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Service Gesundheit: Schielen lässt sich beheben
Auch bei Erwachsenen sind Korrekturen möglich
Moderation: Marija Bakker
Fünf Millionen Menschen in Deutschland schielen. Die Erkenntnis, dass sehr früh in der Kindheit eine falsche Stellung des Auges korrigiert werden sollte, ist zwar weit verbreitet, dennoch kommen Eltern manchmal zu spät mit einem schielenden Kind in die Praxis, was dazu führen kann, dass ein Auge "abschaltet" und das Sehvermögen dauerhaft leidet. Die Fehlstellung eines Auges dagegen lässt sich jederzeit korrigieren - auch bei Erwachsenen.
Wann sollten Eltern mit ihrem Kind zum Augenarzt gehen, wenn es schielt?
Dass Babys in den ersten Lebensmonaten gelegentlich schielen, ist völlig normal. Wenn aber das Baby ständig schielt oder gelegentlich auch noch nach den ersten Lebensmonaten, sollte ein Augenarzt sich das genauer ansehen.
Ist Schielen erblich?
Das Erbgut hat einen Einfluss, aber der ist komplex. Genau haben die Wissenschaftler das noch nicht verstanden. Dennoch raten Augenärzte dazu, dass Kinder etwa im neunten Lebensmonat augenärztlich untersucht werden, wenn in der Familie Mutter, Vater, Opa, Oma oder Geschwister schielen. Diese Kinder haben tatsächlich ein höheres Risiko, selbst zu schielen.
Warum sollten schielende Kinder früh behandelt werden?
Wenn ein Auge falsch steht, treffen sich die Sehachsen beider Augen nicht, sondern zielen aneinander vorbei. Dadurch produzieren die Augen so unterschiedliche Bilder, dass das Gehirn sie nicht mehr zu einem einzigen Bild verschmelzen kann. Ein plötzlich schielender Erwachsener sieht dann doppelt. Ein Kind kann das Bild des kranken Auges unterdrücken. Doch der Preis dafür ist hoch: Wenn nichts getan wird, lernt das kranke Auge niemals, scharf zu sehen. Irgendwann wird es ganz abgeschaltet, obwohl es organisch eigentlich gesund ist.
Woran liegt es, wenn ein Mensch schielt?
Schielen kann ganz verschiedene Ursachen haben. Warum kleine Kinder oft schielen, ist noch nicht genau geklärt. Das Erbgut kann eine Rolle spielen. Aber wo das Hauptproblem liegt, wissen die Fachärzte noch nicht. Wenn Erwachsene, seltener auch Kinder, plötzlich anfangen zu schielen, ist oft die Motorik gestört. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Hirnnerven gelähmt sind, die das Zusammenspiel der Augenmuskeln steuern. Oder die Augenmuskeln sind entzündet. Ursache dafür können Krankheiten oder Unfälle sein.
Wann raten Augenärzte zur Operation?
Bei einigen Schielformen reicht es, dass eine korrigierende Brille verordnet wird. Ist der Schielwinkel zu groß, raten die Augenärzte oft zur Operation. Der Eingriff wird bei Kindern und meist auch bei Erwachsenen in Vollnarkose durchgeführt. Dabei werden die betreffenden Augenmuskeln vor- oder rückgelagert. Dazu wird die Bindehaut geöffnet. Manchmal muss auch das gesunde Auge operiert werden. Komplikationen, die das Auge dauerhaft schädigen, sind mit unter 1:50.000 Operationen äußerst selten.
In welchem Alter ist die Operation am schielenden Auge sinnvoll?
Kinder werden hierzulande in der Regel im vierten oder fünften Lebensjahr operiert. In einigen europäischen Ländern und in den USA kommen teilweise schon Zwei- bis Dreijährige unters Messer. Doch die Mithilfe der Kinder ist wichtig, schon beim genauen Messen des Schielwinkels. Denn nur wenn diese Angaben präzise sind, kann die Operation erfolgreich sein. Vorschulkinder können das besser als Kleinkinder, so die Erfahrung der deutschen Fachleute.
Wie erfolgreich sind die Operationen bei schielenden Kindern?
Egal, ob Kinder mit zwei oder mit fünf Jahren operiert werden, die Erfolgsquoten sind ähnlich. Das haben Studien gezeigt. Rund die Hälfte der operierten kleinen Patientinnen und Patienten kann hinterher besser mit beiden Augen zugleich sehen, auch wenn das räumliche Sehen immer noch schwächer als bei gesunden Kindern sein kann.
Kann Schielen auch bei Erwachsenen noch operativ korrigiert werden?
In vielen Fällen geht das. Allerdings ist es nach dem Kindesalter kaum noch möglich, die Sehschärfe des schielenden Auges wieder zu verbessern. Immerhin gelingt es nicht selten durch die Operation, dass die Patienten wieder ganz ordentlich beidäugig sehen können. Eine Fehlstellung des Auges zu korrigieren, gilt daher nicht als Schönheitsoperation. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.
Wie wird bei Kindern die Sehschwäche des schielenden Auges behandelt?
Das gute Auge muss eine Zeitlang abgeklebt werden – oft für mehrere Stunden am Tag. So lernt das sehschwache Auge in Zusammenarbeit mit dem Gehirn wieder besser zu sehen. Viele Studien haben in den vergangenen Jahren genauer untersucht, wie lange und in welchen Zeitabständen das Auge abgeklebt werden muss, damit das Training Erfolg hat. So wissen die Augenärzte inzwischen besser, was es heißt, so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig abzukleben.
Autor/in:
Monika Weides
Redaktion:
Monika Kunze





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