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Service Sachbuch: Feuer fangen
Wie uns das Kochen zum Menschen machte Von Richard Wrangham
Moderation: Martin Winkelheide
Deutsche Verlags-Anstalt, München
2009 978-3-421-04399-3
EUR 22,95
Wie der Übergang vom Tier zum Menschen ausgesehen hat, darüber gibt es trotz aller Forschung noch keine abschließenden Antworten. Dass dabei Feuer und damit die Fähigkeit, Nahrung zu kochen, eine wichtige Rolle spielte, ist seit langem bekannt. Feuer bot Schutz vor wilden Tieren, Feuer wärmte in den kalten eiszeitlichen Regionen, mit und auf dem Feuer zubereitete Nahrung war gesünder, weil nahrhafter und weitgehend befreit von Krankheitskeimen und Parasiten. Die entscheidende Frage lautet dabei: Ab wann haben Menschen das Feuer genutzt?
Wesentlich früher als angenommen, sagt der US-amerikanische Anthropologe Richard Wrangham. Vor rund zwei Millionen Jahren, so seine „Kochhypothese“, beim Übergang vom Habilinen zum aufrecht gehenden Menschen, zum Homo erectus, sind die Anfänge zu suchen. In dieser Zeit veränderte sich die körperliche Gestalt der Spezies Mensch, Verdauungstrakt und Gebiss schrumpften und das Gehirn wuchs. Gleichzeitig förderte Kochen das Zusammenleben von Menschen, ihre Arbeitsteilung nahm zu und Zeit sparten sie auch noch. Im Vergleich zu einem heutigen Schimpansen kauen Menschen pro Tag vier Stunden weniger. Zeit, die für soziale Kontakte, für die Anfertigung von Werkzeugen und für die Entwicklung von Sprache und Kultur frei wird.
Kochen, sagt Wrangham, sei der entscheidende Motor menschlicher Evolution, weit bedeutender, als ihn Wissenschaftler wie Charles Darwin und der kürzlich verstorbene französische Kulturanthropologe Claude Lévi-Strauss einschätzten. Vor allem für Lévi-Strauss standen psychologische Gründe für das Kochen im Mittelpunkt: Menschen müssen ihre Nahrung nicht kochen, sie tun es, um zu zeigen, dass sie Menschen sind und keine Tiere.
Auf 300 Seiten erläutert Wrangham die Unterschiede zwischen Rohkost und gekochter Nahrung, die jeweiligen biologischen und sozialen Folgen und wann unsere Vorfahren wahrscheinlich das erste Mal kochten. Das Buch ist voller Details und Querverweise, lässt sich aber trotzdem gut lesen. Und macht auch nicht Halt vor uns modernen Köchen, die wir es gewohnt sind, viele Kalorien in kurzer Zeit zu uns zu nehmen. Übergewicht ist eine Geißel der wunderbaren Fähigkeit zu kochen! „Wir müssen“, rät Wrangham, „Mittel und Wege finden, unsere ererbte Abhängigkeit von gegarter Nahrung gesünder zu gestalten.“
Autor/in:
Mirko Smiljanic
Redaktion:
Klaus-Dieter Oetzel





![Bild: Pfanne mit Atom; Rechte: interfoto/mauritius images/WDR[m]](/fileadmin/user_upload/Sendungen/Leonardo/2012/Kuechenexperimente/Foto/KETeaserLogo_160x70.jpg)






