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Die Kleine Anfrage: Wann wird Umgangssprache zum anerkannten Dialekt?
Moderation: Franz-Josef Hansel
Wann wird Umgangssprache zum anerkannten Dialekt? „Geil!“ und „voll cool“ sind Schocker von gestern – abgeschliffen durch permanenten Gebrauch und Werbung. Man gewöhnt sich eben mit der Zeit an Vieles, sprachlich erst recht. Als Goethe nach Weimar kam, soll er dort wegen seines Frankfurter Dialekts verlacht worden sein, denn das damals in den Weimarer Amtsstuben gesprochene Meissner Kanzleideutsch galt als das einzig wahre Hochdeutsch. In unserer Kleinen Anfrage geht es um die Grenzziehung zwischen etablierter Umgangssprache und anerkanntem Dialekt.
Umgangssprache versus Dialekt
Das heutige Hochdeutsch hat sich über Jahrhunderte hinweg aus den in Deutschland gesprochenen Dialekten gebildet. Während früher z.B. ein Weiler aus fünf bis acht Bauernhöfen einen eigenen Dialekt haben konnte, wird Hochdeutsch heutzutage mit den Massenmedien in den letzten Winkel getragen: jeder hört oder liest also, wie Hochdeutsch klingt und gebildet wird. Davon werden wiederum auch die Dialekte beeinflusst, sie werden “abgeschwächt” bzw. “abgeflacht” - es entstehen Umgangssprachen, die in größeren Regionen gesprochen werden als Dialekte. Gegenüber dem Hochdeutschen gelten für die Umgangssprache minderstrenge Regeln hinsichtlich Aussprache und Wortschatz.
Die lebendige Sprache
Zwar stehen die Regeln der deutschen Sprache und ihre Rechtschreibung im DUDEN, doch ist das Deutsche nicht in Stein gemeißelt – und der DUDEN muss immer wieder reagieren: denn Sprache ist nicht fertig. Sprache ist lebendig und wird durch ihre tägliche Anwendung ständig weiterentwickelt. Neue Wortschöpfungen und Redewendungen kommen hinzu, und wenn sie sich in immer größeren Bevölkerungsgruppen in Deutschland durchsetzen, wird eine Neuerfindung auch mal zur Regel.
Motor Jugendsprache
Zwar gibt es “die eine” Jugendsprache nicht, weil die Jugendkulturen heutzutage zu stark aufgefächert sind, aber die Sprachweise der Jugend und deren Wortschöpfungen oder die Umdeutungen haben schon immer Einfluss auf das Hochdeutsch der “Erwachsenen” gehabt: “Krass!” “Geil” sind etwas jüngere Beispiele dafür als etwa “dufte” oder “stark”. Auch Comics und deren stark vereinfachte und vor allem lautmalerische (Fachbegriff: onomatopoetische) Sprache hatten Einfluss auf die Umgangssprache von Jugendlichen. “Ich so: zack! Der so: wegduck”.
Kanak-Sprak
Bereits Mitte der 1990er beschrieb der Schriftsteller Feridun Zaimoglu das, was Jugendliche mit Migrationshintergrund in Frankfurt, Hamburg oder Berlin sprechen, als eigenständige Umgangssprache und taufte es “Kanak-Sprak” - Berliner Jugendliche waren stolz auf diese Zuschreibung. TV-Comedians adaptierten diese Sprache schnell für sich (“Was guckst Du?”), überzeichneten diese und schufen vermeintlich typische Charaktere, doch mit der Sprachrealität im Berliner Kiez hat deren Sprechweise nicht mehr allzuviel gemein.
Von der Umgangssprache zum Dialekt?
Hip Hop beeinflusst den sprachwissenschaftlich “Ethnolekt” genannten Slang der Jugendlichen, die kreativ Deutsch mit Türkisch und anderen Immigrantensprachen kombinieren. Doch bis daraus ein in breiten Bevölkerungsschichten gesprochener Dialekt wird, wird noch einige Zeit vergehen. Das kann eintreten, muss aber nicht.
Autor/in:
Tim Hannes Schauen
Redaktion:
Martin Gent






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