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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 11.10.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Ein Höhenretter bei einer Übung; Rechte: mauritius images

 Arbeiten in schwindelerregender Höhe

Die Kleine Anfrage: Warum sind manche Leute schwindelfrei und andere nicht?

Moderation: Marlis Schaum

Wird Ihnen mulmig, wenn Sie vom Fernsehturm hinabschauen? Wie Menschen Höhe oder auch schnelle Drehbewegungen empfinden und damit umgehen, ist sehr unterschiedlich. Aber warum eigentlich sind manche Leute schwindelfrei und andere nicht?

Dem einen wird schon schwindelig, wenn er auf einen Hocker steigt, um eine Glühbirne auszuwechseln. Der andere arbeitet in luftigen 160 Metern Höhe und kann das genießen, wie zum Beispiel die Fensterputzer am Bonner Posttower. Warum Schwindelgefühle bei Menschen so unterschiedlich stark ausgeprägt sind, können Medizin und Psychologie noch nicht eindeutig erklären. Einigkeit herrscht aber über die Tatsache, dass man sie sich bis zu einem gewissen Grad abtrainieren kann.

Widersprüchliche Informationen

Bei einem Schwindelgefühl bekommt das Gehirn widersprüchliche Informationen von den Sinnesorganen: Das Auge findet in großer Höhe keinen Punkt, an dem es sich orientieren kann, sendet aber pausenlos Informationen ans Hirn. Die so genannten Propriozeptoren in der Halswirbelsäule versuchen diese in der Haltung des Körpers umzusetzen, wodurch er ins Schwanken gerät. Das kann sich so weit steigern, dass der Betroffene regelrecht in Panik verfällt.

Der Angst begegnen

Psychologen raten in diesem Fall zu einer Konfrontationstherapie, in der sich der Patient in die Angst einflößende Situation begibt. Entweder in langsam ansteigender Dosierung (systematische Desensibilisierung) oder in radikaler Form. Ist dann ein Patient mit Höhenangst etwa auf dem Fernsehturm, direkt vor der bodentiefen Fensterscheibe, werden natürlich Stresshormone ausgeschüttet. Das schafft der Körper allerdings höchstens über einige Stunden. Hält der Patient diese Zeit an dem ihm Angst einflößenden Ort durch, schafft er es zuletzt, ganz entspannt nach unten zu schauen.

Der Sinn des Schwindels

Gewöhnung, Veranlagung oder persönliche Einstellung. All diese Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung des Schwindels. Er macht - als Alarmsignal des Gehirns - evolutions-psychologisch großen Sinn. Wer Respekt vor großen Höhen hat, lebt gemeinhin länger. Die vollkommene “Schwindel-Freiheit”, die in Prospekten von Alpenvereinen oft eingefordert wird, gibt es genaugenommen nicht.

 

Autor/in:

Marion Theisen

Redaktion:

Martin Gent

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