike interessant?

Für alle, die es gewohnt sind, viel und schneller Rad zu fahren. Denn die stoßen beim normalen E-Bike immer an die 25 km/h-Grenze, wo der Motor abschaltet und das fühlt sich dann an, als ob es bremst. Außerdem haben diese Nutzer dann keinen Geschwindigkeitsvorteil, außer bergauf oder bei Gegenwind. Wer gerne im Alltag schnell Rad fährt, da aber nicht schwitzen will, für den ist das schnelle E-Bike gut geeignet, dass man in der Stadt auch überall problemlos parken kann. Und auch für alle, die in der Freizeit gerne sportlich Rad fahren und mit der Elektrounterstützung ihre Leistungsgrenze nach oben verschieben können.

Wie groß ist die Reichweite?

Bei voller Unterstützung mit 150 Prozent Motorkraft haben wir wiederholt auch bei kalten Temperaturen um den Gefrierpunkt 35 Kilometer Reichweite erzielt. Basis: Stadtfahrt mit vielen Stopps, 10 bis 15 Prozent der Strecke waren Steigungen bis 5 Prozent. Bei mittlerer Unterstützung mit 100 Prozent Motorkraft reichte eine Akkuladung mit 260 Wattstunden etwa 50 Kilometer. Das reichte aus – bis auf einmal! Aber da konnte man es auch ohne Motor noch gut fahren, wenn auch mit weniger Spaß. Man muss halt ein wenig planen, wie bei allen Fahrzeugen mit Motor.

Das Thema Reichweite wird aber allgemein überbewertet, denn auch das schnelle E-Bike bleibt ein Kurzstrecken-Fahrzeug, mit dem man aber deutlich weiter kommt als mit dem normalen Fahrrad. Denn Strecken bis 15 km, die dem normalen Fahrradfahrer in aller Regel zu weit sind, können mit dem schnellen E-Bike gut und in vergleichsweise kurzer Zeit bewältigt werden.

Wie groß ist die Auswahl

Über 60 Hersteller bieten derzeit in Deutschland Elektrofahrräder an. Zehn davon haben auch schnelle E-Bikes im Programm, insgesamt 16 Modelle haben wir gefunden. Zwei Drittel der Modelle haben den Mittelmotorantrieb von Panasonic. Die größte Auswahl mit sieben Modellen in verschiedenen Varianten bietet der Schweizer Elektrorad-Pionier Biketec, besser bekannt unter dem Markenamen Flyer. Die übrigen Anbieter haben ein oder zwei Modelle im Programm. Anbieter von schnellen Elektrofahrräder sind u.a.: Akkurad (www.akku-rad.de; Nachrüstsätze), Biketec (www.flyer.ch), Estelle (www.elektrorad-service.de), Focus (www.focus-bikes.de), Kalkhoff (www.kalkhoff-bikes.de), Raleigh (www.raleigh-bikes.de), Riese und müller (www.r-m.de), Storck (www.storck-bicycle.de), Velocity (www.velocity.ch) und Victoria (www.victoria-fahrrad.de).

Was kosten schnelle Elektroräder in Anschaffung und Unterhalt?

Ein schnelles E-Bike bekommt man ab 3.000 Euro bis 5.000 Euro. Der Preis liegt wie bei allen Elektorädern am zusätzlichen Antrieb und den teuren, aber leichten Lithium-Ionen-Akkus. Motor, Akku und Steuerungselektronik schlagen alleine schon mit 1.000 bis 1.500 Euro zu Buche. Bei schnellen E-Bikes kommt dann noch verteuernd hinzu , dass für diese wegen der höheren Geschwindigkeit und der daraus resultierenden höheren Belastung nur hochwertige Fahrradtechnik verwendet wird.

Die Anschaffung ist zwar teuer, doch die Unterhaltskosten sind vergleichsweise minimal: rund 70 Euro für die Haftpflichtversicherung; ein Akku hält bei mindestens 500 Ladezyklen und 35 Kilometer Reichweite etwa 17.500 Kilometer, das sind gerade mal 3 Cent pro Kilometer und die Akkuladung von 260 Wattstunden kostet gerade mal eine viertel Kilowattstunde, pro Kilometer also weit weniger als 1 Cent. Hinzu kommt die große CO2 –Einsparung und der Spaß beim Fahren.

Autor/in:

Livegespräch mit Peter Barzel

Redaktion:

Martin Gent

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