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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 06.06.2011, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Frau mit unreiner Haut; Rechte: WDR/mauritius images

 Service Gesundheit

Service Gesundheit: Rosazea

Rätselhafte Hauterkrankung

Moderation: Marija Bakker

Sie ist nicht schmerzhaft, sie ist nicht gefährlich – trotzdem verursacht sie großes Leid. „Rosazea ist eine Schamerkrankung“, sagt Professor Percy Lehmann, Fachmann für die Hauterkrankung an den Helios-Kliniken in Wuppertal. Und sie ist eine der häufigsten Hauterkrankung bei Erwachsenen. Schätzungsweise vier Millionen Deutsche sind betroffen – viele, ohne es zu wissen.

Die Symptome

Denn Rosazea zeigt sich meistens im Gesicht, an Stirn, Nase, Kinn und Wangen. Die Betroffenen bekommen dort wiederkehrend einen so genannten Flush - einschießende, übersteigerte Gesichtsröte, die bis zu 30 Minuten anhalten kann. Auslöser dafür können emotionaler Stress oder auch Temperaturwechsel sein, hochprozentiger Alkohol oder scharf gewürzte Speisen. Das Gesicht brennt unangenehm. Die Scham über die einschießende Röte verstärkt die Symptome – ein Teufelskreis. Manchmal schreitet die Krankheit im Laufe der Zeit weiter fort - aber nicht bei jedem. Den Verlauf einer Rosazea vorherzusagen, ist schwierig. Im nächsten Stadium bekommen die Betroffenen zusätzlich Knötchen und Pusteln im Gesicht, einer Akne ähnlich. Lange Zeit wurde die Rosazea deswegen auch „Erwachsenenakne“ genannt. Im dritten Stadium wuchert die Haut, genauer gesagt Bindegewebe und Talgdrüsen. An Wangen, Kinn, Ohren und am häufigsten an der Nase bilden sich Hautfetzen. Im schlimmsten Fall bekommen Rosazea-Patienten eine typische Knollnase, die von Außenstehenden oft als Säufernase fehl gedeutet wird. Nicht immer nimmt die Erkrankung aber diesen schweren Verlauf.

Die Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer Rosazea liegen noch weitgehend im Dunkeln. Heute weiß man, dass sie im Erwachsenenalter auftritt (meist zwischen 30 und 40) und eine erbliche Komponente hat: Das angeborene Immunsystem zeigt eine Fehlregulation. Sie betrifft die kleinen Blutgefäße, hauptsächlich im Gesicht. Sie öffnen sich schnell, ziehen sich aber nicht wieder zusammen – anders als bei Gesunden. Durch die wiederkehrenden Anfälle von Dauerröte kommt es zu Entzündungen und dadurch schließlich zu den beschriebenen Pusteln und Hautwucherungen. Betroffen ist häufig der keltische Typ: Rothaarige, hellhäutige und lichtempfindliche Menschen mit blauen Augen. Deswegen wird die Krankheit im Volksmund auch „Fluch der Kelten“ genannt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Männer dagegen neigen eher zu starken Krankheitsverläufen mit Ausbildung einer Knollennase. Die Diagnose stellt der Arzt, indem er eine Hautprobe untersucht.

Die Behandlung

Es gibt einige Möglichkeiten, Rosazea zu behandeln. Die Therapie ist allerdings mühsam und erfordert sowohl vom Arzt, als auch vom Patienten Geduld. Denn es steht zwar eine Palette an Medikamenten und Salben zur Verfügung, aber nicht jedes Mittel hilft jedem. Die Therapie muss individuell gut angepasst werden. Gegen das erste Krankheitsstadium, die einschießende Gesichtsröte (Flush) lässt sich allerdings wenig tun. Betroffenen wird geraten, bestimmte Reize (Triggerfaktoren) zu vermeiden: scharfes Essen, Kaffee, Alkohol, starke Temperaturwechsel, UV-Strahlung, Stress – was aber im Alltag nicht leicht durchzuhalten ist. Die Haut sollte mit seifenfreien Kosmetika gereinigt werden.

Die zweite Stufe – die Ausbildung von Knötchen und Pusteln – ist dagegen gut behandelbar: Leichte Formen mit anti-entzündlichen Salben, schwerere Formen mit Tabletten. Dazu gehören Vitamin-A-Abkömmlinge. Sie belasten allerdings Leber und Niere. Eine Alternative sind Antibiotika. Seit zwei Jahren ist ein neues Antibiotikum auf dem Markt, das nebenwirkungsärmer als die bisherigen ist, weil es sehr niedrig dosiert werden kann. So schädigt es die Darmflora nicht und führt nicht zu Antibiotika-Resistenzen.

Bei Resistenz reagiert der Körper auf bestimmte Antibiotika nicht mehr. Alternativ kann der Hautarzt auch Laser- und Lichttherapie verordnen. Damit lassen sich Hautrötungen abmildern. Die Behandlung ist allerdings rein kosmetisch, denn sie behebt nicht die Entzündungen in der Haut.
Meistens ist es nicht nötig, die Behandlung mit Salben und Medikamenten dauerhaft durchzuführen. „Nach drei Monaten setzen wir die Therapie allmählich ab“, sagt Percy Lehmann. Oft bleiben die Patienten danach beschwerdefrei (bis auf den wiederkehrenden Flush). Falls die Erkrankung erneut auftritt, sollte die Therapie rasch wieder aufgenommen werden. „Die Patienten wissen dann aber, dass sie eine behandelbare Hautkrankheit haben und was zu tun ist.“ Auch die Anfälle einschießender Gesichtsröte würden dann nicht mehr als so schlimm empfunden, was diese wiederum abmindere.

In der dritten Stufe, bei Hautwucherungen mit Ausbildung einer Knollnase, leiden die Patienten am meisten. Sie fühlen sich stigmatisiert. In diesen Fällen bieten Kliniken den Patienten manchmal auch eine zusätzliche psychologische Betreuung an. Aber auch gegen die Knollnase lässt sich etwas tun. Hier hilft allerdings nur noch eine Operation. Unter Vollnarkose wird die überschüssige Haut abgetragen. Danach muss der Patient einige Tage im Krankenhaus bleiben.

Nicht heilbar, aber zu behandeln

Insgesamt bleibt Rosazea eine rätselhafte Erkrankung. Warum sie plötzlich auftaucht und wie sie sich im Einzelfall entwickelt – darüber können Hautexperten bis heute wenig sagen. Rosazea ist nicht heilbar. „Aber wenn die Patienten erfahren, dass ihre Krankheit einen Namen hat und zumindest behandelbar ist, ist das für viele schon eine große Entlastung“, sagt Percy Lehmann.

Autor/in:

Sigrun Damas

Redaktion:

Monika Kunze

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