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Die Kleine Anfrage: Warum heißt es Weiberfastnacht, wo man doch sonst von Karneval spricht?
Moderation: Martin Winkelheide
Am Mittwoch, dem 11.11. um 11.11 Uhr ging es offiziell wieder los. Die Karnevalssession wurde im Rheinland eröffnet. Nach diesem einen wilden Tag gibt es Sitzungen zuhauf - bis dann mit Weiberfastnacht die Tage des Straßenkarnevals beginnen.
Fastnacht? Karneval? Warum heißt es Weiberfastnacht, wo man doch sonst von "Karneval" spricht? Das wollte eine Hörerin – natürlich aus dem Rheinland – von der Kleinen Anfrage wissen. Uns ist es ein Vergnügen, die Frage zu beantworten. Die Musik dazu haben wir in diesen Tagen ohnehin zur Hand.
Karnevalsprinz, Karnevalssitzungen, Karnevalszüge mit Karnevalskamelle – klar: Das Rheinland ist Karnevalshochburg. Von „Fastnacht“ will hier anscheinend niemand etwas wissen. Damit möge man doch eher den alemannischen Mummenschanz in den Regionen südlich von Bonn bezeichnen. Aber warum ist es dann am Donnerstag, dem Start in den Straßenkarnevalstrubel anders? Warum heißt es „Weiberfastnacht“ und nicht „Weiberkarneval“?
Letztlich ist alles „Fastelovend“
Bei jedem echten Jeck wird man mit dieser Frage eher Unverständnis ernten. Denn tatsächlich ist der Begriff „Fastnacht“ im rheinischen Karneval geradezu allgegenwärtig, wenn auch nicht in der hochdeutschen, sondern in der mundartlichen Form: „Fastelovend“, also Fastenabend feiert der Rheinländer, wenn er sich ins Gewühl stürzt. Damit wird genauso wie mit der „Fastnacht“ auf den Beginn der vorösterlichen Fastenzeit am Aschermittwoch verwiesen. Inhaltlich hat „Karneval“ letztlich die gleiche Bedeutung: die „Fleischwegnahme“. In der Mundart ist also die Fastnacht durchaus präsent. Aber dennoch ist die Frage nach dem „Weiberkarneval“ nicht ganz unberechtigt. Denn wenn man einmal die hochdeutschen Bezeichnungen nimmt, dann ist die „Weiberfastnacht“ tatsächlich einer der ganz wenigen begrifflichen Verweise auf die „Fastnacht“. Und das hat auch seinen historischen Grund.
Aufbegehren gegen den Herrenkarneval
1823 wurde der rheinische Karneval in seiner heutigen Form begründet. Den damaligen Brauchtumspflegern passte der edle lateinische Ansatz besser ins Konzept. Man orientierte sich gerne am prunkvollen Glanz der Feste bei Hofe. Noch heute heißen die Tieflader mit den Pappmaché-Figuren im Kölner Rosenmontagszug „Prunkwagen“, ein Begriff der zur alemannischen Mummenschanz-Fastnacht kaum passen würde. Und als Gegenpol zu diesem gepuderten Herrenkarneval begründeten nun die Frauen ihren eigenen Fastelovend: die Weiberfastnacht, am Donnerstag vor den tollen Tagen. Ob es nun die Wäscherinnen in Bonn-Beuel waren oder die Marktfrauen auf dem Kölner Heumarkt, die als erste diese Form der karnevalistischen Emanzipation ausriefen – darüber mögen sich die lokalen Brauchtumshistoriker auseinandersetzen. Aber warum die Frauen nun ihren Tag „Weiberfastnacht“ nannten und nicht „Weiberkarneval“, kann man sich leicht vorstellen: Die Weiber wollten auf den Straßen ordentlich die Puppen tanzen lassen und sich vom Herrenkarneval in den Sälen absetzen, auch begrifflich. Noch heute markiert die Weiberfastnacht den Beginn des sechstägigen wilden Straßen- und Kneipenkarnevals. Sitzungen herrengeprägter Karnevalsvereine kann man auch schon in den Wochen zuvor besuchen.
Bloß nicht an Worten hängen
Aber ob man es nun Karneval, Fastelovend, Fastnacht oder Fasching nennt, ob wilder „Fastelovend op dr Stroß“ oder gesittete Prunksitzung im Saal – kein echter Jeck würde sich da auf große Diskussionen einlassen: Soll doch jeder feiern, wie ihm zumute ist, und es dann so nennen, wie er will. Hauptsach ess, et Hätz es joot, un mer hätt öhndlich Spass ahn dr Freud. In diesem Sinne: Fastelovend zesamme!
Autor/in:
Sascha Ott
Redaktion:
Martin Gent
Die Kleine Anfrage: Warum heißt es Weiberfastnacht, wo man doch sonst von Karneval spricht?






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