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Kommentar: Regeln gelten auch für Politiker
Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan
Moderation: Marlis Schaum
Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität sind zu dem Schluss gekommen, dass etliche Stellen in der Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" tragen. Die Ministerin reagierte empört, doch letztlich müssen für die Politikerin die gleichen Regeln gelten, wie für alle anderen auch.
Von Rainer Marquardt
"Das Ärgerlichste" sei, "dass sich die Universität Düsseldorf mit der Prüfung ein halbes Jahr Zeit lässt…. Frau Schavan ist ja keine x-beliebige Person." Mit diesen Worten wird die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, die SPD-Politikerin Ulla Burchardt, heute zitiert. Wäre Annette Schavan eine x-beliebige Person, hätte sich wohl auch niemand für ihre 32 Jahre alte Doktorarbeit interessiert und – durchaus fundiert – Plagiatsvorwürfe erhoben.
Auch wäre das jetzt fertig gewordene Gutachten, das ihr "eine leitende Täuschungsabsicht" unterstellt, wohl zuerst im Promotionsausschuss gelandet und nicht in den Zeitungsredaktionen. Ansonten aber hat Ulla Burchardt Unrecht. Seit Mai ist der Plagiatsvorwurf bekannt – mit genügend Material belegt, um sagen zu können: Das muss untersucht werden und ist nicht einfach bei den Haaren herbeigezogen.
Regeln, die für alle gelten
Was seitdem an der Universität Düsseldorf geschehen ist, ist nicht "das Ärgerlichste", wie Ulla Burchardt sagt, sondern richtig. Ein hoch renommierter Wissenschaftler, Stefan Rohrbacher, Vorsitzender des Promotionsausschusses und des Verbandes der Judaisten, übernimmt die Begutachtung der Doktorarbeit. Der als grundsolide geltende Rohrbacher nimmt sich dafür nicht die Zeit, die Politiker oder Journalisten sich wünschen mögen, sondern die er braucht. Sein Gutachten wird am Mittwoch im Promotionsausschuss beraten und dieser Ausschuss gibt eine Empfehlung.
Entscheiden darüber, ob der Doktortitel aberkannt wird oder nicht, tut der Fakultätsrat – und zwar, nachdem Annette Schavan sich zu den Vorwürfen äußern konnte. Das sind die Regeln, die für alle ehemaligen Studenten gelten – dass dieses "für alle" hier auch mal angewendet wird, mag ungewöhnlich sein und Politiker irritieren – aber es ist richtig. Welche Konsequenzen Annette Schavan und ihre Chefin ziehen, was jemand von den Leistungen der Ministerin hält – das hat in diesem Fall weder den Gutacher, den Promotionsausschuss noch den Fakultätsrat zu interessieren.





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