s
Service: Sachbücher für den Urlaub
Leonardos Empfehlungen für den Sommer 2012
Moderation: Franz-Josef Hansel
Egal ob es draußen regnet, oder man in der Sonne am Strand liegt - Zeit zum Lesen hat man im Sommerurlaub immer, wenn man will. Unsere Buchvorschläge belegen einmal mehr: Es müssen nicht immer Romane sein. Eva Wolk stellt drei neue Sachbücher vor, die sich für die Ferien prima eignen: Wir kommen dem Leben einer Schnecke näher; tun, was wir schon immer tun wollten; und erfahren Fakten über unser Urlaubsziel, die wir höchstwahrscheinlich noch nicht kannten.
Elisabeth Tova Bailey, Das Geräusch einer Schnecke beim Essen, Nagel & Kimche, 2012, 176 Seiten, € 16,90 , ISBN 3312004985
Ein mysteriöses Virus wirft die Autorin für lange Zeit aufs Krankenlager. Eines Tages bringt eine Freundin einen Blumentopf vorbei, in dem zufällig eine kleine Weinbergschnecke sitzt. Ganz allmählich entwickelt die Autorin, wegen körperlicher Schwäche zu ähnlicher Langsamkeit gezwungen, eine Beziehung zu ihrer neuen Mitbewohnerin. Mit zunehmendem Interesse verfolgt sie das zeitlupengleich ablaufende Dasein der Schnecke. Die Autorin lernt – auch aus einer Fülle von Fachliteratur, in der sie sich fest liest -, dass Schnecken soziale Wesen sind. Ihre Fühler können nachwachsen – genau wie ihre Zähne, 2640 an der Zahl. In der Stille ihres Krankenzimmers lauscht die Autorin dem kaum hörbare Fräsen dieser Zähnchenreihen beim Fressen. Am Ende fühlt sich die schließlich wieder gesunde Autorin reich beschenkt. Sie drückt das mit einem Zitat des Mediziners Sir William Osler aus: „Denk nicht daran, wie viel zu tun ist, welche Schwierigkeiten zu bewältigen sind oder welches Ziel erreicht werden soll, sondern widme dich gewissenhaft der kleinen Aufgabe, die gerade ansteht, und lass das für heute genügen.“ Ein Buch wie eine beruhigende Meditation und interessant dazu. Lesen!
Isabel Bogdan, Sachen machen. Was ich schon immer tun wollte, Rowohlt 2012, 224 Seiten, € 8,99, ISBN 349962818X
Isabel Bogdan probiert mutig alles Mögliche aus und schreibt darüber: Sie hat die Lebensfreudemesse besucht, Siebenmeilenstiefel angezogen, in der Unsicht-Bar im Dunkeln diniert, im Casino Geld verspielt. Und sie hat sich zusammen mit einer Freundin einen Kindheitstraum erfüllt und eine ganze Nacht in einer Buchhandlung einschließen lassen: „Wir sehen all die Bücher im Regal stehen, die wir längst zu Hause, aber noch nicht gelesen haben. Wie es scheint, brauchen wir gar keine Nacht in einer Buchhandlung, wir brauchen keinen neuen Lesestoff, wir brauchen acht Wochen Urlaub für den alten.“ Beim Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken staunt Bogdan: Entgegen allen Klischees geht es dort zwar laut und dröhnend, aber gleichzeitig friedlich, anständig und sauber zu. „Toilettenagen mit Wasserspülung! Nix Hygiene-Katastrophe, nix Dixi. Alles frisch geputzt, es gibt Klopapier und Handwaschbecken. Jemand geht vorbei und sagt zu den Händewäschern: Ihr wisst aber schon, dass Händewaschen kein Heavy Metal ist? Allgemeines Gelächter. Gott, ist das alles nett hier!“ Es ist sehr unterhaltsam zu lesen, wie Isabel Bogdan am Rabbatz teilnimmt, an einem Ü-18-Abend im Indoor-Spielplatz mit Hüpfburgen und Rutsche und Trampolin und Legobauen, und wie sie eine Abnehmhose testet. Das Buch „Sachen machen“ ist lustig und motiviert (teilweise) auch, das Eine oder Andere mal selbst auszuprobieren.
John Oldale, Doktor Oldales geographisches Lexikon, Rowohlt 2012, 324 Seiten, € 16,95, ISBN 3499629542
Drei Jahrzehnte ist John Oldale durch die Welt gereist und hat die Hälfte aller Länder der Erde gesehen. Sein Buch ist ein unglaublich reiches, erstaunliches und unterhaltsames Sammelsurium von Wissen im Häppchenformat: Riten, Eigenarten, Ereignisse, Traditionen, Geschichtsdetails der anderen Art.
Beispiele:
„Deutschland: Das erste Taschenbuch der Welt, Pelham von Edward Bulwer-Lytton, wurde 1841 in Leipzig veröffentlicht. Um Befürchtungen auszuräumen, es könnte die Verkäufe der gebundenen Ausgabe ruinieren, mussten die Leser sich als Kaufbedingung einverstanden erklären, das Taschenbuch nach dem Lesen wegzuwerfen.
Mazedonien:
Nachdem die Perser eine ganze Reihe von Schlachten gewonnen hatten, indem sie Alexanders Soldaten an ihren Bärten von den Pferden zogen, befahl er seiner ganzen Armee, sich zu rasieren.
Indien:
Die indische Eisenbahn hat 6 700 000 000 Fahrgäste pro Jahr. Das ist die Zahl der Erdbevölkerung. Nicht enthalten sind rund eine Milliarde Schwarzfahrer, Dachgäste und Toilettenblockierer. Zum Zugservice gehören auch zwei Krankenhäuser und vier Hotels.“
Doktor Oldales geographisches Lexikon überrascht und macht Spaß, es ist wie eine Weltreise auf dem Sofa. Nicht nur etwas für die Urlaubszeit.
Autor/in:
Eva Wolk
Redaktion:
Anne Preger




![Bild: Pfanne mit Atom; Rechte: interfoto/mauritius images/WDR[m]](/fileadmin/user_upload/Sendungen/Leonardo/2012/Kuechenexperimente/Foto/KETeaserLogo_160x70.jpg)







