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Eine Leonardo-Hörerin aus Bielefeld hat an sich selbst und an ihren Kindern beobachtet, dass aus hellen Kindermähnen im Laufe der Zeit straßenköterblonde bis hellbraune Erwachsenen-Schöpfe geworden sind. Wie kann das sein?
Die Farbe der Haare eines Menschen ist genetisch festgelegt - das lernt man im Biologieunterricht. Ohne äußere Einflüsse dürfte sich die Haarfarbe im Laufe des Lebens also nicht ändern. Mal davon abgesehen, dass die Haare irgendwann grau oder weiß erscheinen, weil keine Farbpigmente mehr zur Verfügung stehen - der ganz normale Alterungsprozess. Wenn die Haarfarbe genetisch festgelegt ist, wie kann es dann sein, dass in unseren Breiten aus blonden Kindern dunkelblonde oder sogar dunkelhaarige Erwachsene werden?
Unzählige Haarfarben – nur drei unterschiedliche Pigmente
Schwarz, brünett, rot und erdbeer-straßenköter- oder strohblond: Die Palette der natürlichen Haarfarben in Mitteleuropa ist groß. Gerade mal zwei unterschiedliche Pigmente, sogenannte Melanine, sind für die verschiedenen Haarfarben verantwortlich. Diese körpereigenen Farbpigmente bestimmen den Ton von Haut und Haaren und auch die Augenfarbe eines Menschen. Das sogenannte Eumelanin sorgt für eine dunkle Färbung und dominiert in schwarzem und braunem Haar. Das Phäomelanin ist ein helleres Rotpigment, das in blondem und rotem Haar zu finden ist. Trichochrome gehören ebenfalls zu den Phäomelaninen und sorgen für eine hell-rötliche Färbung. Auch sie sind in blondem und rötlichem Haar zu finden.
Auf das Mengenverhältnis kommt es an
Die Zusammensetzung von Eumelanin und Phäomelaninen in einem Haar variiert von Mensch zu Mensch und kann sogar auf einem Kopf unterschiedlich ausfallen. Vom Mengenverhältnis der verschiedenen Pigmente hängt es ab, ob das Haar schwarz, rotbraun oder rotblond erscheint. In dunklem Haar dominiert das Eumelanin; in rotbraunen Haaren sind Eumelanine und Phäomelanine am Werk; in blonden Haaren fehlen die dunklen Eumelanine. Welche Melanine in welchen Mengen im Körper eine Rolle spielen, ist tatsächlich genetisch festgelegt. Die Stärke der Pigmentierung entwickelt sich aber erst im Laufe der Kindheit und Jugend.
Verschiedene Haarsorten - vom Lanugohaar zum „Terminalhaar“
Während der Schwangerschaft ist der Körper im Mutterleib ab der 13. - 16. Woche von einem Flaumhaar, dem sogenannten Lanugohaar, bedeckt. Es fällt gegen Ende der Schwangerschaft aus. Am Kopf wird es von einem Zwischenhaar, dem sogenannten Intermediärhaar, ersetzt. Dieses ist oft hell, weil es viel schwacher pigmentiert ist, als das End- oder Terminalhaar. Diese Haarsorte, das Kopfhaar eines gesunden Erwachsenen, bildet sich überhaupt erst ab dem ersten bis zweiten Lebensjahr. Das Endhaar entwickelt seine endgültige Pigmentierung erst im Laufe der nächsten Jahre.
Melanonzyten-stimulierende Hormone
Die Bildung der Pigmente in den sogenannten Melanozyten, Zellen die sich in der Haut und im Haarwulst befinden, wird durch unterschiedliche Hormone angeregt, z.B das Melanozyten-stimulierende Hormon MSH. Auch die Sexualhormone, die erst mit Beginn der Pubertät ausgeschüttet werden, verstärken die Pigmentbildung. Ist die Pigmentierung von Haut und Haar in der Kindheit zunächst schwach, daher das hellere Haar, nimmt sie durch die Hormonausschüttung im Laufe der Kindheit und Jugend zu. Die genetisch festgelegte Haarfarbe, die endgültige Pigmentierung, tritt oft erst am Ende der Pubertät auf.
Autor/in:
Mareike Ilsemann
Redaktion:
Martin Gent






![Bild: Pfanne mit Atom; Rechte: interfoto/mauritius images/WDR[m]](/fileadmin/user_upload/Sendungen/Leonardo/2012/Kuechenexperimente/Foto/KETeaserLogo_160x70.jpg)







