Donnerstag, 23.05.2013

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 09.10.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Tastatur und Computermaus; Rechte: dpa

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Service Computer: Rechnen für die Forschung

Moderation: Franz-Josef Hansel

Selbst ein einfacher Büro-Computer oder ein herkömmliches Notebook hat mittlerweile mehr Leistung als man eigentlich braucht. Briefe schreiben, im Internet surfen oder Fotos bearbeiten – mit all dem kommt ein moderner Rechner meistens noch lange nicht an seine Grenzen. Jede Menge Kapazität liegt also jeden Tag ungenutzt brach. Das gilt erst recht für die Zeit, in der der Computer zwar eingeschaltet ist, aber nicht benutzt wird. Diese freie Rechenleistung kann man Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen.

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Das Abgeben von Rechenleistung geschieht über das Internet. Ein Computer, der mit dem Internet verbunden ist, wird auf diese Art Teil eines großen Netzwerkes, das eine Art Super-Computer bildet. „Verteiltes Rechnen“ nennt man diese Technik. Auf dem eigenen Computer wird dabei ein Programm (z. B. BOINC, siehe unten) installiert, das im Hintergrund läuft und die Nutzung der Rechenleistung steuert. Innerhalb dieses Programmes kann man auch das oder die Projekte auswählen, denen man gerne seine ungenutzte Rechenleistung zur Verfügung stellen will. Innerhalb der Software kann man auch einstellen, wann die Rechenleistung zur Verfügung steht und wie viel Prozent der Computerleistung und wie viel Festplatten-Platz dem Projekt zur Verfügung gestellt werden darf. Alles andere geschieht automatisch.

Datenpäckchen

Im Idealfall merkt man gar nicht, dass der eigene Computer im Hintergrund wissenschaftliche Berechnungen durchführt. Der Rechner steht mit einem Server in Kontakt, von dem er Datenpäckchen bekommt, die er auswerten soll. Die Ergebnisse der Berechnungen werden ebenfalls über das Netz zurück geschickt. Um am verteilten Rechnen teilzunehmen, sollte man also unbedingt eine DSL-Internet-Verbindung und eine Daten-Flatrate haben. Die eigentlichen Datenmengen, die da hin- und hergeschickt werden, sind allerdings sehr gering.

Ist da wer?

Das bekannteste Projekt seiner Art ist «seti@home». Mit Hilfe der mittlerweile durchschnittlich 250.000 aktiven Computer suchen Wissenschaftler nach intelligentem Leben im Weltraum. Dazu horcht ein Radioteleskop ins All hinein und durchsucht die Funkfrequenzen nach Signalen, die möglicherweise von außerirdischen Lebewesen stammen könnten. Nur durch das Zusammenschalten von vielen Computern ist es möglich, die empfangenen Signale zu kontrollieren und auszuwerten. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Projekt «einstein@home». Hier wird nach Signalen gesucht, die so genannte Pulsare ausstrahlen: Diese rotierenden Sterne strahlen Signale aus, die von Radioteleskopen aufgefangen und über die angeschlossenen Computer überall auf der Welt ausgewertet werden können.

Mit dem PC gegen Malaria

Auch im Bereich der Medizin kommt verteiltes Rechnen zum Einsatz. So nutzt das Projekt «fightmalaria@home» die Kraft zahlreicher Computer, um Medikamente gegen Malaria zu entwickeln. Der Malaria-Erreger, der durch eine weibliche Stechmücke übertragen wird, entwickelt sich ständig weiter. Die Forschung ist also gezwungen, die Medikamente ständig anzupassen, weil schon nach einiger Zeit existierende Arzneimittel gegen die Krankheit nicht mehr wirken. So wird mit Computerhilfe simuliert, wie ein bestimmtes Mittel gegen den Erreger wirkt. Weitere Projekte sind solche aus den Bereichen der Mathematik oder auch der Klimaforschung. Überall dort, wo große Datenmengen anfallen und ausgewertet werden müssen, eignet sich Verteiltes Rechnen besonders gut.

Verteilte Sicherheit

Man muss durch die Teilnahme an Projekten des Verteilten Rechnens nicht befürchten, dass der eigene Computer angegriffen oder unsicher wird. Die eigenen Daten werden von der installierten Software nicht berührt. Die Auswertungssoftware läuft im Hintergrund – im Idealfall merkt man nichts davon. Man sollte allerdings vor der Teilnahme an einem solchen Projekt im Netz ein wenig recherchieren, ob es sich tatsächlich um eine „echte“ wissenschaftliche Aufgabe handelt. Die bekannteste Software BOINC kommt von der Universität Berkeley in Kalifornien. Die großen Projekte «set@home» und «einstein@home» verwenden - wie viele andere - dieses Programm. Bei diesen Projekten kann man sicher sein, dass der eigene Rechner nicht missbraucht wird, sondern bei einem sinnvollen wissenschaftlichen Projekt hilft.

Reich und berühmt

Geld verdienen kann man mit der Teilnahme an den allermeisten Projekten dieser Art nicht. Aber: Man stellt seine ungenutzte Rechenleistung einem sinnvollen Projekt zur Verfügung. Man kann frei auswählen, an welcher Art von wissenschaftlicher Forschung man mitarbeiten will und lernt auf diese Weise so einiges über die jeweilige Wissenschaftsdisziplin. Bei vielen Projekten werden zudem Punkte für die Teilnahme vergeben und Gewinnerlisten geführt, so dass das Mitmachen auch noch Spaß machen kann.

Autor/in:

Gespräch mit Michael Stein, Technik-Journalist

Redaktion:

Joachim Hecker

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