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Service Sachbuch: Das Sterben lernen
Warum wir die Palliativmedizin brauchen
Moderation: Marija Bakker
Abschied braucht Zeit – Palliativmedizin und Ethik des Sterbens Autor: H. Christof Müller-Busch Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Berlin 2012 ISBN 978-3-518-46368-0, 295 Seiten, 10 Euro
Auf die Frage, wie sie sterben möchten, antworten die meisten: plötzlich, überraschend, ohne etwas davon zu spüren. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus: 10 bis 20 Prozent aller Todkranken sterben an zahlreiche Maschinen angeschlossen auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Andere werden in Pflegeheimen bis zum Ende zwangsernährt. Ein Tod, den sich wohl keiner wünscht und doch ein Tod, wie er immer häufiger vorkommt, denn die medizinisch-technischen Mittel, den Körper eines Menschen, seine Organe am Leben zu erhalten, haben sich in den letzten Jahrzehnten extrem verbessert. Die Intensivmedizin achtet viel zu selten das Recht des Patienten auf ein würdevolles Sterben. Diesen Vorwurf macht ihr Christof Müller-Busch, der jahrzehntelang als Palliativmediziner Sterbende begleitet hat.
Gegen Zwangsernährung
Der Mediziner hat keinerlei Verständnis dafür, dass in Deutschland immer noch viele Kranke und Pflegebedürftige, die nicht mehr essen und trinken wollen, eine Magensonde bekommen. Das quält die Menschen und verlängert, wie Studien gezeigt haben, keineswegs das Leben. Christof Müller-Busch lehnt jegliche Sterbehilfe durch den Arzt ab. Er schreibt: ‚Im moralischen Selbstverständnis des Arztes hat das Töten keinen Platz‘. Er ist überzeugt davon, dass in den meisten Fällen, in denen Todgeweihte den Suizid wählen, sie dies aus Angst vor einem qualvollen Sterben tun. Das aber, so seine Überzeugung, kann mithilfe eben der Palliativmedizin verhindert werden. Sie erlaubt ein relativ friedliches Sterben, kann Schmerzen, Erstickungsgefühle, Depressionen unter anderem durch ausreichende Schmerzmittel, Antidepressiva, Sauerstoffversorgung weitgehend lindern.
Das Sterben anzunehmen
Entscheidend ist es nach Ansicht des Autors, den Patienten auf das Sterben vorzubereiten und ihm dabei helfen, das Sterben anzunehmen. Dann hat er die Chance, seine letzte Zeit sinnvoll zu nutzen. Er soll sein Leben auch ganz am Ende wieder in die eigene Hand nehmen können. Dazugehört auch Respekt vor dem Schamgefühl. Wer inkontinent ist, sich nicht mehr waschen kann, gefüttert werden muss, dem ist dies oftmals sehr peinlich. Er schämt sich oft dafür, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Hier erwartet Christof Müller-Busch mehr Einfühlungsvermögen. Der Palliativmediziner versucht alle diese Fragen möglichst verständlich zu behandeln, verfällt aber bisweilen in Fachbegriffe, die nicht jedem geläufig sind. Er zitiert gerne die Ansichten zum Sterben von Philosophen wie Schopenhauer, Kierkegaard oder Kant. Es sind besonders die persönlichen Erfahrungsberichte des Autors über Gespräche mit Sterbenden und Angehörigen, die einen beim Lesen zum Nachdenken bringen.
Autor/in:
Johannes Kaiser
Redaktion:
Anne Preger




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