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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 18.03.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Geigen, Bogen und Notenblatt; Rechte: WDR/imago stock&people

 Die Kleine Anfrage

Die Kleine Anfrage: Klingt ein Ton genau gleich, wenn er von verschiedenen Geigern gespielt wird?

Moderation: Martin Winkelheide

Wenn Kinder Geige üben, klingt das am Anfang meistens schrecklich. Da müssen die Eltern in den ersten Jahren sehr viel Gequietsche über sich ergehen lassen. Oft liegen die Töne daneben. Das liegt unter anderem daran, dass Geiger sich nicht etwa wie beim Klavier auf Tasten verlassen können. Sie müssen die richtigen Stellen selbst suchen, an die die Finger gehören. Das ist Millimeterarbeit, für die sie ein gutes Gehör und jahrelange Übung brauchen. Irgendwann haben sie es im Gefühl.

Was ist der richtige Ton auf der Geige?


Bei der Tonhöhe gibt es nicht nur richtig und falsch. Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es mehrere Tonsysteme, die sich im Laufe der Zeit geändert haben. Früher waren die Abstände der Töne zueinander anders als heute. Und man kann Instrumente auf unterschiedliche Weisen stimmen. Das ist zum Beispiel beim Klavier und beim Cembalo der Fall.

Anpassungsfähig bei wechselnden Partnern


Für Geiger bedeutet das: Je nachdem, mit wem sie spielen, müssen sie sich anders anpassen. Dabei haben sie den Vorteil, dass sie so flexibel sind. Ein Klavier oder ein Akkordeon kann sich nicht anpassen.

Außerdem gibt es schon auf der Geige selbst ein Problem: Wenn Musiker ihr Instrument so stimmen, dass zwei leere Saiten gut zueinander klingen – man sagt in reinen Quinten – dann passen der tiefste und der höchste Ton der Geige eigentlich schon nicht mehr zusammen. Und diese reine Stimmung passt auch zum Beispiel nicht zum Klavier.

Die Tonhöhe ist eine Wahrnehmungsgröße


Die nächste Schwierigkeit: Die Tonhöhe ist keine physikalische Größe, sondern eine Wahrnehmungsgröße. Das heißt, ein Ton, der messtechnisch perfekt ist, also die richtige Frequenz hat, kann sich für unsere Ohren falsch anhören. Ein sehr hoher Ton klingt zum Beispiel sauberer, wenn er eigentlich etwas zu hoch ist. Deshalb müssen Geiger auch hier gegebenenfalls etwas nachkorrigieren, damit es gut klingt.

Wie unterscheiden sich Geiger?


Kein Geiger spielt genau wie der andere. Mit der Tonhöhe fängt es an. Weiter geht es mit dem Vibrato, das einem Geiger eine persönliche Note gibt. Auch hierdurch können Geiger die Tonhöhe leicht ändern.

Die meisten Musikinstrumente schwingen in unterschiedlichen Frequenzen, die wir als Grundton und Obertöne wahrnehmen. Die Klangfarbe eines Instrumentes hängt besonders von den Obertönen ab. Jeder Geiger entlockt dem Instrument durch seine Spieltechnik unterschiedlich viel davon. Die meisten Experten sind sich einig, dass ein Spieler mehr Einfluss auf den Klang hat als das Instrument. Ein Ton wird nie genau gleich klingen, wenn verschiedene Geiger ihn spielen.

 

 

Autor/in:

Angelika Göllnitz

Redaktion:

Martin Gent

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