Donnerstag, 23.05.2013

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 12.07.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Zwei ältere Menschen (Mann und Frau) von hinten; Rechte: dpa

 Lebenserwartung bei Mann und Frau

Die Kleine Anfrage: Lebenserwartung

Warum werden Frauen im Schnitt älter als Männer?

Moderation: Marija Bakker

Lebenserwartung allgemein

In den letzten 100 Jahren ist die Lebenserwartung der Menschen um fast 20 Jahre gestiegen. Das liegt an der Verbesserung von Gesundheitssystem, Hygiene und vor allem auch an den allgemeinen Lebensbedingungen wie Ernährung, kürzere Arbeitszeiten, mehr Erholungsmöglichkeiten, bessere Einkommen, mehr Bildung. Dennoch besteht im Lebensalter noch immer ein Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Der kleine Unterschied: 6 Jahre

Neueste Statistiken aus dem Jahr 2011 belegen, dass die Lebenserwartung der heute neugeborenen Jungen in Deutschland bei durchschnittlich 77 Jahren liegt und die Lebenserwartung der neugeborenen Mädchen bei knapp 83 Jahren. In Schweden beträgt der Unterschied zwischen den Geschlechtern nur vier Jahre, in Russland sind es 13 Jahre.

Biologische Gründe

Zum Beispiel Gene und Hormone. Sie sind weitgehend festgelegt. Seit geraumer Zeit untersuchen Forscher zum Beispiel den Einfluss der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron auf das Immunsystem. Viele Studien belegen, dass das weibliche Hormon Östrogen einen stärkeren Schutz vor Krankheiten darstellt. Z.B. erleiden Frauen erleiden seltener einen Herzinfarkt und wenn doch, dann 10 bis 15 Jahre später als Männer. Aber es gibt noch keine eindeutigen Ergebnisse, denn auch die biologischen Faktoren sind sehr vielfältig und beeinflussen sich gegenseitig.

Lebensstil und Umwelt 

1.) Arbeit

Auch heute noch arbeiten Männer häufiger in den „schweren“ Berufen: im Handwerk, in der Industrie und Technologie. Sie arbeiten mehr und sind dabei stärkeren körperlichen Belastungen und Gefahren ausgesetzt. Zudem kommt mehr psychischer Druck, Stress am Arbeitsplatz.

2.) Freizeit

Auch in ihrer Freizeit leben Männer riskanter. Sie schätzen gefährliche Hobbies wie Fallschirmspringen oder Bergsteigen, sie fahren schneller und unvorsichtiger Auto. Das führt insgesamt zu einem höheren Unfallrisiko bei Männern. Außerdem werden sie auch häufiger Opfer von Gewaltverbrechen als Frauen.

3.) Gesundheit

Männer rauchen öfter und mehr als Frauen. Außerdem trinken sie mehr Alkohol. Zudem ernähren sie sich schlechter und sind häufig übergewichtiger als Frauen. Männer treiben weniger Sport und gehen seltener zum Arzt. 90% der Männer halten sich dennoch für gesund.

4.) Partnerschaften

Männer, die verheiratet sind oder in einer festen Partnerschaft leben, werden in der Regel älter als ledige. Der Partner bedeutet offenbar mehr Stabilität und Ausgleich. Beim weiblichen Geschlecht sieht das anders aus: Single-Frauen werden genau so alt wie verheiratete Frauen. Das liegt daran, dass Frauen sich ein soziales Netz aufbauen mit Bekannten und Freunden. Männer beschränken sich offenbar eher auf eine/-n PartnerIN. Das führt aber letztlich zu einer höheren Isolation und Einsamkeit. So sind die Suizidraten bei Männern drei Mal so hoch wie bei Frauen.

5.) Das „starke Geschlecht“

Auch das traditionelle Rollenbild hat Einfluss auf die Lebenserwartung von Männern. Psychische Leiden sind für die meisten Männer noch immer ein Tabu. Stress am Arbeitsplatz oder private Probleme verdrängen sie eher, als darüber zu sprechen oder sich gar professionelle Hilfe zu suchen.

Zukunftsperspektiven 

Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass der Abstand zwischen Männern und Frauen bei der Lebenserwartung in Zukunft kleiner wird. Zum einen weil die Frauen im negativen Sinn „aufholen“: Sie haben beruflich mehr Stress und rauchen auch mehr. Zum anderen werden die Männer gesundheitsbewusster: Sie achten mehr auf ihre Ernährung und sind sportlich aktiver.

Autor/in:

Ariane Hoffmann

Redaktion:

Mrtin Gent

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Warum werden Frauen im Schnitt älter als Männer?

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Manuskripte

Literatur

„Gender Medizin: Geschlechtsspezifische Aspekte für die klinische Praxis“, Anita Rieder, Brigitte Lohff (Hrsg.), Springer Verlag, Wien, 2. Auflage Juni 2008 ISBN: 978-3211682890

„Gender und Lebenserwartung“, Jochen Geppert, Jutta Kühl (Hrsg.), Kleine Verlag Bielefeld, 2006. ISBN: 978-3893704149

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