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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 02.02.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Leerer Hörsaal; Rechte: Image Source

 Numerus Fixus vs. Numerus Clausus

Service Bildung: Studieren in den Niederlanden

Was man wissen sollte, wenn man zu den Nachbarn geht

Moderation: Franz-Josef Hansel

Über 25 000 Deutsche haben vor einem Jahr In den Niederlanden studiert, und in diesem Semester dürften es noch einige mehr geworden sein. In den grenznahen Hochschulen, wie Venlo, Maastricht oder Arnheim,  sind Deutsche in manchen Studienfächern in der Mehrheit. Studiert wird oft auf Deutsch, aber auch Niederländisch lässt sich immer noch leichter lernen als Französisch oder Spanisch. Während deutsche Hochschulen unter der Überlastung durch immer mehr Studierende ächzen,  fast alle Studiengänge nur noch mit einem exzellenten Notenschnitt offen stehen, können deutsche Abiturienten sich problemlos in den Niederlanden bewerben, und diese Hochschulen werben sogar noch um Studierende.

Bewerbung

Zulassungsbeschränkungen sind in den Niederlanden, anders als in Deutschland, relativ selten. Dennoch gibt es auch in den Niederlanden stärker nachgefragte Studiengänge wie beispielsweise Tier-, Human- und Zahnmedizin, sowie einige Wirtschaftsstudiengänge, die dann in der Zulassung beschränkt werden.

In einigen Studiengängen will die niederländische Regierung mit Studienplatzbeschränkungen das Arbeitskräfteangebot steuern.  Wenn die Nachfrage das Angebot an Plätzen übersteigt, werden die Plätze ausgelost. Der Notendurchschnitt, Wartezeiten oder Zulassungsverfahren gibt es also nicht.

Während in Deutschland vor Beginn des Bewerbungsverfahren bekannt gegeben werden muss, ob es unter Umständen eine Beschränkung und damit ein Auswahlverfahren gibt, ist es in den Niederlanden anders: Hier zeigt sich erst während des laufenden Verfahren, ob eine Zulassungsbeschränkung besteht. Dies hängt dann von der Nachfrage ab. Die Zulassungsbeschränkung in den Niederlanden wird als Numerus Fixus bezeichnet.

In zulassungsbeschränkten Fächern muss man sich bis Ende April bewerben, in den zulassungsfreien Studienrichtungen geht es bis zum Semesterbeginn. Erwünscht und möglich ist freilich, dass man sich schon am Ende des Jahres vor Studienbeginn anmeldet.

Studielink ist die zentrale Sammelstelle für alle Bewerbungen, aber nicht alle Hochschulen und Universitäten nehmen an dem Verbund teil. Wer sich über Studielink anmeldet, wird  im Verlauf der Bewerbung darauf aufmerksam gemacht, wenn eine Hochschule (noch) nicht an dem Verbund teilnimmt. Dann muss man sich direkt über die Hochschulwebsite anmelden.

Studiengänge
Formal gibt es keine Probleme mit der Anerkennung von Bachelor- und Master-Abschlüssen. Problematischer sind die Berufe, für die man ein Staatsexamen braucht: Lehrer und Juristen. Da braucht man in Deutschland eine zusätzliche Anerkennungsprüfung.

In den Niederlanden sind Fachhochschulen verbreiteter als in Deutschland. Und entsprechend gibt es viele berufs- und anwendungsbezogene Bachelor-Studiengänge. Man kann Horse-Management ebenso studieren wie „leisure sciences“. Im Bereich Sozialpädagogik gibt es berufsbegleitende Studiengänge, mit denen sich etwa Erzieherinnen weiter qualifizieren können.

„Verschultes“ Studium
In einem wesentlichen Punkt unterscheiden sich niederländische Hochschulen von unseren deutschen Hochschulen: Während in Deutschland der Lernstoff überwiegend durch Vorlesungen, Übungen und Seminare vermittelt wird, steht in den Niederlanden der so genannte ''problemgesteuerte Unterricht'' (probleemgestuurd onderwijs) im Vordergrund. Für viele Studierende ist diese Lernform der optimale Weg zum erfolgreichen Studienabschluss. Auch das Verhältnis zwischen Studenten und Dozenten ist viel offener als in Deutschland.

Sprache
Die Unterrichtssprache ist bei den meisten Studienangeboten Niederländisch. Viele Hochschulen bieten auch englisch- oder sogar deutschsprachige Studiengänge an.

In den niederländischsprachigen Studiengängen werden an den Universitäten Kenntnisse auf dem Niveau NT 2 verlangt. Dieses Sprachniveau wird erreicht, wenn man die Sprache lesen, sprechen und schreiben kann. Das NT2 ist ein staatliches Zertifikat, bei dem zwei Niveaus unterschieden werden. Vor einer Bewerbung sollte man sich bei der Hochschule erkundigen, welches Niveau dort verlangt wird. Einige Hochschulen bieten vier- bis sechswöchige Intensivkurse an. Manche Hochschulen haben die Sprachkurse in den Unterricht integriert. Diese kosten allerdings zusätzliche Gebühren.

Seit 2007 finden die NT2-Prüfungen nahezu wöchentlich an sechs verschiedenen Standorten (Amsterdam, Rotterdam, Breda, Utrecht, Eindhoven, Zwolle) statt. Neben dem NT2-Examen bieten die Universitäten in den Niederlanden das so genannte ITN (Interuniversitair Toelatingsexamen Nederland) an. Im ITN werden Sprachkenntnisse im Lesen, Sprechen, Hören und Schreiben geprüft.

Gebühren
Die staatlich finanzierten Hochschulen verlangen derzeit 1771 Euro Studiengebühren im Jahr. Dieser Satz kann in den nächsten Jahren steigen. Hochschulen, die mehr verlangen, sind keine öffentlich geförderten und möglicherweise ist ihr Angebot nicht seriös. Dieser Satz gilt nur für Studierende, die in den Benelux-Staaten wohnen, in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Bremen. Durch diese Regelung sollen Studierende offenbar gezwungen werden, ihren Erstwohnsitz an ihrem Studienort anzumelden.

Wohnen
Viele deutsche Studierende kommen aus der Grenzregion und bleiben zuhause wohnen. Selbst aus Köln hat man nach Maastricht kaum mehr als eine Stunde Anfahrzeit. Man kann in den Niederlanden in Studentenwohnheimen oder Studentenhäusern wohnen, manche Hochschulen sind bei der Zimmersuche behilflich. In Amsterdam, Utrecht und Maastricht sind Zimmer sehr teuer. Die Meinungen darüber, ob das Leben in den Niederlanden teurer ist als in Deutschland, gehen auseinander.

Autor/in:

Karl-Heinz Heinemann

Redaktion:

Rainer Marquardt

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