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Service Bildung: Berufliche Gymnasien
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Berufliches Gymnasium
Jährlich legen über 6000 Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen ihr Abitur an einem Beruflichen Gymnasium ab. An Beruflichen Gymnasien erwirbt man wie an einem allgemeinbildenden Gymnasium oder einer Gesamtschule innerhalb von drei Jahren die Allgemeine Hochschulreife – das Abitur. Im Unterschied zur „normalen“ gymnasialen Oberstufe gibt es Fächer in einem berufsbezogenen und einem berufsübergreifenden Lernbereich.
Es gibt Berufliche Gymnasien mit unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen: Wirtschaft und Verwaltung, Erziehung und Soziales, Gestaltung, Informatik und Technik – die dann noch einmal in vier verschiedenen Fachrichtungen.
Fachbereiche
Im Fachbereich Wirtschaft geht es dann zum Beispiel um Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen, Volkswirtschaftslehre und Informatik, Im Fachbereich Informatik, wie am Berufskolleg Georg Simon Ohm in Köln, werden die Fächer Elektrotechnik und Prozessleittechnik, Betriebssysteme und Netzwerke, Rechner- und Systemtechnik, Softwareentwicklung und Datenbanksysteme unterrichtet. Daneben werden zumindest die Hauptfächer des allgemeinbildenden Fachbereichs gelernt. Unter den Tisch fällt offenbar die musisch-ästhetische Bildung, während der Religionsunterricht auch für diese Schüler obligatorisch ist.
Anders als an Gymnasien und Gesamtschulen findet der Unterricht nicht im Kurssystem statt, sondern die Klassen bleiben bis zum Abitur zusammen.
Man hat etwa 36 Unterrichtsstunden in der Woche. Doppelqualifikation: Abitur plus Assistentenberuf
Oft bieten die Berufskollegs ihre Bildungsgänge in den beruflichen Gymnasien zusammen mit einer Assistentenausbildung an. Dann schließt man nach dem Abitur noch ein dreimonatiges Praktikum an und bekommt dann einen Abschluss als Assistent in seinem Berufsfeld. Die Assistentenberufe sind Abschlüsse nach Landesrecht, sie werden mit einer staatlichen Prüfung zertifiziert, nicht mit einer Prüfung vor einer Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer, wie sonst üblich. Manche Arbeitgeber sehen deshalb diese Abschlüsse als nicht ganz vollwertig an, zumal sie nicht in einem Betrieb erlernt werden.
Auch in der Abiturprüfung werden die jeweiligen beruflichen Profile besonders berücksichtigt. Auch an den beruflichen Gymnasien in NRW werden zentrale Abschlussprüfungen abgelegt, sie unterscheiden sich jedoch von denen an Gymnasien und Gesamtschulen.
Aufnahmebedingungen
Wer die Berechtigung zum Besuch einer gymnasialen Oberstufe hat darf aufs berufliche Gymnasium. Diese Berechtigung bekommen Schüler am Gymnasium künftig, nach der Verkürzung auf acht Schuljahre, schon nach der Klasse neun, obwohl sie die Mittlere Reife erste nach Klasse elf bekommen. Gymnasiasten wechseln von der klasse neun des Gymnasiums in die Klasse Elf des Beruflichen Gymnasiums. Haupt- und Realschüler, die die Fachoberschulreife – „Mittlere Reife“ – plus Qualifikationsvermerk haben, wechseln nach Klasse Zehn ins Berufliche Gymnasium. Für sie ist dieser Weg besonders attraktiv, vor allem deshalb, weil dort die anderen Schüler ihnen nichts voraus haben – alle sind neu an der Schule, sie müssen sich nicht den gymnasialen Habitus aneignen.
Höhere Berufsfachschule
Neben den Beruflichen Gymnasien gibt es noch die Höheren Berufsfachschulen, wie zum Beispiel die Höhere Handelsschule. Die besuchen die Schülerinnen und Schüler in der Regel zwei Jahre lang. Sie bekommen dann die Fachhochschulreife – können also zur Fachhochschule gehen, nicht aber zur Uni. Es gibt allerdings auch Berufsfachschulen, wie z. B. am Georg-Simon-Ohm-Kolleg in Köln, die drei Jahre dauern, dann aber auch wieder kombiniert mit einem Abschluss als staatlich geprüfter Assistent. Hier ist die Aufnahmevoraussetzung die Fachoberschulreife – sprich: Die Mittlere Reife. Die haben Gymnasiasten künftig erst nach Klasse zehn, während sie schon nach Klasse neun die Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe bekommen. Sie kommen also schneller ins Berufliche Gymnasium als in die – eigentlich „leichtere“ - Höhere Berufsfachschule.xx Für wen lohnt sich das?
Schüler, denen der Unterricht am Gymnasium zu abstrakt, zu abgehoben erschein, die zudem schon wissen, wo ihre Interessen liegen und wohin sie sich beruflich orientieren wollen, für die ist das Berufliche Gymnasium eine attraktive Alternative. Während der Schulzeit absolvieren sie Praktika in Betrieben. Die Lernbedingungen sind gut, die Klassen klein. Bekommt man noch einen Assistentenberufsabschluss dazu, so hat man einen leichteren Einstieg in einen Beruf, ein Praktikum oder ein einschlägiges Studienfach. Schülerinnen und Schüler, die von einer Realschule oder einer Hauptschule kommen, werden es dort in der Regel leichter haben als an einem Gymnasium, wo sie sich in über Jahre gewachsene Strukturen neu einfügen müssen. Und auch die feste Bindung eines Klassenverbandes ist für viele angenehmer.
Autor/in:
Karl-Heinz Heinemann
Redaktion:
Angelika Böhrke
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