Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 15.08.2008, 16:05 bis 16:50 Uhr
Buchcover, Rechte: Verlag Wiley-VCH, Weinheim

 Service Sachbuch

Service Sachbuch: Wissenschaft bei Sherlock Holmes. Und die Anfänge der Gerichtsmedizin.

Von E. J. Wagner

Moderation: Martin Winkelheide

Im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in der Baker Street 221 B logierten Dr. med. John H. Watson und sein zuweilen recht exzentrischer Kollegen Sherlock Holmes. Beide Figuren sind erfunden vom Augenarzt und Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930). Die US-amerikanische Kriminalhistorikerin E.J. Wagner hat die Romanfiguren zum Anlass genommen, über die Geschichte der Gerichtsmedizin zu schreiben.

Autor/in:

Detlef Kutz

Redaktion:

Klaus-Dieter Oetzel

Hörerinformation

In den Romanfiguren des Sherlock Holmes und seines Partners Dr. Watson hat sich Arthur Conan Doyle zwei Kriminalisten erdacht, die ihrer Zeit weit voraus waren. Die US-amerikanische Kriminalhistorikerin E.J. Wagner findet in diesen beiden Protagonisten das perfekte Gespann, um zu zeigen, wie sich eine streng wissenschaftliche Methode der Verbrechensaufklärung entwickelt hat. Diese war im neunzehnten Jahrhundert, in dem die Kriminalromane spielen, noch Neuland.

E.J. Wagners Buch nimmt die literarische Vorlage zum Ausgangspunkt, um historisch belegte Kriminalfälle zu schildern. Dabei beschreibt die Autorin den Fortschritt nicht nur der Gerichtsmedizin, wie der Buchtitel nahelegt, sondern der Kriminalistik insgesamt. Dieser Weg verlief alles andere als schnurgerade, denn Vorurteile und Aberglauben sowie Gedankenlosigkeit behinderten die Verbrechensaufklärung, wie die fiktiven Detektive Holmes und Watson immer wieder erfahren mussten.

Die Autorin bezieht Arthur Conan Doyles Romane auf echte Kriminalfälle. Die zahlreichen schaurigen Geschichten werfen ein Licht auf die damals unzulänglichen wissenschaftlichen Grundlagen der Verbrechensaufklärung, auf fatale Fehlschlüsse der Experten und auch auf die Ignoranz einzelner Richter und Ermittler. E.J. Wagners schildert, wie die heute zum Standardrepertoire zählenden kriminalistischen Methoden erst allmählich entwickelt wurden. Sherlock Holmes brachte dem Aberglauben seiner Zeit kein Verständnis entgegen. Er und seine Kollegen in der wirklichen Welt bemühten sich darum, die Verbrechensaufklärung auf eine rationale Grundlage zu stellen.

Die zahlreichen Kriminalfälle im Buch sind packend dargestellt, und der Leser kann den steinigen Weg vom Aberglauben zu wissenschaftlichen kriminalistischen Methoden gut nachvollziehen. Leider unterlaufen der Autorin des Buchs ein paar sachliche Fehler. So befallen Schwebfliegen keine Leichen, sie landen dort nur als zufällige Besucher. Auch die beschriebene Methode, nach der man Fliegen Eier in chronische Wunden ablegen lässt, um diese zu reinigen, ist falsch; richtig ist, dass man steril aufgezogene Fliegenmaden verwendet, die abgestorbenes Gewebe eliminieren. Außerdem ist die Übersetzung des englischsprachigen Werks ins Deutsche nicht immer gelungen. Im Ganzen gesehen ist das Buch trotzdem lesenswert und eröffnet einen spannenden Einblick in die Geschichte der Kriminalistik und der Gerichtsmedizin.

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