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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 03.03.2010, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Vermieter und  Studentin schauen sich deutsch-chinesisches Wörterbuch an; Rechte: picture-alliance/dpa

 "Wohnen für Hilfe" lautet der Deal

Service Bildung: Wohnen für Hilfe

Partnerschaften auf Zeit

"Wohnen für Hilfe" ist ein Projekt, in dem Studenten Behinderten, Senioren oder Alleinstehenden bei der Hausarbeit helfen und dafür ein Zimmer im Haushalt bewohnen können. "Wohnen für Hilfe" gibt es nun auch in Köln.

In anderen Ländern gibt es das Modell schon länger, in deutschen Hochschulstädten setzt es sich erst  langsam durch: „Wohnen für Hilfe“ heißt ein Projekt, bei dem Studentinnen und Studenten ihre Vermieter nicht mit Geld, sondern mit Hilfsleistungen im Haushalt bezahlen – eine gute Möglichkeit, um das knappe Budget der Nachwuchsakademiker zu schonen. Gleichzeitig profitieren die – oft älteren – Wohnungsbesitzer von der Unterstützung.

Wohnen für Hilfe – wie funktioniert das genau?

Hinter dem Begriff – abgekürzt auch WfH – verbirgt sich eine Wohngemeinschaft der etwas anderen Art. Statt der monatlichen Überweisung bekommen die Vermieter nämlich Hilfeleistungen im Haushalt, die zwischen den beiden Parteien vereinbart werden. In fünf NRW-Städten kümmern sich zumeist öffentliche oder öffentlich-rechtliche Träger um diese Form des Zusammenwohnens. Häufig sind auch die Universitäten oder Studentenwerke mit eingebunden. Das Konzept beruht auf der Idee, dass verschiedene Generationen solidarisch zusammen leben. Wohnen für Hilfe firmiert auch unter anderen Begriffen, etwa „Wohnpartnerschaften“ oder „WohnDuo“.

Was ist mit den Nebenkosten?

Gas-, Wasser- und Stromkosten werden von der Vereinbarung in der Regel nicht abgedeckt.

Für wen ist das Projekt gedacht?

Die Zielgruppen sind je nach Stadt unterschiedlich. Oft geht es um Studentenwohnungen, die auf diese Weise zur Verfügung gestellt werden. Auf Vermieterseite kann das Angebot von Älteren genutzt werden, aber auch von Menschen, die sich einfach einsam fühlen oder aus sonstigen Gründen gerne einen Mitbewohner im Haushalt hätten. In allen beteiligten Städten – in NRW derzeit vier – begleiten die Projektleitungen die jeweiligen Wohnpartner. Man lernt sich also vorher kennen und kann sich beschnuppern, das gemeinsame Wohnen wird begleitet und bei Problemen gibt es externe Hilfe und Unterstützung.

Woher kommt die Idee?

Entwickelt wurde das Konzept in den frühen 1990er Jahren in Spanien und England, auch in Israel gibt es schon länger solche Modelle. 1992 wurde in Darmstadt das erste deutsche WfH-Projekt ins Leben gerufen.

Wie viel und welche Hilfe wird erwartet?

Für den Umfang der Hilfe gibt es klare Regeln: Pro Quadratmeter Wohnfläche ist eine Stunde pro Monat an Hilfe fällig, so die Faustregel. Dabei kann die Unterstützung des Wohnungseigentümers in ganz unterschiedlicher Form erfolgen: Bei der Gartenarbeit oder im Haushalt, beim Einkaufen oder durch gemeinsame Spaziergänge, bei Behördenbesuchen, durch Sprachunterricht oder auch einfach durch die Anwesenheit zu bestimmten Zeiten. Wichtig  ist, dass sich beide Seiten vor Beginn der Wohnpartnerschaft klar auf Art und Umfang der Hilfe einigen. Ausgeschlossen sind übrigens Pflegeleistungen jeglicher Art.

Wohnen für Hilfe – was bringt mir das?

Die RWTH Aachen, die das örtliche Projekt unterstützt, nennt auf ihrer Internetseite (siehe „Links“) eine ganze Reihe von Vorteilen für die Beteiligten:

  • Die Wohnpartnerschaft vermeidet Isolation auf beiden Seiten
  • Die Lebensbedingungen der Interessenten erfahren eine neue Qualität.
  • Beide Wohnpartner/innen sparen: Die Studierenden (und ihre Familien) können ihre Mietkosten senken, die ältere Person vermeidet Ausgaben für externe Hilfe und gegebenenfalls für Umzugskosten.
  • Die Familie und die Angehörigen der älteren Personen haben ein sicheres Gefühl, z. B. wenn sie nicht vor Ort wohnen.
  • Studierende gewinnen an Sozialkompetenz: Eine Bescheinigung darüber wird ihnen nach Beendigung eines WOHNDUOS ausgestellt.
  • Der gesellschaftliche Gewinn liegt im aktiven und gelebten Austausch zwischen den Generationen und in dem ebenso aktiven und gelebten Beitrag zur Integration junger ausländischer Studierenden.
  • Ein WOHNDUO bietet mehr als den Austausch von Dienstleistungen: Die älter werdenden Menschen blicken auf ein langes Berufsleben zurück während die Studierenden kurz vor ihrem beruflichen Leben stehen. Die älteren Personen können ihre Erfahrung weiter geben und profitieren wiederum vom aktuellen Wissensstand ihrer jungen Wohnpartner/innen.
  • „Wohnen für Hilfe“ trägt auch dazu bei, neue Bilder vom Alter zu schaffen, sowie positive Bilder der jungen Generation zu transportieren.

Ich interessiere mich für das Projekt – wer hilft mir weiter?

Ansprechpartner sind die Projektleitungen in den beteiligten Städten. In Nordrhein-Westfalen sind das derzeit Aachen, Düsseldorf, Köln, Münster und Siegen. Die Adressen sind unten aufgelistet.

Autor/in:

Livegespräch mit Armin Himmelrath

Redaktion:

Angelika Böhrke

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