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Service Psychologie: Schematherapie
Schwierige Lebensmuster aufspüren und umlernen
Moderation: Marija Bakker
Unsere Kindheit prägt uns für das ganze Leben. Im Guten wie im Schlechten. Erfahrungen können uns sehr verletzen - negative Botschaften unser Bild von uns prägen. Gerät man immer wieder in solche Gefühlszustände, wiederholen sich bestimmte Erfahrungen, können sie zur Sackgasse werden. Ein neuer Therapieansatz innerhalb der Verhaltenstherapie, die Schematherapie, versucht solche Schemata aufzuspüren und beim Umsteuern zu helfen.
Viele haben solche Sätze früher oft gehört oder gespürt: "Aus Dir wird doch sowieso nichts", "Kannst Du nicht mal was richtig machen", "Das schaffst Du nicht". Solche Sätze können sich zu einem tiefen Grundgefühl entwickeln - einem Gefühl der Minderwertigkeit, der Verlassenheit, der Angst unfähig und ungeliebt zu sein, bis hin zu wiederkehrenden Depressionen.
Es gibt viele Möglichkeiten, damit umzugehen. Sich verstecken, schlechte Gefühle mit Alkohol ertränken, zum Workaholic werden, um zu beweisen, dass man etwas kann oder sich selbst für übertrieben toll halten, gleichzeitig aber andere abwerten und schlechtmachen.
Verhaltenstherapie greift zu kurz
Sind die Ur-Erfahrungen positiv, gehen Menschen eher zuversichtlich durchs Leben – getragen von einem stabilen Selbstwertgefühl. Schmerzhafte, verletzende Erlebnisse der Ablehnung oder Abwertung dagegen bewirken negative oder sogar schädliche Gefühlsmuster, die zur Falle werden können , in die man immer wieder hinein gerät.
Die Verhaltenstherapie ist eine Möglichkeit, solche Verletzungen aus der Vergangenheit aufzuspüren. Sie geht davon aus, dass wir je nachdem, wie wir über die Welt denken, bestimmte Gefühle entwickeln. Sie sieht sich die Gedankenwelt an, wenn wir zu viele schädliche Gefühle haben.
Aber die Verhaltenstherapeuten kamen damit nicht richtig weiter, wenn die Verhaltensmuster ihrer Patienten sehr hartnäckig waren - emotionale Muster, in die sie immer wieder hineinrutschten.
Jeffrey Young identifiziert "Schemata"
Der amerikanische Psychotherapeut Jeffrey Young hat solche Gefühlsmuster näher erforscht. Er hat 18 Schemata identifiziert, die das Denken und Handeln bestimmen, Stimmungen beeinflussen und unser Selbstwertgefühl prägen. Darunter sind Themen wie Verlassenheit, Misstrauen, Wertlosigkeit. Auf der Basis dieser Schemata hat er einen neuen Therapieansatz entwickelt - die Schematherapie.
Sie bezieht Gedanken und Gefühle ein. Sie soll die Verletzungen der Vergangenheit aufspüren und beim Umlernen helfen. Dazu bedient sie sich verschiedener Methoden aus bekannten anderen Therapieformen – z.B. der Imagination, um sich in die Vergangenheit zurückzuversetzen, oder eines Dialogs mit sich selbst, wie die Gestalttherapie.
Das Ganze noch einmal durchleben
Der erste Schritt ist, das Grundgefühl zu identifizieren. Gibt es einen Zusammenhang zwischen aktuellen Problemen und den Kindheitserfahrungen? Wer sich aus dem Schema befreien will, braucht Mut, sich den schmerzhaften Erinnerungen noch mal auszusetzen. Dem Kind wird wieder eine Stimme verliehen, wie es gefühlt hat, als die Eltern emotional abweisend waren oder übertrieben fürsorglich. Der Patient lernt, Mitgefühl für sich und seine Wunde zu entwickeln.
Einstieg in den Ausstieg
Dann wird das Schema überprüft – „Ich tauge nichts“, „Immer werde ich verlassen“, „Nur wenn ich perfekt bin, bekomme ich Zuwendung“. Dabei geht es darum zu lernen, dass es nicht zutrifft und dass es möglich ist, die Botschaften zu verändern.
Wer mit dem Schema Verlassenheit gelebt hat, und fest geglaubt hat, "Wenn ich mich nicht fest an meinen Partner klammere, wird er mich verlassen", stellt so vielleicht fest, dass dieses Verhalten schädlich ist.
Emotional und neuronal umlernen
Es geht um eine neue Selbststeuerung. Hat der Patient seine Gefühle verstanden, kann er umlernen. Auf der Gefühlsebene und auch rational.
Schematherapie kann eine Möglichkeit für Menschen sein, die bemerken, dass sie immer wieder nicht hilfreiche Dinge tun und immer wieder in schlimme Gefühlszustände kommen, die mit der aktuellen Situation nur bedingt zu tun haben.
"Ziel sollte dabei nicht nur sein, die alten Muster zu beseitigen, sondern auch herauszufinden, wer wir denn sein wollen und was wir uns vom Leben versprechen", Jeffrey Young.
Autor/in:
Angelika Tannhof
Redaktion:
Ruth Schulz




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