Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 13.09.2011, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Rückenansicht einer Frau; Rechte: dpa

 Gefährdetes Gebilde

Service Gesundheit: Osteoporose

Was tun, wenn Knochen brüchig werden?

Moderation: Franz-Josef Hansel

Ein kleiner Sturz, ein kurzes Bücken bei der Gartenarbeit, das Enkelchen mal eben auf den Arm genommen: Solche alltäglichen Aktionen können schon reichen, um bei älteren Menschen Knochen brechen zu lassen, wenn sie unter Osteoporose leiden. Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 50 hat Knochenschwund. Und weil die Menschen immer älter werden, nimmt die Zahl der Osteoporose Patienten ständig zu. Mediziner sprechen inzwischen von einer Volkskrankheit.

Die beiden Hauptrisikofaktoren

Bei Frauen über 50 macht vor allem die Hormonumstellung die Knochen brüchig. Ihr Körper produziert viel weniger Östrogen als der Körper einer jungen Frau. Östrogen ist ein Hormon, das unter anderem dafür sorgt, dass genügend Kalzium im Knochen eingelagert wird. Deshalb gilt Osteoporose immer noch als Frauenkrankheit, doch statistisch gesehen holen die Männer auf. Der Grund: auch sie werden immer älter. Das Alter ist neben den Hormonen der zweite große Risikofaktor.

Tatsächliches Bruchrisiko bestimmen

Um das Bruchrisiko bei Patienten zu bestimmen, hat der Dachverband Osteologie inzwischen einen umfangreichen Fragenkatalog zusammengestellt. Mit ihm können auch Hausärzte und Orthopäden ermitteln, wie hoch für den Patienten die Gefahr ist, sich in den kommen 10 Jahre einen Knochen zu brechen. Neben allgemeinen Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und Lebenswandel wird auch nach Medikamenten gefragt. Besonders gefährdet sind Menschen, die wegen einer  Rheuma- oder Asthmaerkrankung cortisonartige Präparate schlucken. Diese Medikamente schädigen die Knochen zum Teil erheblich. Auch wer dauerhaft Magensäureblocker schluckt, läuft Gefahr, dass seine Knochen nicht genug Kalzium bekommen. Bei solchen Risikopatienten sollten Ärzte schon frühzeitig klären, ob es ein Osteoporose-Problem gibt.

Knochendichtemessung

Der Dachverband Osteologie empfiehlt die Knochendichte mit dem DXA Verfahren zu messen. DXA ist die Abkürzung für „Duale Röntgenuntersuchung“ und bedeutet, dass man mit Hilfe von zwei Röntgenstrahlen (an der Lendenwirbelsäule oder an der Hüfte) messen kann, wie viel Kalk ein Knochengewebe enthält. Von der Menge an Kalk im Gewebe kann man auf die Masse an Knochendichte schließen. Kritisch beurteilen die Experten des Dachverbandes Osteologie die Knochendichtemessungen per Computertomographie oder Ultraschall. Studien haben ergeben, dass die Messwerte häufig nicht mit den DXA Werten übereinstimmen und das Vorliegen einer Osteoporose überschätzt (Computertomographie) oder unterschätzt werden kann (Ultraschall). 

Blutentnahme wichtig

Zu jeder seriösen Diagnose einer Osteoporose gehört auch ein Bluttest. Mit  ihm muss geklärt werden, ob eventuell eine andere Knochenkrankheit vorliegt, die so genannte “Osteomalazie“, bei Kindern auch als Rachitis bekannt. Diese Krankheit der „Knochenerweichung“ muss völlig anders behandelt werden als eine Osteoporose. Nur ein Bluttest sorgt hier für Klarheit.

Therapie

Liegt zweifelsfrei eine Osteoporose vor, dann bekommt der Patient Tabletten mit Biphosphonaten. Diese Medikamente hemmen den Knochenschwund. Von zusätzlichen Kalziumtabletten rät der Dachverband Osteologie inzwischen ab. Die Kritik der Experten: Häufig wird zu viel von diesem Mineralstoff geschluckt, kann das zu Nierensteinen und Herz-Kreislauferkrankungen führen. Die meisten Osteoporosepatienten können ihren Kalziumbedarf über das Essen decken. Ein halber Liter Milch (oder entsprechend Buttermilch, Joghurt oder Kefir) plus zwei Scheiben fester Schnittkäse liefern bereits die nötigen 1000 Milligramm Kalzium pro Tag. Eine gute Ergänzungsquelle ist kalziumreiches Mineralwasser. Das  Mineralwasser sollte einen Kalziumgehalt ab 400 Milligramm pro Liter haben. Wichtig für die Knochen ist auch Vitamin D. Vitamin D bildet der Körper unter anderem über die Sonneneinstrahlung in der Haut. Deshalb sollten sich gerade ältere Menschen mindestens eine halbe Stunde täglich unter freiem Himmel aufhalten – selbstverständlich ohne gleich in der prallen Sonne zu braten. Häufig werden bei einer Osteoporosetherapie inzwischen auch zusätzlich Vitamin D-Tabletten verordnet. Wer seine Knochen auf Dauer stabil halten will, sollte außerdem schon in jungen Jahren etwas dafür tun. Das heißt vor allem nicht rauchen und in Bewegung bleiben.  
 
Wann ist eine Knochendichtemessung sinnvoll?

Die Experten des Dachverbandes Osteologie empfehlen eine prophylaktische Knochendichtemessung allen Frauen über 70 und allen Männern über 80. Dasselbe gilt für ältere Risikopatienten, die Knochen schädigende Medikamente schlucken. Eine generelle Untersuchung für Frauen nach den Wechseljahren ist unsinnig, so das Urteil des Dachverbandes – und unter Umständen auch teuer. Denn, hat es noch keinen Bruch gegeben, wird eine Knochendichtemessung nicht von den Krankenkassen bezahlt. Die Untersuchung kostet rund 40 Euro. 


Redaktion:

Monika Kunze

Mehr Informationen

Kuratorium Knochengesundheit
Leipziger Str.6
74889 Sinsheim
Tel:07261/92170
Das Kuratorium Knochengesundheit engagiert sich schon seit den 80er Jahren für den Wissenstransfer zwischen Ärzten und Patienten. Auf der Internetseite gibt es einen Suchservice für Ärzte, Reha-Kliniken und Selbsthilfegruppen.  
www.osteoporose.org


Dachverband Osteologie
Osteologie Akademie GmbH
Hellweg 92-94
45276 Essen / Tel: 0201/ 3845-617
Auch auf dieser Seite gibt es einen Arzt-Such-Service.
www.dv-osteologie.org


Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose (BfO)
Dachverband der Osteoporose Selbsthilfegruppen in Deutschland  
Kirchfeldstr.149
40215 Düsseldorf
Tel:0211/30 13 14-0  
www.osteoporose-deutschland.de

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