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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 11.02.2009, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Modelleisenbahn; Rechte: picture-alliance/dpa

 Service Computer

Service Computer: Digitale Modelleisenbahn

Moderation: Marija Bakker

Längst hat der Computer auch das Kinderzimmer und den Hobbykeller erreicht: Wer heute auf einer Modellbahn-Anlage kleine Züge und Autos durch die liebevoll gestaltete Welt aus Holz und Pappmaché kreisen lässt, der macht das mit Hilfe eines Computers. Dabei werden die Steuerungsmöglichkeiten immer ausgeklügelter – davon konnte man sich in dieser Woche auf der Spielwarenmesse in Nürnberg wieder überzeugen: Die Züge fahren nach echten Fahrplänen und kommunizieren untereinander, welches Gleis gerade frei ist. Das ist für viele Modellbahner nach wie vor faszinierend – und doch klagt die Modellbahn-Branche über zurück gehendes Interesse und sinkende Umsätze.

Modellbahn-Vergangenheit


Eine herkömmliche, „analoge“ Modellbahn funktionierte so: Eine Art Netzteil, der so genannte Transformator, wurde an die Gleise angeschlossen und lieferte den Strom. Je stärker der Drehknopf am Trafo aufgedreht wurde, desto mehr Strom floss in die Gleise und desto schneller fuhr die Lok. Floss kein Strom, blieb die Lok stehen. Das Prinzip war simpel, hatte aber einen entscheidenden Nachteil: Standen zwei oder mehr Loks auf dem selben Gleis, reagierten alle gleich auf die Veränderung der Stromstärke – alle fuhren los oder alle bleiben stehen. Nur mit Hilfe komplizierter Schaltungen und Verdrahtungen war hier überhaupt ein akzeptabler Fahrbetrieb möglich.

Chip in der Lok


Damit aus der guten, alten elektrischen nun eine digitale Modelleisenbahn werden kann, müssen die Loks, Weichen und Signale die Computersprache lernen. Sie müssen lernen, auf Befehle zu reagieren, die von einem Computer kommen. Im Inneren jeder Lokomotive und in der Nähe jeder Weiche wird dazu eine kleine Platine montiert, ein so genannter „Dekoder“. Er vermittelt zwischen dem Steuerungscomputer und dem kleinen Antriebsmotor der Lok oder der Magnetspule, die für die Bewegung der Weiche sorgt. Jeder Dekoder besitzt dazu einen eigenen Namen, unter dem ihn der Computer ansprechen kann – die digitale Adresse. Kommt also vom Computer der Befehl „Dekoder 4, losfahren mit Geschwindigkeitsstufe 10“, dann empfängt der Dekoder diese Botschaft und schaltet den Motor ein: Die Lok setzt sich in Bewegung. Die Befehle empfängt der Lokdekoder durch die Gleise, auf denen die kleinen Züge fahren. Mehrere Loks können deshalb auf dem gleichen Gleis völlig unterschiedliche Aktionen ausführen. Ein Zug kann stehen, ein zweiter ganz langsam, ein dritter Lok ganz schnell fahren. Auf diese Weise können sogar mehrere Modellbahn-Fans gleichzeitig auf einer Anlage ihre Züge fahren lassen.

Computer fährt mit 


Auf einer digitalen Modellbahn-Anlage wird das Geschehen über einen kleinen Computer gesteuert, die so genannte Zentrale. Die ersten Zentralen waren noch recht simpel, inzwischen sind daraus komfortabel bedienbare Mini-Rechner mit berührungsempfindlichen Displays geworden. Der Strom fließt dabei aus der Zentrale in die Gleise und damit in die Lokomotiven. Erstaunlich ist, dass dieser Strom, der gleichzeitig auch die digitalen Botschaften enthält, immer gleich stark ist und bleibt, ganz egal ob die Züge nun schnell oder langsam fahren oder sogar stehen. Die Zentrale schickt auf diese Weise die Befehle, die der Benutzer eingegeben hat, an die einzelnen Loks. Der Dekoder in der Lok empfängt diese Daten-Befehle und steuert entsprechend den Motor der Lok.

PC spielt mit


Ein Modellbahner kann allein eine einzige Lok fahren lassen und mit den Augen verfolgen, mit großer Konzentration können es vielleicht auch zwei sein. Wer jedoch mehrere Züge fahren lassen möchte, wie es auf großen Anlagen üblich ist, der kann das von Hand nicht mehr steuern – Unfälle inmitten der kleinen Welt aus Holz und Gips wären sonst vorprogrammiert. Hier kommt der PC ins Spiel. Er wird über ein Kabel mit der Zentrale verbunden und sagt nun, wo’s langgeht. Dabei kann er eine Vielzahl von Zügen gleichzeitig fahren lassen und weiß auch stets, wo sich welcher Zug gerade befindet. Möglich wird das durch so genannte Rückmelder. An den Gleisen sind hierzu unsichtbare Kontrollpunkte montiert. Das können Lichtschranken, winzige Gleislücken oder auch magnetische Mini-Schalter sein. Fährt ein Zug darüber, wird das registriert. Die Kontrollpunkte sind über Rückmelde-Dekoder unter der Anlage mit der Zentrale verbunden. Und über die Zentrale erfährt der Computer, wo seine Loks gerade sind.

Stellwerk im PC


Damit das reibungslos funktioniert, läuft auf dem PC ein spezielles Modellbahn-Steuerungsprogramm. Auf dem Bildschirm des PC ist hierbei ein Bild der gesamten Modellbahn-Anlage zu sehen, das der Benutzer vorher eingegeben hat. Per Maus wird dann zum Beispiel festgelegt, welche Wege eine bestimmte Lok fahren darf und welche Weichen und Signale dafür geschaltet werden müssen. Auf Mausklick startet schließlich der Fahrbetrieb, der auf Wunsch sogar nach einem eigenen Fahrplan abläuft. Besonders spannend: Es kommt immer wieder zu Zugbegegnungen, die der Benutzer so vorher gar nicht programmiert hat. Die Software arbeitet nämlich automatisch und leitet einen Zug zum Beispiel über eine Alternativ-Strecke, wenn der ursprüngliche Weg durch einen anderen Zug belegt ist. Dabei nehmen moderne Modellbahn-Programme für PCs dem Modellbahner aber nicht alles aus der Hand. Es wäre ja auch zu langweilig, wenn der Mensch nur noch dem munteren Treiben auf seiner Anlage zuschauen und nicht mehr selber „mitfahren“ könnte. So beherrschen mittlerweile fast alle Modellbahn-Programme das Mischen von Automatik- und Handbetrieb. Der PC inszeniert dabei einen interessanten Betrieb, parallel dazu steuert der Modellbahner selber einen einzelnen Zug.

Hersteller machen Appetit


Wer schon eine Modellbahn-Anlage hat, der kann sie nachträglich „digitalisieren“. Die großen Hersteller sowie etliche kleine Spezialfirmen bieten hier das nötige Zubehör an. Wer mit der Modellbahnerei überhaupt erst beginnen will, der kann das mit einer Startpackung tun, welche Modellbahn-Hersteller wie Märklin, Fleischmann, Lehmann, Pico, Trix oder Roco zu Preisen zwischen 150 und 500 Euro anbieten. Im Karton befinden sich dann meist eine oder zwei Loks, schon fertig mit Dekodern ausgestattet, die nötigen Gleise und natürlich die Zentrale. Wer den Einstieg flexibler gestalten will, der kann die Schienen und Züge aber auch einzeln von den Modellbahn-Herstellern kaufen und sie selber mit Dekodern und der Zentrale von kleineren Spezial-Herstellern ergänzen.

Modellbahn - ein aussterbendes Hobby?


Obwohl die Beschäftigung mit der digitalen Modelleisenbahn viel Freude machen kann, klagt die Branche in den vergangenen Jahren über sinkende Umsätze. Erst kürzlich musste der einstige Branchenprimus – „Märklin“ – Insolvenz anmelden. Den Sprung ins digitale Zeitalter hat das einst angestaubte Hobby geschafft, der Konkurrenz von Spielekonsolen, Computerspielen und Internet-Netzwerken scheint die Modelleisenbahn aber nicht gewachsen zu sein. Bleibt zu hoffen, dass die verbleibenden Hersteller einen Weg finden, durch noch einfachere Systeme und standardisierte Technik auch verstärkt jüngere Hobby-Lokführer zu interessieren.

Autor/in:

Gespräch mit Michael Stein

Redaktion:

Joachim Hecker

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