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Die Kleine Anfrage: Wie wird angelaufenes Silberbesteck wieder blank?
Moderation: Martin Winkelheide
Silber ist ein sehr beliebtes, fein glänzendes Edelmetall und wird seit etwa 5000 vor Christus verarbeitet – vor allem als Schmuck oder Besteck. Da es aber auch ein relativ weiches Metall ist und eine Silbergabel schon beim Stich in ein festes Stück Fleisch verbiegen könnte, wird bei der Besteckherstellung nur ganz selten reines Silber verwendet. Gebräuchlicher sind Legierungen z. B. mit Kupfer. (Die Gabel mit dem Stempelaufdruck 925 hat einen Feinsilbergehalt von 925 Teilen, die restlichen 75 sind meistens Kupferteilchen). Häufig wird das Besteck auch nur versilbert – d. h. nur die äußere Schicht besteht aus Silber, den Kern bildet ein härteres Material wie z. B. Edelstahl. Dadurch soll auch das rasche Anlaufen des Silberbestecks vermindert werden.
Anlaufen: unschöne Patina
Wird Silberbesteck nicht dauernd benutzt, läuft es schwarz an. Grund dafür sind die Schwefelbestandteile in der Luft. Sie reagieren mit dem Silber und verwandeln es in Silbersulfid – dem unschönen schwarzen Belag. Verhindern lässt sich diese chemische Reaktion nur, wenn man das Silberbesteck luftdicht verschlossen (vakuumiert) aufbewahrt.
Silberpflege 1: Erhitzen
Funktioniert, aber nur bei reinem, also 100 %igem Silber. Durch die Erhitzung wird das unschöne Silbersulfid zersetzt und wieder in reines Silber verwandelt. Besteht das Besteck aber aus einer Legierung – z. B. mit Kupfer- dann treten die Kupferanteile beim Erhitzen an die Oberfläche, reagieren dort zu Kupferoxyd – einer ebenfalls schwarzen Schicht.
Außerdem muss man das Metall dazu sehr hoch erhitzen, was schwer durchzuführen und außerdem nicht ungefährlich ist, denn Silber schmilzt bereits bei etwa 1000 Grad Celsius.
Silberpflege 2: Putzen
Das mechanische Abreiben des Silbersulfids erfordert viel Kraft und Zeit. Oft werden dazu Mittel wie Kreide, Scheuermittel oder Zahnpasta verwendet. Der Erfolg ist da, aber bei jedem Reiben, werden auch immer Silberbestandteile mit entfernt.
Silberpflege 3: Geschirrspüler
Manche Hersteller bieten ihr Silberbesteck mit einem speziellen Anlaufschutz an und bezeichnen es als spülmaschinenfest an. Meistens gilt das aber nur für die ersten Waschvorgänge in der Maschine, dann hat sich der Schutz abgespült und das Besteck kommt nicht mehr blank aus der Maschine. Das liegt daran, dass in der Maschine Luft und Speisereste enthalten sind, die zum dunklen Belag führen. Außerdem kann das Silber durch den Kontakt zu anderen Metallen und zum Spülmittel verkratzen. Außerdem dauert der Spülgang meistens zu lange.
Silberpflege 4: Chemische Mittel
Im Handel werden zahlreiche Pasten und Lösungen angeboten. Zur einfacheren Handhabung gibt es Tücher, Watte oder spezielle Handschuhe, die bereits mit diesen Mitteln getränkt sind. Sie sollen außerdem einen sogenannten Anlaufschutz enthalten, der das Entstehen der schwarzen Patina zumindest etwas verzögern kann. Letztlich enthalten all diese Mittel aber auch wieder minimale Schmiergelteilchen, die das Silber bei häufiger Anwendung abtragen. Besser sind die angebotenen Tauchbäder. Die Gegenstände werden hineingelegt und sind nach kurzer Zeit wieder blank. Dabei entsteht ein leichter Geruch nach Schwefelwasserstoff (faule Eier) – deutliches Anzeichen für die ablaufende chemische Reaktion zwischen Silber und Schwefel.
Silberpflege 5: Elektrochemische Reinigung
Preiswerter sind selbstgemachte Tauchbäder. Dazu legt man ein Plastikgefäß mit sauberer Alufolie aus, gibt Salz, Soda oder Natron hinzu und gießt das Ganze mit kochendem Wasser auf. In diese Lösung legt man das angelaufene Silberbesteck. Nach 10 bis 15 Minuten ist es sauber und die Alufolie dunkel. Das Ganze funktioniert nach dem Prinzip einer Batterie.
Für die schwarze Sicht ist Silbersulfid zuständig, das durch den Kontakt mit der Luft und Speisen entsteht. Da das Silber bei dieser Reaktion Elektronen abgibt, spricht man davon, das das Silber oxidiert wird. Um diese Schicht zu entfernen, braucht man wieder Elektronen, die die Verbindung zwischen Silber und Schwefel lösen. Da Aluminium ein unedles Metall ist, gibt es viel leichter Elektronen ab als das edle Silber. Wenn man beide Metalle in Verbindung bringt, wandern Elektronen vom Aluminium zum Silber, so entsteht eine geringe Spannung. Das Salz in der Lösung erleichtert den Transport der Elektronen. Sie trennen das Silbersulfid wieder in die Bestandteile Silber und Schwefel. Das Silber bleibt am Besteck, der Schwefel und das oxidierte Aluminium bleiben als Schmutz zurück.
Das warme Wasser dient nur dazu, die Reaktion loszutreten und zu beschleunigen. Theoretisch geht es auch mit kaltem Wasser, dann dauert es aber deutlich länger, bis sich der schwarze Film auflöst.
Die elektrische Spannung, die sich bei diesem Prozess aufbaut, ist sehr gering. Sie würde nicht einmal eine Glühbirne zum Leuchten bringen. Es besteht also nicht die Gefahr eines elektrischen Schlags, wenn man in die Lösung fasst.
Fazit
Am besten benutzt man sein Silberbesteck dauerhaft, dann bleibt keine Zeit für das hässliche Anlaufen. Eine andere vorbeugende Maßnahme dagegen gibt es bislang nicht. Ist die dunkle Patina erst mal da, hilft nur säubern. Oder man greift gleich zu Edelstahlbesteck.
Autor/in:
Ariane Hoffmann
Redaktion:
Martin Gent
Die Kleine Anfrage: Wie wird angelaufenes Silberbesteck wieder blank?










