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Die Kleine Anfrage: Wie konnten die alten Griechen den Erdumfang abschätzen?
Moderation: Martin Winkelheide
Dass die Erde eine Kugel ist, wussten schon die alten Griechen. Aber welchen Umfang diese Kugel hat – das blieb ihnen lange Zeit verborgen. Bis vor etwa 2300 Jahren. Damals berechnete der griechische Gelehrte Eratosthenes von Kyrene den Umfang der Erde. Das konnte er nur, weil er sehr viel wusste und sich mit verschiedenen Wissenschaften beschäftigte.
Studium der Wissenschaften
In einer Zeit, in der es noch keine gebundenen Bücher gab und in der noch auf Papyrusrollen geschrieben wurde, leitete Eratosthenes die Bibliothek von Alexandria. Er sammelte und ordnete die Schriften in der bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliothek der Antike - und beschäftigte sich unter anderem mit Mathematik, Geschichte, Astronomie und Philosophie.
Genaue Beobachtung
Heute gilt Eratosthenes vor allem als Gründer der wissenschaftlichen Geographie. Denn es gelang ihm, den Erdumfang zu messen. Und das ging so: Eratosthenes beobachtete, dass im nordägyptischen Alexandria eine Säule einen Schatten warf – sogar mittags am Tag der Sonnenwende, wenn die Sonne fast senkrecht steht. In der südägyptischen Stadt Syrene dagegen fiel im selben Moment kein Schatten.
Messung mit einer Art Sonnenuhr
Diesen Unterschied nutzte Eratosthenes. Er installierte in beiden Städten ein einfaches Messgerät, eine Art Sonnenuhr, mit der er die Schattenlänge und so den Sonnenstand bestimmen konnte. Und er stellte fest: Wenn die Sonne in Syrene genau senkrecht steht, beträgt ihr Einfallswinkel im nördlicheren Alexandria etwa sieben Grad. Das entspricht dem Fünfzigstel eines Kreises. Daraus schloss Eratosthenes: Der Abstand zwischen Alexandria und Syrene beträgt ein Fünfzigstel des Erdumfangs.
Berechnung des Erdumfangs
Jetzt konnte Eratosthenes den gesamten Erdumfang bestimmen. Denn er kannte auch den ungefähren Abstand zwischen Alexandria und Syrene, dem heutigen Assuan. Damals sprach man von 5000 Stadien, heute von etwa 850 Kilometern. Diesen Abstand zwischen Alexandria und Syrene multiplizierte Eratosthenes mit 50. Dem tatsächlichen Wert des Erdumfangs von etwa 40.000 Kilometern kam er so sehr nahe. Seine Berechnung war also ziemlich genau – und gehört zu den bekanntesten wissenschaftlichen Leistungen des Altertums.
Autor/in:
Anne Allmeling
Redaktion:
Martin Gent



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