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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 10.12.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Absolventen einer Universität nehmen an der Graduiertenfeier teil; Rechte: ddp

 Studium geschafft - Was nun?

Service Bildung: Promovieren nach dem Studium

Was Studenten im Hinblick auf den Doktortitel beachten sollten

Moderation: Martin Winkelheide

Angela Merkel hat einen, genauso Alfred Biolek, aber auch der Papst oder der Bankmanager Josef Ackermann – einen Doktortitel. Der Titel selbst ist kurz, aber der Weg dorthin ist lang. Rund 25.000 Akademiker sind ihn im Jahr 2008 erfolgreich gegangen – dies ist die aktuellste Zahl – und haben ihre Promotion abgeschlossen. Aber wer seinen Doktor machen will, muss einige Voraussetzungen mitbringen. Vor allem die Frage nach der Finanzierung ist oft eine größere Hürde als gedacht.

Promovieren ist kein Muss
Der Student sollte sich bewusst dafür entscheiden – zum Beispiel, wenn er Spaß an wissenschaftlichem Arbeiten hat, sich eine wissenschaftliche Karriere vorstellen kann oder ein spannendes Thema hat, über das er schreiben möchte. Wichtig ist außerdem die Bereitschaft, sich mehrere Jahre mit einem bestimmten Thema zu befassen und dafür viel Zeit zu opfern. Manche Studenten merken schon sehr früh, dass sie diese Voraussetzungen erfüllen – und haben dann den Vorteil, dass sie schon im Bachelor- oder Masterstudium auf den Doktorhut hinarbeiten können. 

Im Studium auf die Promotion hinarbeiten
Dr. Jutta Wergen, Promotionsexpertin an der Uni Duisburg-Essen, empfiehlt Studenten, die sich für ein Thema besonders interessieren, schon frühzeitig mit Betreuern in Kontakt zu treten. Denn wer im Studium sein späteres Promotionsthema angemessen vorbereitet, kann die Promotionszeit von mindestens drei Jahren unter Umständen verkürzen. Um erste Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb zu bekommen, lohnt sich eine Stelle als Studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl. So kann man herausfinden, ob einem das Arbeiten an der Universität liegt.

Wie finde ich „meinen“ Betreuer?
Manchmal geht der Betreuer direkt auf den Studenten zu, spricht ihn an, wenn er sich schon in Lehrveranstaltungen hervorgetan hat. Man kann aber Professoren auch selbst nach einer Betreuung fragen. Ansonsten kann man sich auch eine Universität suchen, an der Professoren zum Themenfeld forschen, das Bestandteil der Doktorarbeit sein soll. Dr. Jutta Wergen sieht keinen Nachteil darin, die Universität für die Promotion zu wechseln, da man nicht jeden Tag anwesend sein muss wie im Studium. Eine kurze Ideenskizze für sein Thema sollte der angehende Doktorand bei der Suche nach einem Betreuer in jedem Fall haben.

Wie wichtig sind gute Noten für eine Promotion?
Das kommt auf die Promotionsordnung der entsprechenden Fakultät an, an der man promovieren will. Darin steht in der Regel, ob es einen bestimmten Notendurchschnitt braucht. Dr. Jutta Wergen nennt folgendes Beispiel: In den Gesellschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen liegt der Mindestdurchschnitt bei 2,0 – Ausnahmen bei schlechteren Noten sind aber – wenn der Betreuer vom Doktoranden überzeugt ist – durchaus möglich.

Wie finanziert man die Promotion?
Das ist neben der Suche nach einem geeigneten Thema oft die größte Hürde auf dem Weg zur Promotion und sollte auf jeden Fall sorgfältig bedacht werden.

Möglichkeit 1: Arbeiten als wissenschaftlicher MitarbeiterDer Doktorand bleibt also an der Universität und arbeitet in einem Projekt, an einem Lehrstuhl oder auf einer Koordinationsstelle – das heißt, der „WiMi“ koordiniert Lehre, Forschung und Weiterbildung mit.

Möglichkeit 2: Stipendium beantragen
Doktorandenstipendien werden von Organisationen und Stiftungen vergeben. Dauer und Höhe der Förderung sind unterschiedlich, die Voraussetzungen oft sehr speziell.
Neben diesen beiden Möglichkeiten gibt es auch Promovierende, die Teilzeit berufstätig sind oder weiterhin von ihren Eltern subventioniert werden.

Unterschiede in der Promotion
Unterschieden werden muss zwischen der Promotion in Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften einerseits sowie den Ingenieur- und Naturwissenschaften andererseits. Während es in der erstgenannten Fächergruppe eher üblich ist, sich selbst ein Thema zu suchen, bekommt man in der letzteren in der Regel ein Thema gestellt. Eine Promotion in Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften kann schon mal etwas länger dauern. Grund dafür ist, dass Promovierende in diesen Fächern oft allein arbeiten und gerade bei „exotischeren“ Themen der Austausch mit anderen fehlt. In den Naturwissenschaften wird häufig Projekt bezogen in einer Gruppe promoviert und durch den Austausch untereinander erfolgt die Promotion häufig schneller.

Individuelle versus strukturierte Promotion
Die klassische Variante ist die individuelle Promotion. Der Doktorand forscht für sich allein und hat auch nur einen, maximal zwei Betreuer, die ihn begleiten. Im Gegensatz dazu steht die strukturierte Promotion, die heutzutage häufiger vorkommt. Es gibt sehr stark strukturierte Programme, wie z. B. die an Graduiertenkollegs: Hier erwartet den Promovierenden ein Weiterbildungsprogramm und ein Betreuungsteam kümmert sich um ihn. Im Vordergrund steht die Idee eines Netzwerks – der Austausch mit anderen Doktoranden ist sehr wichtig. Der Gedanke der strukturierten Promotion setzt sich aber auch an immer mehr Universitäten durch.

Hat die Promotion Auswirkungen auf mein Privatleben?
Das kann sein. Wer promoviert, hat keinen Feierabend, denkt immer an die Arbeit und kriegt schnell ein schlechtes Gewissen, wenn er nicht an der Dissertation sitzt und stattdessen mit Freunden feiern geht. Möglicherweise haben Freunde und Kollegen auch Schwierigkeiten zu verstehen, dass eine Promotion Zeit braucht.

Autor/in:

Tobias Jobke

Redaktion:

Angelika Böhrke

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