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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 14.04.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Vordergrund: Google-Logo, Hintergrund: Bäume (M); Rechte: dpa

 Klimaneutrale Internetsuche

Service Computer: "Grüne" Suchmaschinen schonen die Umwelt

Moderation: Marija Bakker

Wer im Internet etwas sucht, der schadet dem Klima. Der eigene Computer braucht Strom, genauso wie die riesigen Rechenzentren, zum Beispiel für die Internetsuchmaschine „Google“. Dort arbeiten bis zu 1.000 Computer gleichzeitig an einer Suchabfrage – damit diese nicht länger als eine halbe Sekunde dauert. Nicht nur diese Computer brauchen viel Strom, auch die Klimaanlagen, die dafür sorgen, dass es im Rechenzentrum nicht zu heiß wird.

Jede Suche per Google erzeugt 6 Gramm Kohlendioxid, aufs Jahr gerechnet sind das im Durchschnitt 400 Gramm pro Internetnutzer, das hat ein US-amerikanischer Physiker von der Harvard-Universität errechnet. Das ist zwar relativ wenig im Vergleich, denn jeder Deutsche erzeugt durchschnittlich zwölf Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Wer aber auf jedes Gramm CO2 achten will, kann das mit wenig Aufwand tun – indem er nicht mehr „Google“ selbst, sondern eine so genannte „grüne Suchmaschine“ nutzt. Diese verspricht eine klimaneutrale Internetsuche. Das klappt jedoch nicht immer.

Werbeerlöse für den Schutz des Regenwaldes

Es gibt unterschiedliche „grüne Suchmaschinen“. Sie alle arbeiten nach demselben Prinzip: Sie sind auf eine herkömmliche Suchmaschine wie „Google“, „Yahoo“ oder „Bing“ aufgesetzt. Wer eine grüne Suchmaschine nutzt, nutzt also immer zwei Suchmaschinen gleichzeitig: Die grüne Suchmaschine, über welche die Suchabfrage läuft, und die klassische Suchmaschine, welche die Suche ausführt. Die Suche an sich ist also alles andere als klimaneutral - im Gegenteil: Sie ist erstmal sogar klimaschädlicher als die Suche, die nur über eine herkömmliche Suchmaschine ausgeführt wird.

Der Nutzen durch eine grüne Suchmaschine für Klima und Umwelt entsteht indirekt. Suchmaschinen verdienen nämlich Geld mit Werbung. Wer bei Google zum Beispiel nach dem Begriff „Auto-Versicherung“ sucht, bekommt Werbeanzeigen von Auto-Versicherern angezeigt. Klickt der Suchende darauf, zahlt die Versicherung Geld an Google. Damit macht Google Milliardengewinne. Dasselbe Szenario gibt es auch bei grünen Suchmaschinen. Der Unterschied: Die grüne Suchmaschine verspricht, den Werbeerlös in Umweltprojekte zu investieren, etwa in den Schutz des Regenwaldes. Jeder Quadratmeter Regenwald, der nicht abgeholzt wird, nutzt dann dem Klima.

Werbung für das Klima

Dieses Werbeerlös-Klimaschutz-Modell hat jedoch zwei Nachteile. Erstens: Wer grüne Suchmaschinen nutzt, aber nie auf Werbung klickt, schadet dem Klima mehr, als wenn er eine herkömmliche Suchmaschine nutzt. Denn bei diesem Suchvorgang wird zweimal Rechenleistung in Anspruch genommen – die von zwei Suchmaschinen. Weil der Suchende nicht auf die Werbung klickt, bringt er der grünen Suchmaschine kein Geld ein, das für den Klimaschutz benötigt würde.

Zweitens: Klicks aus Gefälligkeit bringen nichts. Wer denkt, er könne dem Klima Gutes tun, indem er grüne Suchmaschinen nutzt und extra auf deren Werbung klickt, der irrt. Denn „unechte“ Klicks auf Werbung ziehen in der Regel keine Einkäufe nach sich. Das verstimmt die Werbekunden. Das Werbeerlös-Modell funktioniert dann nicht mehr. Es gibt also nur eine Art von Nutzer, die grünen Suchmaschinen wirklich helfen: Diejenigen, die ganz „normal“ suchen und ab und an auch mal auf Werbung klicken und vielleicht sogar dann auch etwas kaufen. Wer weiß, dass er nie auf Werbung klickt, nachdem er etwas gesucht hat, oder gar einen Werbeblocker benutzt, der sollte bei Google, Yahoo oder Bing bleiben.

Eine Garantie, dass grüne Suchmaschinen ihre Versprechen einhalten, die Werbeerlöse in Klimaprojekte zu stecken, gibt es übrigens nicht. Man ist auf die eigenen Aussagen der Betreiber angewiesen.

Autor/in:

Livegespräch mit Konstantin Zurawski

Redaktion:

Joachim Hecker

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