Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 15.07.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Frau, die virtuelle Zahlen berührt; Rechte: dpa

 Eine knifflige Angelegenheit?

Die Kleine Anfrage: Wie kommt es, dass Migranten mitunter in der Muttersprache kopfrechnen?

Moderation: Franz-Josef Hansel

Ein Leonardo-Hörer berichtet von einem eigenartigen Phänomen. Er kommt aus Polen, lebt seit mehr als 25 Jahren in Deutschland und spricht perfekt Deutsch. Aber immer, wenn er im Kopf etwas rechnen will, wechselt er in seine Muttersprache. Das geht vielen so. Reden und Rechnen in zwei verschiedenen Sprachen. Warum machen wir das? Die Kleine Anfrage hat sich auf die Suche nach der Antwort gemacht.

Eine besonders knifflige kleine Anfrage lädt uns ein, einen Blick in unser Denkorgan zu werfen, nämlich die Frage: Wie kommt es, dass Migranten, die mittlerweile perfekt Deutsch sprechen, noch in ihrer Muttersprache kopfrechnen?

Münzgrosse Zentren

Besonders tief muß man nicht hineinschauen ins Gehirn. Denk- und Rechenzentren liegen ganz außen in der Großhirnrinde und sind etwa so groß wie dicke Münzen. Alle Zentren sind mehr oder weniger stark miteinander venetzt, je nachdem, wie gut wir Rechnen und Sprechen gelernt haben.

Hochüberlernte Elemente

Bei einer Umfrage unter zweisprachigen Studenten in Texas stellte sich heraus, dass die meisten in der Sprache kopfrechnen, die auch ihr Mathelehrer in der Grundschule gesprochen hat. Damals haben sich zwischen Sprach-und Rechenzentrum wichtige Verbindungen geknüpft. Oft wiederholte Sätze wie, „Fünf mal fünf ist 25“ oder „sieben plus fünf ist 12“ müssen seitdem nicht mehr „gerechnet“ werden, sondern sind einfach da. Experten nennen solche Vernetzungen „hoch überlernt“.

Sprachfrei rechnen

Das Gehirn hat aber zwei verschiedene Arten zu rechnen. Neben der sprachabhängigen Methode, gibt es offensichtlich auch eine Art, ohne Worte zu rechnen. Sprache benutzen wir, wenn wir ganz konkrete und präzise Ergebnisse brauchen. Dazu nutzen wir meist die Sprache, in der hoch überlernte Elemente zur Verfügung stehen. Es gibt aber auch ein Mathezentrum in der Großhirnrinde, das sprachunabhängig funktioniert – allerdings nur für arithmetische Schätzungen. Die Frage: „70 und 40, ist das eher 100 oder eher 200?“ kann unser Gehirn auch ohne Sprache lösen. Das heißt, für solche Aufgaben müssen wir auch nicht die Sprache wechseln.

Autor/in:

Gerhard Richter

Redaktion:

Martin Gent

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