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Service Ernährung: Fischkauf mit Latinum
Fische müssen jetzt auch lateinische Namen tragen - welche kann man kaufen?
Moderation: Andreas Lange
Ob Rotbarsch, Scholle oder Kabeljau, viele Fischarten sind inzwischen in ihrem Bestand bedroht. Die großen Fangflotten räumen weltweit die Ozeane leer. Über 80 Prozent der Meeresfische gelten als überfischt. Bei vielen Verbrauchern ist die Verunsicherung groß. Welcher Fisch darf denn jetzt noch auf den Teller? Wer hier bewusst einkaufen will, für den gibt es inzwischen Hilfe. Kritische Einkaufsratgeber und Güte-Siegel können im Supermarkt und im Fischladen bei der Orientierung helfen. Seit Anfang des Jahres gelten außerdem noch strengere Kennzeichnungsvorschriften beim Fischverkauf.
Neue Kennzeichnungsvorschrift
Seit Anfang des Jahres ist europaweit die Kennzeichnung von Fischen und Fischprodukten strenger geregelt. Die Waren müssen nicht mehr nur mit dem Fanggebiet sondern sowohl mit dem deutschen, als auch mit dem lateinischen Namen ausgezeichnet werden. Diese Information ist in Fischläden entweder direkt auf dem Schild in der Theke oder als Poster an der Wand möglich.
Verbraucherschützer sind skeptisch
Von Verbraucherschützern wird diese Neuregelung zwiespältig beurteilt. Sie befürchten, dass eine zu große Informationsflut beim Fischeinkauf auf den Verbraucher eher verwirrend wirkt. Lateinische Namen sind nur in einigen speziellen Fällen sinnvoll. So gibt es zum Beispiel immer wieder Schummeleien beim Verkauf von Scampi. Diese Meerestiere stammen aus der Familie der Hummer. Oft werden einfache Garnelen als Scampi verkauft. Garnelen sind Krebstiere und haben völlig andere lateinischen Namen.
Einkaufsratgeber als Orientierung
Die Einkaufsratgeber der Umweltorganisationen Greenpeace und WWF listen die Hauptfischsorten auf und bewerten den Zustand der Bestände je nach Fanggebiete. Der Einkaufsratgeber von Greenpeace hält nur fünf Fischsorten für grundsätzlich vertretbar (Karpfen, Forelle, Hering, Makrele, Zander) - damit ist Greenpeace deutlich strenger als der WWF. Im Einkaufsratgeber des WWF gelten immerhin 10 Fischsorten als gute Wahl (z. B. auch Kabeljau je nach Fangebiet oder Seelachs). Außerdem ist das Bewertungssystem differenzierter als bei Greenpeace. Im Ratgeber des WWF gibt es eine Abstufung nicht nur in zwei Farben, sondern in den Farben grün, gelb, rot. Der Verbraucher hat mit diesem System mehr Wahlmöglichkeiten. Grundsätzlich muss man aber bei fast jedem Fischeinkauf auf das Fanggebiet achten. Eine Fischsorte kann in einer Meeresregion bedroht sein, in der anderen nicht. Das macht das Ganze leider etwas kompliziert. Die Einkaufsratgeber gibt es kostenlos als Leporello im Kleinformat für den Geldbeutel und als App fürs Handy.
Das MSC Siegel
Das „Marine Stewardship Council“ (MSC) vergibt seit 2000 als unabhängige Umweltorganisation ein Siegel für Fischereien, die nachhaltig arbeiten. Mitbegründet wurde die Organisation vom WWF. Fischereien, die ihre Produkte mit dem MSC-Siegel vermarkten wollen, werden von unabhängigen Gutachtern umfassend überprüft. Es dürfen keine bedrohten Bestände abgefischt werden. Die Fangmethoden müssen umweltverträglich sein und der Beifang muss so gering wie möglich gehalten werden. Viele Tiefkühlprodukte in Supermärkten und Discountern tragen inzwischen das MSC Signet. Das Siegel ist blau mit einem stilisierten Fisch. Verbraucher sollten beim Kauf unbedingt auf dieses Siegel achten. MSC zertifizierter Fisch ist inzwischen kaum noch teurer als konventionell gefangener Fisch. MSC-Siegel gibt es auch für frischen Fisch. Händler, die diese Produkte anbieten wollen, werden ebenfalls regelmäßig kontrolliert. Fast die Hälfte aller Meeresfische auf dem deutschen Markt haben inzwischen ein MSC-Siegel - damit ist Deutschland weltweit Spitzenreiter
Ist Zuchtfisch aus der Aquakultur eine Alternative?
Zuchtfische aus konventionellen Aquakulturen werden meist sehr umweltschädlich produziert. Es handelt sich hier um Massentierhaltung unter Wasser. Häufig werden Antibiotika eingesetzt, die Umwelt wird mit belasteten Abwässern verseucht. Der beliebte Pangasius aus asiatischen Aquakulturen ist hier zurzeit besonders in der Kritik.
Ein weiteres Problem in der konventionellen Aquakultur ist das Futter. Das besteht meist auch aus Fisch. So braucht man zum Beispiel für ein Kilo Zuchtlachs etwa vier Kilo Fischeiweiß. Umweltverbände und Verbraucherschützer empfehlen Zuchtfische und Schalentiere deshalb nur aus Bio-Aquakulturen zu kaufen. Hier werden weniger Tiere in den Zuchtbecken gehalten, Antibiotika sind verboten und es gibt strenge Umweltschutzauflagen. Fisch muss frisch sein
Wer frischen Fisch beim Händler kauft, sollte darauf achten, dass die Tiere mit einer klaren Schleimschicht überzogen sind. Die Augen müssen prall sein und die Linsen gewölbt. Hellrote Kiemen sind ebenfalls ein Zeichen für optimale Frische. Außerdem darf Fisch nicht unangenehm „fischig“ riechen. Die Ware sollte in der Auslage gut mit Eis bedeckt sein.
Autor/in:
Gespräch mit Sigrid Müller, Fachjournalistin
Redaktion:
Ruth Schulz





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