Mars: Auf zum roten Planeten

Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima, Rechte: WDR
Sendung vom 03.08.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr

Mission zum Mars - eine Chronik des Scheiterns

Forscherdrang, Fehlschläge und Peinlichkeiten

Seit über 50 Jahren ist der Mars ein Lieblingsziel für Raumfahrt-Missionen. Die 43. Sonde, die den roten Planeten ansteuert, heißt Curiosity. Sie soll am 6. August 2012 landen und dann die staubige Oberfläche erkunden - diesmal mit Erfolg. Denn davor liegen fünf Jahrzehnte Forscherdrang, Fehlschläge und peinliche Momente. Wir geben einen Überblick über Erfolge und Enttäuschungen zwischen Weltraum-Bahnhof und Mars-Orbit.


Der Leonardo-Beitrag zum Nachhören

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Leonardo - Auf zum roten Planeten von Dirk Lorenzen


1960

Raumsonde Sputnik, Rechte: akg-images/NASA
Sputnik begeistert 1957 die Welt

Mission: Erster sein! Drei Jahre nach dem ersten erfolgreichen Satellitenstart des Sputnik will es die Sowjetunion 1960 wissen.
Die Marsnik-Sonden 1 und 2 sollen am Mars vorbeifliegen und dabei Fotos machen. Sie schaffen es jedoch nicht einmal bis in die Erdumlaufbahn.


1962

Bei der Erforschung des roten Planeten behalten die Russen das Monopol. Ihre Missionen bleiben zwar weiterhin erfolglos, aber immerhin erreichen Sputnik 22 und 24 die Umlaufbahn eines Planeten – allerdings handelt es sich dabei lediglich um die Erde. Schuld ist das Versagen der Trägerrakete.

Unbemannte Raumfahrt: Satelliten im All [Leonardo]


1964

Die USA erscheinen auf der Bildfläche der Mars-Missionen. Während die Sonde Mariner 3 ihre Runden statt am Mars vorbei nur in der Erdumlaufbahn zieht, bringt Mariner 4 den Durchbruch: die ersten Nahaufnahmen vom Mars. 22 Bilder, die dokumentieren sollen: Wir waren da!


1971 bis 1973

Die Technik wird auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs besser. Ein erfolgreich gelandetes Bodengerät der sowjetischen Mission Mars 3 verstummt jedoch nach 20 Sekunden auf der Mars-Oberfläche. Mögliche Ursache: Ein Staubsturm könnte den sogenannten Lander umgeworfen haben.


1976

Bild vom Mars der Viking-Sonde aus dem Jahr 1976, Rechte: dpa
Erste Farbfotos von Viking

Jubel bei der NASA: Die beiden Viking-Sonden erreichen die Mars-Umlaufbahn und die Bodeneinheiten landen sicher. Ergebnis nach vier Jahren: insgesamt 56.000 Bilder aus dem Orbit und 4.550 Bilder von der Landestelle. Nie sah roter Staub beeindruckender aus.


1989

Während sich der Zusammenbruch des Ostblocks ankündigt, machen Kommunikationsprobleme zwischen unten und oben auch den sowjetischen Phobos-Missionen zu schaffen. Gleich zweimal bricht der Kontakt wegen eines falschen Befehls an die Sonde ab. Phobos 1 dreht sich deshalb von der Sonne weg, wodurch die Batterie erfriert.

Mars, der rote Planet [Leonardo]


1993

Transistor, Rechte: Picture alliance/ Sciene Photo Library
Billige Bauteile, teure Pleite

Fast ein Jahr haben die NASA-Mitarbeiter im Kontrollzentrum gewartet und dann: Stille. Mars Observer verstummt drei Tage vor dem errechneten Termin zum Einschwenken in die Mars-Umlaufbahn. Wahrscheinliche Ursache für das Scheitern der Multi-Millionen-Dollar-Mission: ein defekter Transistor im Wert von einigen Cent. Prüfen kann das keiner mehr, die Sonde bleibt verschollen.


1998 bis 2003

Die japanische Raumfahrt-Organisation ISAS wagt ihren ersten Schritt in Richtung Mars. Mehr als vier Jahre ist die Sonde unterwegs. Weil Sonnenstürme das Haupttriebwerk beschädigt haben, kann Nozomi (deutsch: Hoffnung) nicht in den Orbit einschwenken, sondern fliegt in 870 Kilometern Entfernung an unserem Nachbarplaneten vorbei.


1999

Blick auf den Mars, Rechte: Mauritius images
In der Mars-Atmosphäre verglüht

Aus 45 Minuten Stille wird eine Ewigkeit. Die NASA-Raumsonde Mars Climate Orbiter taucht nicht wieder aus dem Funkschatten des Mars auf – sie verglüht in der Atmosphäre. Die 160 Millionen Dollar teure Klimasonde ist verloren. Extrem peinlich: Schuld ist ein Anfängerfehler. Die Forscher der US-Weltraumbehörde arbeiten mit unterschiedlichen Maßeinheiten. Das Navigationsteam nutzt, wie in der Raumfahrt üblich, das metrische System. Die Konstrukteure rechnen mit britischen Maßeinheiten, also Meilen und Pfund statt Kilometern und Newton. Der Orbiter fliegt die Mars-Umlaufbahn deshalb viel zu tief an.


2003

Mars Express, Rechte: dpa
ESA-Mission: Mars Express

Dass es unerfreulich ausgeht, wenn sich ein Fallschirm nicht öffnet, erleben die britischen Raumfahrt-Experten mit Beagle 2. So heißt der Lander, den sie für die ESA-Mission Mars Express beigesteuert haben. Das Landesystem hat keine Bremsraketen, stattdessen soll Beagle 2 an Fallschirmen zur Marsoberfläche sinken. Doch diese – oder die Landekissen, die den Aufprall abmildern sollen – versagen. Der Lander zerschellt.


2011

Nach 15 Jahren Pause schickt Russland wieder eine eigene Mars-Sonde ins All. Beziehungsweise versucht es, erstmals in Kooperation mit China. Fobos-Grunt scheitert – vermutlich an Ausfällen des Computersystems. Die Sonde schafft es nicht über die Erdumlaufbahn hinaus. Reste der russischen Sonde und des chinesischen Orbiters Yinghuo-1 stürzten vor Chile in den Pazifik.


26. November 2011

Marssonde Curiositiy, Rechte: dpa
2,5 Milliarden-Projekt Curiosity

Die NASA wagt einen neuen Versuch und schickt eine Raumsonde mit dem Mars-Rover Curiosity ins All. Das Fahrzeug ist 900 Kilogramm schwer und ungefähr so groß wie ein Pkw. Die Kosten liegen bei 2,5 Milliarden Dollar. Die Forscher erhoffen sich, Hinweise auf vergangenes Leben zu finden.

Trägerrakete hebt planmäßig ab [tagesschau.de, 26.11.2011]



Stand: 03.08.2012



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