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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 16.10.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Eine Frau greift sich ans Ohr; Rechte: ddp/WDR

 Tinnitus - was tun?

Service Gesundheit: Nervenzerreißende Ohrgeräusche

Was tun bei Tinnitus?

Moderation: Marija Bakker

Stresstest im Ohr

„Tinnitus aurium“, also das „Klingeln im Ohr“, kann für die Betroffenen eine extrem nervliche und seelische Belastung sein. Mediziner schätzen, dass etwa 10 Millionen Deutsche solche Phantomgeräusche wahrnehmen. Bei manchen Menschen verschwinden sie nach kurzer Zeit wieder. Bei anderen werden sie zur dauerhaften Belastung, welche die Betroffenen krank macht. Das Spektrum reicht von Angstzuständen bis hin zu schweren Depressionen.

Wie kommt das Geräusch ins Ohr?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Geräusch nicht im Ohr selbst entsteht, sondern im Gehirn. Demnach sind die für das Hören zuständigen Regionen bei Tinnitus-Patienten überaktiv. Als Ursache dafür vermuten Forscher eine Hörstörung. Schließlich leiden die meisten Betroffenen mehr oder weniger stark unter Schwerhörigkeit - in der Regel in genau denselben Tonlagen, die auch der Tinnitus hat. Möglicherweise versucht das Gehirn, diese Hörstörung auszugleichen. Dabei kommt es zu einer Art Fehlschaltung, die für den Dauerton sorgt.

Die Suche nach den Ursachen

Ein akuter Tinnitus verschwindet in 80 Prozent der Fälle wieder, wenn die Ursachen behoben werden können. Dazu zählen z.B. eine Mittelohrentzündung, Durchblutungsstörungen, ein gutartiger Tumor des Hörnervs, Probleme mit der Halswirbelsäule oder mit den Zähnen.xx Meist spielen jedoch sehr komplexe Faktoren eine Rolle, die nicht immer greifbar sind - wie z.B. Stress. Auch ohne Befund bekommen Patienten mit akutem Tinnitus häufig bestimmte Medikamente, z.B. Entzündungshemmer wie Cortison oder durchblutungsfördernde Mittel. Weil deren Nutzen nicht ausreichend bewiesen ist, bezahlen gesetzliche Krankenkassen diese Mittel nicht.

Lebensqualität trotz Tinnitus

Nicht gegen den Tinnitus ankämpfen, sondern die störenden Geräusche in den Hintergrund drängen, die Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken – das kann Patienten helfen, die chronisch unter Tinnitus leiden. Dies ist mit Hilfe der sogenannten „Tinnitus-Bewältigungs-Therapie“, kurz TBT, oder dem „Tinnitus-Retraining“, kurz TRT, erlernbar.

Zum Teil werden dafür auch spezielle Rausch- und Hörgeräte eingesetzt. Wichtige Elemente sind Aufklärung, Stressmanagement und das Erlernen von Entspannungstechniken. Auch eine Verhaltenstherapie sollte dazu gehören. Sie ist laut einer aktuellen Studie der Uni Maastricht besonders erfolgversprechend. Die Behandlung wird in enger Abstimmung von spezialisierten Ärzten, Psychologen, Hörgeräteakustikern und Therapeuten durchgeführt – stationär oder ambulant. Ob solche Therapien von der Kasse bezahlt werden, hängt vom Einzelfall ab.

Neue Forschungsansätze

Die Forschung erprobt neue Behandlungsmöglichkeiten. So versuchen Mediziner mit der Transkraniellen Magnetstimulation gezielt das Gehirn anzuregen und damit die Nervenaktivität zu beeinflussen.xx Forscher der Uni Münster wollen dem Tinnitus mit einer speziellen Musiktherapie beikommen. Und ein sogenannter Neurostimulator, der am Forschungszentrum Jülich entwickelt wurde, soll die überaktiven Nerven aus dem Takt bringen und so den Tinnitus abstellen. Ausreichende Studien gibt es zu diesen Verfahren jedoch nicht.

Autor/in:

Thomas Samboll

Redaktion:

Monika Kunze

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