s

Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 18.03.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Der Sand einer Stundenuhr rinnt vor einer antiken Uhr durch das Glas; Rechte: dpa

 Die Kleine Anfrage

Die Kleine Anfrage: Läuft eine Sanduhr immer gleich schnell?

Moderation: Martin Winkelheide

Wie die Zeit vergeht! Eine Sanduhr macht uns das sehr anschaulich. Die Zeit verrinnt einfach in Form feiner Sandkörnchen. Zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert war die Sanduhr ein wichtiges Zeitmessgerät: Auf dem Schiff zeigte sie den Mannschaftswechsel an, auf der Kanzel begrenzte sie die Redezeit des Predigers. Heutzutage setzt man Sanduhren fast nur noch in der Sauna ein.

Sandkörner sind Individualisten


Wie lange eine Sanduhr nach dem Umdrehen läuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab: die Korngröße, die Form der Sandkörner, die Menge der Sandkörner und die Größe des Durchlasses in der Mitte, der so genannten Taille. Damit die Sanduhr gleichmäßig läuft, müssen die Sandkörner absolut trocken und möglichst gleich groß sein. In der Natur gleicht kein Sandkorn dem anderen.

Sandkörner sind kantige Typen


Sand eignet sich für die Zeitanzeige viel besser als Wasser. Eine „Wasseruhr“ läuft umso schneller, je größer die Wassersäule ist und je mehr Wasser von oben nach unten drückt, d.h. am Anfang schießt das Wasser schnell heraus, am Ende verlangsamt sich der Wasserfluss. Sand hat dagegen ganz andere, besondere Fließeigenschaften, weil sich die einzelnen Sandkörner miteinander verzahnen.

Sandkörner sind zusammen stark


In der Sanduhr verkanten sich die einzelnen Körner mit ihren seitlichen Nachbarn und bilden bogenförmige Brücken, die den Druck auf die Seiten ableiten – ähnlich wie bei Torbögen in gotischen Kirchen. Auf diese Weise lastet ein gleichbleibender Druck auf den Sandkörnern an der Engstelle – die Fließgeschwindigkeit des Sandes bleibt so nahezu konstant. 

Sandkörner nehmen’s nicht ganz genau


Erst ganz zum Schluss – wenn die letzten Kornbrücken zusammenfallen – läuft die Sanduhr einen winzigen Tick schneller. Wer ein und dieselbe Uhr mehrmals umdreht und die Zeit mit einer mechanischen oder digitalen Uhr kontrolliert, wird bemerken: Bis auf die Sekunde genau ist ein Durchlauf nie. Das hat wieder mit den unterschiedlichsten Ecken und Kanten des Sandkorns zu tun.

Sandkörner haben ausgedient


Sanduhren, die heute noch hergestellt werden, enthalten oft gar keinen Sand mehr. Genormte Glas- oder Plastikpartikel erzielen genauere Durchlaufergebnisse. Im Mittelalter wurden übrigens hin- und wieder auch zerstoßene Eierschalen anstelle des Sandes verwendet, daher rührt der Name „Eieruhr“. Da hat es nur gut gepasst, dass die Eieruhr später auch für das fast perfekte Fünf-Minuten-Ei verantwortlich war.

 

Autor/in:

Christian Eßer

Redaktion:

Martin Gent

Unsere Audios und Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.adobe.com/go/getflashplayer_de

Die Kleine Anfrage: Läuft eine Sanduhr immer gleich schnell?

Manuskript

Link-Tipp

vorheriger Beitrag vorheriger Beitrag

nächster Beitrag nächster Beitrag




Leo 2 Go 100

Leo 2 Go

Lange & Winkelheide [mehr]

Die Kleine Anfrage

Service - Die Kleine Anfrage. Symbolbild: Ein Straßenschild mit Fragezeichen und Pfeil nach oben unter hellblauem Himmel; Rechte: WDR

Hörer fragen, Leonardo antwortet [mehr]

Die Kleine Anfrage [Quiz]

Leonardo

Leonardo-Serien [mehr]

Die Durchblicker

Wissens-Reportagen von der Ostsee bis zum Bodensee [mehr]

Radio zum Mitnehmen

Blaues Ohr mit Ohrstöpsel mit von ihm ausgehenden Sendewellen vor blauem Hintergrund (Rechte: WDR)

Leonardo als Podcast [mehr]

WDR Wissen

WDR Wissen

Multimedial [mehr]