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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 08.03.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Junger Arzt übt Patientengespräch; Rechte: picture alliance /Bildagentur Online

 Ãœben für den Ernstfall

Service Bildung: Rollenspiele für Medizinstudenten

An der Uni Bonn lernen angehende Ärzte, wie sie mit schwerkranken Menschen umgehen

Moderation: Martin Winkelheide

Es ist für Mediziner nie leicht, mit Patienten umzugehen, die an einer schweren Krankheit leiden. Noch schwieriger wird es, wenn es für diese Menschen keine Hoffnung mehr gibt und sie darauf vorbereitet werden müssen, dass sie wohl in den nächsten Wochen oder Monaten sterben werden.
In einem Seminar am Universitätsklinikum Bonn lernen angehende Mediziner, wie sie schwer kranken Patienten begegnen können. Schauspieler helfen ihnen dabei.

Warum arbeitet die Universität mit Schauspielern zusammen?

In der Palliativmedizin geht es um die Behandlung von schwerkranken Menschen, die nicht mehr mit Medikamenten geheilt werden können. Die Ärzte kümmern sich darum, die Schmerzen dieser Patienten zu lindern und sie psychologisch zu betreuen. Für viele Ärzte ist das keine leichte Situation – denn sie wissen, dass es für die Patienten keine Hoffnung mehr gibt. In Gesprächen mit Schauspielern lernen die angehenden Mediziner deshalb, wie sie einfühlsam mit dieser Situation umgehen können.

Welchen Raum nimmt dieser Bereich im Medizinstudium ein?

Leider nur einen kleinen, das medizinische Wissen steht im Studium weiterhin im Vordergrund. Viele Dozenten sind sich trotzdem sicher, dass wenige Wochen ausreichen können, um die angehenden Mediziner für diese schwierige Situation zu sensibilisieren, so dass sie im Ernstfall schon eine Vorstellung davon haben, wie sie die Patienten unterstützen können.

Wie gehen die Studenten mit diesem Thema um?

An kaum einem Patienten geht ein solches Gespräch spurlos vorbei – auch wenn es sich um fiktive Fälle handelt. Viele Studenten beschreiben, dass sie während des Gesprächs vergessen haben, dass sie mit einem Schauspieler sprechen und emotional sehr berührt waren. Viele sehen diese Rollenspiele deshalb als wertvolle Erfahrung, die ihnen später im Beruf hilft.

Wo kommen die Schauspieler her?

Meistens handelt es sich um Laienschauspieler aus studentischen Theatergruppen oder Seniorentheatern. An den Szenen am Universitätsklinikum Bonn nimmt zum Beispiel ein Ehepaar teil, das seit 25 Jahren Statistenrollen an der Oper übernimmt. Die Schauspieler bereiten sich zu Hause auf ihre Rollen vor, um möglichst authentisch zu wirken. Im Vorfeld finden auch Proben statt.

Wird in allen Medizinstudiengängen mit Schauspielern gearbeitet?

In England oder in den USA hat diese Praxis eine lange Tradition. Die deutschen Universitäten holen erst allmählich auf. Inzwischen ist es aber gar nicht mehr so selten, dass Schauspieler engagiert werden, damit angehende Ärzte in ihren Kommunikationsfähigkeiten geschult werden. Viele Universitäten haben sich inzwischen für diese Methode entschieden, darunter Hamburg, Köln oder Heidelberg.

Autor/in:

Britta Mersch

Redaktion:

Angelika Böhrke

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